Acht Jahre hat Google gegen Brüssel gekämpft – und jetzt ist endgültig Schluss. Der Europäische Gerichtshof hat am 2. Juli 2026 die letzte Berufung des Konzerns gegen das 4,1 Milliarden Euro Bußgeld abgewiesen. Keine weitere Instanz, kein Schlupfloch. Die höchste Kartellstrafe der EU-Geschichte ist rechtskräftig, und sie trifft einen Konzern, der sie mit unter drei Prozent seines Jahresgewinns bezahlen kann. Der Vorwurf dahinter ist simpel: Google zwang Hersteller wie Samsung per Vertrag, auf Android-Geräten ausschließlich die eigene Suche und Chrome vorzuinstallieren.
Acht Jahre Kampf gegen Brüssel – und jetzt ist endgültig Schluss
Der Fall begann 2015, als die EU-Kommission das Verfahren eröffnete. 2018 folgte die Rekordstrafe von ursprünglich 4,34 Milliarden Euro, die ein niedrigeres Gericht 2022 auf 4,1 Milliarden reduzierte – aber im Kern nie infrage stellte. Google hat in all den Jahren keine einzige Instanz überzeugt, und jetzt gibt es keine mehr.
Die Reaktion des Konzerns ist routinierte PR-Prosa. „Android bietet mehr Auswahl für alle und unterstützt tausende Unternehmen“, zitiert CNBC einen Google-Sprecher. Dass man die Verträge „bereits 2018 angepasst“ habe, soll versöhnlich klingen – ist aber das stillschweigende Eingeständnis, dass die ursprünglichen Vereinbarungen problematisch waren.
Big Tech vor Gericht, das ist längst kein Google-exklusives Phänomen mehr. Valve-Chef Gabe Newell stand selbst erst kürzlich im Kartellverfahren und argumentierte, Spieler hätten „enorme Auswahl“, wo sie ihre Spiele kaufen – während Steam die 40 Millionen Marke bei gleichzeitigen Nutzern knackte. Die Parallele ist auffällig: Marktdominanz mit Wahlfreiheit zu verteidigen funktioniert vor Gericht genauso schlecht wie in Brüssel.
4,1 Milliarden Euro Strafe, aber weniger als drei Prozent vom Jahresgewinn
Jetzt kommt die mathematische Pointe. 4,1 Milliarden Euro – das klingt nach einer Summe, die Konzerne in die Knie zwingt. Doch Alphabets Jahresgewinn liegt bei rund 140 Milliarden Dollar. Die Rekordstrafe entspricht weniger als drei Prozent davon. Drei Prozent. Das ist kein Dolchstoß, das ist ein Insektenstich.
Microsoft hat das kürzlich vorgemacht, wie wir berichteten: 250 Millionen Dollar Vergleich im Aktionärsstreit um die Activision-Blizzard-Übernahme, also 0,33 Prozent des Deal-Volumens. Beide Konzerne zahlen lieber neunstellige Beträge, als interne Kommunikation vor Gericht ausbreiten zu lassen. Der Vergleich ist jedes Mal billiger als die Transparenz.
Die New Yorker Börse reagierte mit einem kollektiven Schulterzucken. Die Alphabet-Aktie gab im vorbörslichen Handel rund ein Prozent nach. Für einen Konzern mit über 300 Milliarden Dollar Jahresumsatz ist selbst die höchste Kartellstrafe Europas ein Posten, den die Finanzabteilung vor dem Mittagessen abhakt.
Trump droht mit Zöllen, Brüssel macht weiter – was das Urteil für Big Tech bedeutet
Das Timing könnte brisanter kaum sein. Erst im Juni drohte US-Präsident Donald Trump mit hundertprozentigen Zöllen auf Importe aus Ländern, die eine Digitalsteuer auf US-Unternehmen erheben. Frankreich und Spanien haben solche Steuern bereits. Andrew Puzder, US-Botschafter bei der EU, warnte, Europa könne nicht „überregulieren“ und gleichzeitig an der KI-Wirtschaft teilhaben.
Brüssel bleibt unbeeindruckt. Wie die Deutsche Welle berichtet, wertet die EU das Urteil als Rückenwind für den Digital Markets Act – das schärfere Schwert, das präventiv eingreifen soll, statt erst nach jahrelangen Prozessen Strafen zu verhängen. Bei Verstößen drohen damit bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – nicht drei.
Während die Kartellverfahren durch die Instanzen wandern, baut Google unbeirrt neue Produkte. Erst im März rollte das Unternehmen Search Live weltweit aus – eine KI-Sprachsuche, die per Kamera sieht und in natürlichem Dialog antwortet. Die Botschaft aus Mountain View ist glasklar: Kartellstrafen hin oder her, der Innovationsmotor läuft. Und warum auch nicht? Drei Prozent vom Gewinn sind drei Prozent vom Gewinn.