Die Entlassungen bei Xbox haben auch Bethesda Game Studios erwischt – und diesmal trifft es genau die Leute, die seit Jahren an The Elder Scrolls 6 bauen. Mehr als 50 Mitarbeiter mussten gehen, darunter Entwickler, die seit Morrowind dabei waren. Laut aktuellen und ehemaligen Angestellten, die mit IGN gesprochen haben, war das kein normaler Stellenabbau. Es waren „key, high-performing people in the trenches“ – also diejenigen, die das Spiel wirklich voranbringen. Die verbliebenen Teammitglieder zeichnen ein düsteres Bild. In den Büros in Dallas und Rockville wurden improvisierte „Celebrations of Service“-Memorials aufgestellt, mit Fotos der Entlassenen. Die Personalabteilung hat diese bereits wieder entfernen lassen. Was übrig bleibt, ist ein Team, das sich fragt, ob es das nächste große Elder Scrolls überhaupt noch zu Ende bringen kann.
Was die Entlassungen mit dem TES6-Team gemacht haben
„Ein Mitarbeiter, der seit Morrowind dabei war, ist gegangen“, sagt eine Quelle. Es waren Leute aus allen Bereichen: Programmierer, Artists, Designer. Der Verlust dieser Leute sei „erheblich und wird sich kaskadenartig auf das Spiel und die Moral auswirken“ – so der IGN-Beitrag mit den ausführlichen Staff-Zitaten. Das klingt nicht nach einem Studio, das kurz vor großen Fortschritten steht – sondern nach einem, das erstmal wieder lernen muss, ohne seine erfahrensten Köpfe zu arbeiten.
Jason Schreier hatte bereits Anfang Juli bestätigt, dass TES6 noch mindestens zwei Jahre entfernt ist. Das war, bevor die Layoffs bekannt wurden. Nach diesem Aderlass dürfte sich diese Schätzung als optimistisch erweisen – nicht weil das Spiel nicht gut wird, sondern weil institutionelles Wissen einfach nicht ersetzbar ist.
Warum die Angst vor Vertragslaboren und Crunch kein bloßes Gerücht ist
Ein Entwickler formuliert die Angst, die im Studio umgeht, ganz direkt: „Es gibt die Befürchtung, dass wir durch billigere Vertragsarbeiter ersetzt werden.“ Das Problem: Bethesdas Tools sind proprietär. Neue Leute müssen erst lernen, wie die Engine funktioniert. Das kostet Zeit – Zeit, die durch Crunch hereingeholt werden müsste.
Das ist keine abstrakte Sorge. id Software, das Schwesterstudio, hat 136 von 185 Vollzeitstellen verloren. ZeniMax Online, das Team hinter The Elder Scrolls Online, musste 212 Mitarbeiter ziehen lassen. Die Logik von Microsofts Sparkurs ist klar: Kosten runter, Effizienz rauf. Aber Spieleentwicklung funktioniert nicht wie eine Fabrik. Man kann nicht einfach neue Leute ans Fließband stellen.
Wie Microsofts Strategie Bethesda in die Zange nimmt
Asha Sharma, seit einem Jahr Xbox-CEO, hat die größte Umstrukturierung der Xbox-Geschichte angekündigt: 3.200 Mitarbeiter verlieren ihren Job, vier Studios werden abgestoßen. Die Begründung: Xbox habe jahrelang 64 Cent pro investiertem Euro verloren und sei aufgebläht. In Teilen des Konzerns durchlaufe Arbeit bis zu 14 Führungsebenen.
Gleichzeitig betont Sharma, dass The Elder Scrolls 6 zu den Kernmarken gehört, in die weiter investiert wird. Matt Booty, Chief Content Officer bei Xbox, hatte erst kürzlich gesagt, er habe TES6 bei Todd Howard gespielt – es sehe „fantastisch“ aus. Dass nach acht Jahren noch immer kein Gameplay gezeigt wurde und jede PR-Floskel ohne Beleg bleibt, passt in ein bekanntes Muster. Jetzt, wo die Layoffs die Entwickler treffen, wirken diese Aussagen wie Hohn.
Denn egal wie viel Geld Microsoft in TES6 pumpt – die Leute, die es bauen sollten, sind teilweise weg. Und die, die geblieben sind, rechnen mit Verspätung.