The Elder Scrolls 6 bleibt das am besten gehütete Nichts der Spielebranche. Acht Jahre nach dem berüchtigten Teasertrailer, der nichts als eine Bergkette und ein Logo zeigte, hat Bloomberg-Journalist Jason Schreier die erste realistische Zeitangabe geliefert: Noch zwei bis drei Jahre, sagte er in einer Live-Q&A zu Microsofts aktueller Xbox-Krise. Was wie eine weitere Verschiebung klingt, ist in Wahrheit die ehrlichste Aussage, die wir seit der Ankündigung bekommen haben. Denn während Microsofts PR-Maschine weiter „fantastisch“ und „coming along well“ flüstert, zeichnet sich hinter den Kulissen ein Bild, das niemanden überraschen sollte – aber jeden trifft, der noch gehofft hat.
Zwei bis drei Jahre – die Zahl, die Bethesda nicht genannt hat
Schreier sprach im Rahmen einer Bloomberg-Live-Q&A, die sich eigentlich um die Massenentlassungen bei Xbox drehte – 1.600 Stellen sind bereits gestrichen, weitere sollen folgen. Auf die Frage nach dem Stand von The Elder Scrolls 6 antwortete der Branchen-Insider knapp: Das Rollenspiel sei „noch mindestens zwei Jahre“ von der Fertigstellung entfernt. Gegenüber anderen Medien präzisierte er später auf „zwei bis drei Jahre“.
Die Aussage ist bemerkenswert, weil Bethesda selbst seit 2018 jede konkrete Zeitangabe vermeidet. Todd Howard spricht stattdessen von „unserem größten Projekt“, Matt Booty von „fantastischen“ Eindrücken bei einem Besuch im Studio. Nur Schreier, der kein PR-Statement abliefern muss, nennt eine Zahl. Und die erklärt auch, warum Howard im vergangenen Dezember öffentlich zugab, dass er für GTA 6 die Daumen drücke – der Release im November 2026 wird kommen, bevor Bethesdas Open-World-Epos auch nur einen Footprint in der Realität hinterlassen hat.
Dass die Entwicklung tatsächlich so lange dauert, hat handfeste Gründe. IGN berichtet, dass die Entlassungen im Juli nicht nur ZeniMax Online und id Software trafen, sondern offenbar auch das TES6-Team bei Bethesda Game Studios direkt. Das klingt nicht nach einem Studio, das kurz vor der Zielgeraden steht.
Was Matt Booty sah, aber nicht zeigte
Über die Jahre hat sich ein seltsames Ritual entwickelt. Xbox-Manager und Bethesda-Entwickler treten in Interviews auf, bestätigen, dass The Elder Scrolls 6 existiert – und liefern keinen einzigen belegbaren Fakt. Matt Booty, Chief Content Officer bei Xbox, erzählte Variety im Juni, er habe das Spiel bei Todd Howard spielen sehen: „Es sieht fantastisch aus. Es kommt gut voran.“ Ein Satz, der jedes Projekt in jeder Phase beschreiben könnte.
Todd Howard selbst ist da ehrlicher. Er bereut die Ankündigung von 2018 öffentlich und wünscht sich, man hätte damals einfach geschwiegen. Im März scherzte er, man solle so tun, „als hätten wir es nie angekündigt“. Das ist kein selbstbewusster Entwickler, der auf den großen Wurf wartet – das ist einer, der unter dem Druck einer Ankündigung steht, die acht Jahre zu früh kam.
Bemerkenswert ist auch Howards Gedanke, das Spiel am Ende per Shadow Drop zu veröffentlichen – also ohne lange Vorankündigung. Der Release von Oblivion Remastered war dafür ein Testlauf. Das klingt nach einem Team, das keine Lust mehr auf die ewige Hype-Schleife hat. Aber auch nach einem, das sich nicht traut, einen festen Termin zu nennen.
Die 15 Jahre Lücke – warum Xbox keine Geduld mehr hat
Während Bethesda schweigt, hat Microsofts neue Führung längst Konsequenzen gezogen. Xbox-Chefin Asha Sharma verteilt die Mittel radikal um: Studios, die nicht liefern, werden beschnitten oder geschlossen. Das freiwerdende Geld fließt in die drei Kernmarken Fallout, Halo und The Elder Scrolls. In einem internen Memo schrieb Sharma, man habe die Marken „nicht ausreichend finanziert, um zu konkurrieren und zu gewinnen“.
Die Zahlen geben ihr recht. 15 Jahre nach Skyrim, elf Jahre nach Fallout 4 – und nichts von Bethesdas Kernstudio auf der Xbox Series X/S. Kein neues Elder Scrolls, kein neues Fallout. Starfield war der einzige Versuch, und der spaltete die Community mit steriler Erkundung und hölzernen Animationen, die viele auf die Grenzen der Creation Engine 2 zurückführten. Genau diese Engine wird in Version 3 jetzt auch TES6 antreiben.
Dass Sharma und Ball jetzt die Reißleine ziehen, ist kein PR-Manöver. Es ist das Eingeständnis, dass zwei Konsolengenerationen an genau dieser Lücke gescheitert sind. Ob mehr Geld allein das Problem löst, bleibt offen. Die Zeit lässt sich nicht mit Budgets kaufen – und ein Team, das gerade Stellen streicht, arbeitet nicht schneller.
Auf den Pixel gefühlt…
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