Cairn bekommt mit On the Trail: Deep Water sein erstes DLC – und The Game Bakers stopft es voll mit neuen Felsen, einem zweiten Charakter und einem Modus, der die Karte endlich auf links dreht. Wer nach dem Gipfelsturm dachte, der Mount Kami hätte nichts mehr zu bieten, wird eines Besseren belehrt.
Drei Felsen, ein neuer Griff und ein Sturz ins Nasse
Die drei neuen Gebiete in Deep Water liegen am Wasser. Haken und Ruka ragen aus dem Ozean, und das ändert eine der wichtigsten Regeln von Cairn: Wer abrutscht, stirbt nicht mehr, sondern landet im Meer. Water Soloing nennt The Game Bakers das, und es ist mehr als ein Sicherheitsnetz. Der Rhythmus verschiebt sich, weil ihr über Wasser riskanter greifen könnt – schneller improvisieren, ohne nach jedem Fehlgriff die ganze Route neu zu planen.
Schon der Gameplay-Trailer zum Hauptspiel zeigte, wohin die Reise geht: mehr Wetter, mehr Survival, mehr von dem, was Cairn ausmacht. Deep Water setzt das fort, ohne die Formel zu überdehnen. Die Gebiete sind bewusst kleiner als der Mount Kami, aber keine Häppchen für zwischendurch.
Dazu gesellt sich die Lamu-Kletterhalle, ein Indoor-Areal mit Routen, die eher an Bouldern als an alpinistische Expeditionen erinnern. Und dann ist da Marco. Der zweite spielbare Charakter ist kein Skin, kein Reskin, keine kosmetische Fußnote – Marco klettert anders. Er hat nicht Aavas Flexibilität, dafür aber Arme, die mehr Gewicht stemmen. Wer Cairn bisher mit ihrem geschmeidigen, fast tänzerischem Stil gespielt hat, muss bei ihm umdenken: weniger filigrane Moves, mehr rohe Kraft. Das verändert die Art, wie man Routen liest – und genau da fängt ein kostenloses DLC an, nach echtem Inhalt zu schmecken.
Der Modus, der den Berg erst richtig öffnet
Bisher war Cairn eine lineare Expedition: Der Gipfel war das Ziel, der Weg dorthin eine Abfolge von Prüfungen. Free Roam macht daraus ein anderes Spiel. Plötzlich geht es nicht mehr nur ums Ankommen, sondern ums Verweilen, um Umwege, um Routen, die man im Hauptspiel nie ausprobiert hat, weil der Gipfel gerufen hat.
The Game Bakers hätte es sich einfach machen können: drei neue Karten, fertig. Stattdessen bekommt der bestehende Berg eine zweite Daseinsberechtigung – und das kostenlos. Die Community hat das offenbar ähnlich gesehen. Unter dem Ankündigungs-Trailer sammelten sich Kommentare wie „Ich würde für dieses DLC mehr als gerne bezahlen“ – ein Satz, den man in der Spielebranche nicht oft hört.
Die Wertschätzung kommt nicht von ungefähr: Cairn hat sich in den ersten zwei Monaten über 500.000 Mal verkauft und steht bei 94 Prozent positiven Steam-Reviews. Wie schon beim Demo-Update setzt The Game Bakers auf kostenlose Inhalte, um die Community bei der Stange zu halten.
Ein Studio, das weiß, was es an seinem Publikum hat
The Game Bakers sitzt in Montpellier, hat 25 Leute und fünf Millionen Euro in Cairn gesteckt. Das ist kein Hit-Fabrik-Konzern, sondern ein Studio, das mit Furi und Haven bewiesen hat, dass kleine, scharfe Konzepte mit klarer Handschrift funktionieren. Cairn ist der bislang größte Wurf – und der riskanteste. Das Spiel schlug nach einer Verschiebung von November 2025 auf Januar 2026 so ein, dass sich die Geduld gelohnt hat. Die Verschiebung des DLC von August auf Oktober 2026 fügt sich in dieses Muster: lieber spät und rund als pünktlich und unfertig.
Deep Water ist auf PS5 und PC (Steam, Epic Games Store, GOG) verfügbar, und wer die Hauptversion besitzt, zahlt keinen Cent extra. Die On the Trail-Reihe ist als Serie kostenloser Erweiterungen angelegt – ein Modell, das in Zeiten von 30-Euro-Saisonpassen fast schon exzentrisch wirkt. Aber genau diese Haltung passt zu einem Studio, das seine „Trilogie über Freiheit“ (so die eigene Beschreibung von Furi über Haven bis Cairn) nicht als Marketingfloskel behandelt. Freiheit heißt hier auch: Der Berg gehört dir, auch nach dem Abspann. Und wenn Marco dabei hilft, ihn mit anderen Armen neu zu entdecken, umso besser.
