Daba: Land of Water Scar erscheint im Frühjahr 2027 exklusiv für die PlayStation 5. Das gaben Sony Interactive Entertainment und Entwickler Dark Star im Rahmen einer neuen Gameplay-Präsentation offiziell bekannt und zeigten erstmals ausführliches Material zu Kampfsystem, Waffenwechsel und der düsteren Spielwelt der erwachten Tonpuppe.
Wenn Souls-Kämpfe endlich das Rollen satthaben
Auf dem Papier klingt Daba: Land of Water Scar wie die x-te Variation eines längst überstrapazierten Genres, doch der frische Trailer zeigt etwas anderes. Statt des typischen Ausweich-Marathons, bei dem man halbe Ewigkeiten auf eine winzige Lücke im Angriffsmuster wartet, greifen hier Paraden und Konter fast beiläufig ineinander. Die Tonpuppe wirbelt mit zwei geschwungenen Krummsäbeln durch Gegnergruppen, ohne dass die Unreal Engine 5-Kulisse dabei ins Ruckeln gerät – zumindest im kuratierten Trailer-Material, das Sony hier feilbietet.
Das eigentlich Interessante steckt im Waffenwechsel. Wo flinke Klingen an dick gepanzerten Gegnern abprallen, wechselt die Figur auf einen zweihändigen Knüppel, der Schilde mit trockenem Wucht-Feedback aus den Angeln hebt. Klingt nach cleverem Rock Paper Scissors-Design, wie es auch das ebenfalls chinesische Phantom Blade Zero mit seinem Stilwechsel verfolgt, funktioniert aber nur, wenn die Hitboxen im finalen Build genauso knackig sitzen wie im aktuellen Marketing-Schnipsel.
Dark Star kennt sich mit Bosskämpfen aus, ihr Erstling SINNER: Sacrifice for Redemption wurde von der Fachpresse allerdings nie als Sensation gefeiert, sondern eher als solide Nische mit Ecken und Kanten abgetan. Genug Vertrauensvorschuss für ein zweites, deutlich ambitionierteres Projekt bleibt trotzdem übrig – die eigentliche Nagelprobe findet aber woanders statt.
Eine durstige Welt und die Frage, ob die Zeit reicht
Denn die Spielwelt selbst liefert genug erzählerischen Zündstoff, um über technische Kleinigkeiten hinwegzusehen. Man steuert keine strahlende Heldenfigur, sondern eine Tonpuppe, deren Erwachen im Gefüge der Welt niemals vorgesehen war. Die titelgebende Achse der Welten liegt in Trümmern, das Land Daba verdurstet buchstäblich, und man zieht als fremdartiges Wesen durch verfallene Ruinen, um Fragmente der eigenen Identität und des versiegten Wassers zusammenzusetzen.
Wüsten-Dürre als erzählerischer Kern ist im China Hero Project kein Einzelfall – schon das ebenfalls geförderte Loulan: The Cursed Sand setzt auf ausgetrocknetes Land als düsteren Handlungsmotor. Das nicht-lineare, vertikal verwinkelte Leveldesign von Daba verspricht echte Erkundungsfreude statt stumpfer Schlauchlevel-Architektur.
Genau dieses Weltgefühl macht auch verständlich, warum Sony den Titel überhaupt aufgegriffen hat. Nur: Vielversprechende Atmosphäre und knackige Kampfmechaniken hat man in der Branche schon öfter gesehen, bevor Verzögerungen und Fokus-Verluste den ursprünglichen Charme zermahlt haben. Und genau an diesem Punkt wird die Chose bei Daba interessant, denn hier klafft eine Lücke, über die bislang kaum jemand spricht.
Von Q2 2024 zu Frühjahr 2027 klafft eine gewaltige Lücke
Push Square vermeldete für Daba einst ein Zielfenster von Q2 2024. Jetzt steht offiziell Frühjahr 2027 im Raum – eine Verschiebung von fast drei Jahren, ohne dass Sony oder Dark Star jemals öffentlich erklärt hätten, warum. Das ist kein Weltuntergang, Entwicklungszyklen verschieben sich ständig, aber es zeigt, wie sehr das China Hero Project auf Vertrauensvorschuss läuft. Sony verkauft das Programm gern als Erfolgsgeschichte, verschweigt dabei aber gerne die Kehrseite: Erst vor kurzem flog Convallaria kommentarlos aus der offiziellen Projektliste, nachdem Entwickler dem eigenen Management interne Fehlwirtschaft vorwarfen.
Das China Hero-Siegel ist also kein Qualitätsgarant, sondern schlicht ein Türöffner für PS5 Marketing Budget. Für Daba bedeutet das: Der Trailer sieht vielversprechend aus, das Kampfsystem klingt clever durchdacht, und die Story-Prämisse trägt echtes Alleinstellungsmerkmal in sich. Doch bis Frühjahr 2027 bleibt genug Zeit für weitere Verschiebungen, Fokus-Wechsel oder stille Absetzung von der Projektliste. Wer sich jetzt schon festlegen will, sollte den Enthusiasmus lieber dosieren und erst dann jubeln, wenn ein handfestes Datum im Kalender steht.
