Werbung in Videospielen ist kein neues Phänomen. Dass ein Publisher sie aber offiziell zum Kernprogramm erklärt und auf seine größten Marken ausrollt – das ist die eigentliche Nachricht. Electronic Arts hat EA Advertising vorgestellt, eine Plattform, die Anzeigenplätze in Echtzeit in Spiele wie EA Sports FC, Madden oder College Football integriert. Spieler müssen sich also darauf einstellen, dass Stadionbanden, Trikots und Spielumgebungen künftig echte Werbekunden zeigen – während des Spielens, nicht nur im Menü.
Was steckt hinter EA Advertising?
Die offizielle Beschreibung klingt nach einem durchdachten Konzept. EA verspricht Anzeigen, die das Spielerlebnis bereichern statt stören – Stadionbanden, virtuelle Werbetafeln, gesponserte Events. David Tinson, Chief Experiences Officer bei EA, formuliert das so: „Spieler kommen jeden Tag in die Spiele und Live-Erlebnisse von EA, um zu spielen, zuzuschauen, zu kreieren und Kontakte zu knüpfen. Das gibt Marken eine sinnvolle Möglichkeit, sich auf eine Weise zu präsentieren, die einen Mehrwert bietet und das Spielerlebnis respektiert.“
Die technische Grundlage: Anzeigenplätze in Echtzeit, die sich dynamisch aktualisieren. Anders als statische Banner oder einmalige Sponsorenlogos können Marken hier Kampagnen live schalten, anpassen und die Performance messen. Das System ist an das EA Sports Partner Program angebunden, das Partnerschaften im Sportbereich bündelt. Auf der offiziellen EA-Seite heißt es, die Anzeigen seien so konzipiert, dass sie das Spielerlebnis bereichern statt stören – eine Formulierung, die man kritisch im Hinterkopf behalten sollte.
Sechs bekannte Namen sind schon an Bord
Die Liste der ersten Partner kann sich sehen lassen: Visa, Lowe’s, Red Bull, Peacock, Xfinity und Mountain Dew haben bereits Verträge unterschrieben, wie die Wirtschaftspresse berichtet. Visa ist etwa in EA Sports FC aktiv, Mountain Dew im College Football. Reine Sporttitel also – was naheliegend ist. Virtuelle Stadionwerbung gibt es in Fußballsimulationen schließlich seit Jahren, nur bisher als generische Platzhalter statt als reale Buchungen.
Gut möglich, dass diese Liste bald wächst. EA spricht von einem skalierbaren Ansatz, der auf die gesamte Portfolio-Palette ausgeweitet werden kann – ein interessanter Schritt, wenn man bedenkt, dass der Publisher kürzlich im Zuge seiner milliardenschweren Übernahme unter neuen Eigentümern steht.
Battlefield und Mass Effect – die heikle Frage
Bisher beschränkt sich EA Advertising auf Sportspiele. In College Football oder UFC sind solche Kooperationen kaum ein Problem – Stadionwerbung gehört zur Sportästhetik. Anders sieht es aus, wenn EA das Modell auf Battlefield oder gar das nächste Mass Effect ausweitet. Der Konzern selbst räumt ein, dass man hier besonders vorsichtig vorgehen will.
Das Vokabular erinnert fatal an frühere Phasen der EA-Geschichte. Der Publisher hat eine Historie mit Spieler-Frust, die von den Lootboxen in Star Wars Battlefront 2 bis zur Abschaltung von bezahlten Titeln wie Real Racing 3 reicht. In einem Shooter oder einer narrativ getriebenen Singleplayer-Welt würde jede Mountain-Dew-Dose die Immersion empfindlich stören. Die entscheidende Frage: Lässt sich Werbung in Spielen umsetzen, die Spieler bereits zum Vollpreis kaufen, ohne dass sie sich veräppelt fühlen?
Prüft selbst: Wenn ihr das nächste Mal EA Sports FC startet – bemerkt ihr überhaupt den Unterschied zwischen generischer Stadionkulisse und echten Anzeigen?