Wenige Tage ist es her, dass die ersten Berichte über Entlassungen bei EA die Runde machten. Jetzt wird klar: Es ist schlimmer gekommen als befürchtet. Der Publisher hat in dieser Woche eine unbestimmte Zahl an Mitarbeitern in den USA und Indien entlassen – darunter langjährige Angestellte aus dem Kundensupport und der IT. Die Begründung aus der Firmenzentrale in Redwood City fällt dünn aus. Dabei steht eine entscheidende Woche bevor: Die EU-Kommission entscheidet bis zum 22. Juli über den milliardenschweren Verkauf EAs an Saudi-Arabiens Staatsfonds.
Nicht wiederzuerkennen: Was EA in dieser Woche mit seinen Teams macht
Betroffen sind Mitarbeiter aus den Abteilungen Trust & Safety, IT, Kundensupport und Recruiting – sowohl am Hauptsitz in den USA als auch im indischen Hyderabad. Dort sollen laut einem Bericht von Kotaku auch langjährige Kräfte mit über zehn Jahren Betriebszugehörigkeit gehen müssen. Eine interne E-Mail an das Fan-Care-Team, die dem Magazin vorliegt, spricht davon, sich „veränderten Bedürfnissen der Fans anzupassen“ und Aufgaben auf „andere Teams, Standorte oder Dienstleister“ zu verlagern. Hinter diesen Phrasen steckt ein weiteres Outsourcing-Programm – zum dritten Mal in diesem Jahr.
Erst im März traf es die Battlefield 6 Entwickler bei DICE, Criterion und Ripple Effect mit über 300 Stellenstreichungen. Der aktuelle Schritt ist nicht die zweite, sondern die dritte Welle 2026. Die Summe der Entlassungen seit 2023 kratzt an der 2.000er-Marke – und das bei einem Publisher, der mit Battlefield 6 gerade erst den Rekord für den schnellsten Verkauf der Firmengeschichte aufgestellt hat.
Die Ironie dahinter: Kundenservice streichen, während man Rekorde feiert
EA hat im Herbst 2025 mit Battlefield 6 ganze Arbeit geleistet: Über 7 Millionen Exemplare in den ersten drei Tagen, 172 Millionen Matches am Startwochenende, bestverkauftes Spiel des Jahres in den USA aus dem Stand. Die Bilanz des letzten Geschäftsjahres liegt bei 7,5 Milliarden Dollar Umsatz – ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Trotzdem kürzt EA in den Abteilungen, die den Betrieb am Laufen halten sollen. Die Logik dahinter: Die geplante Übernahme wird den Publisher mit Milliarden Schulden belasten. Analysten rechnen mit einem radikalen Sparkurs nach Abschluss des Deals. Wer geglaubt hat, dass EA nach der Ankündigung des Verkaufs an den saudischen PIF erst einmal Ruhe gibt, den belehrt diese Woche eines Besseren.
Die nächste Hiobsbotschaft: Wie die PIF-Übernahme die Personalpolitik bestimmt
Im Oktober 2025, nur wenige Wochen nach Bekanntgabe der Buyout-Pläne, beschwichtigte die Führungsetage die Belegschaft noch. Keine „unmittelbaren Änderungen“ für die Mitarbeiter, hieß es. Zwischen diesem Statement und heute liegen zwei Entlassungswellen, eine Werbe-Initiative, die EA Advertising getauft wurde und heftige Kritik erntete, und ein in der Branche beispielloser Kontrollverlust. Der PIF hält nach aktuellen Dokumenten 93,4 Prozent an EA – EA wird saudisch, wie wir im Dezember berichteten.
Die EU-Kommission prüft den Deal derzeit – wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, läuft die Frist für die EU-Entscheidung über den Deal am 22. Juli ab. Ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase setzt EA auf Stellenabbau statt auf Stabilität. Dass die betroffenen Teams nicht etwa im kreativen Bereich liegen, sondern dort, wo Spieler Probleme melden, Accounts geschützt und neue Talente angeworben werden, macht die Sache noch brisanter.
Was das für Spieler bedeutet
Die aktuelle Welle trifft ausgerechnet die Leute, die EA-Spieler im Alltag sehen: Kundendienst-Mitarbeiter, die bei Account-Problemen helfen, Safety-Teams, die gegen Cheater und Belästigung vorgehen, Recruiter, die neue Entwicklerteams aufbauen. Wer also auf schnellen Support hofft, wenn nach dem PIF-Deal die Server umziehen oder die neuen Werbeformate für Verwirrung sorgen, dürfte bald länger warten.
EA startet Entlassungswelle – das war die Überschrift unseres Artikels von vergangenem Samstag. Jetzt ist klar: Das war nicht die Warnung. Das war der Beginn.