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Games

Embracer sucht neue Partner für Deus Ex und Legacy of Kain: Ende einer Durststrecke oder verdeckter Fire Sale?

Embracer öffnet die Türen für externe Entwickler, um seine Schlaf-IPs zu wecken. Die Liste ist lang, die Vorgeschichte chaotisch – und die Frage, wer sich traut, diese heißen Kartoffeln anzufassen, ist völlig offen.

Max Wollersberger
von Max Wollersberger
22.05.26
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Lesezeit: 5 Min.
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Es klingt nach einer zweiten Chance für einige der schmerzhaft vernachlässigten Marken der Spieleindustrie. Im Zuge der Aufspaltung in Fellowship Entertainment und einen schlankeren Embracer-Konzern verkündete Aufsichtsratschef Lars Wingefors in einem offenen Brief, dass man „aktiv externe Partnerschaften“ für 14 teils legendäre Spieleserien prüfen will. Neben Deus Ex, Legacy of Kain und Thief stehen auch Saints Row, Red Faction und TimeSplitters auf dem Prüfstand. Für Fans klingt das erstmal nach einer Erlösung – doch die Vorgeschichte des schwedischen Mega-Publishers verleiht dem Ganzen einen faden Beigeschmack.

Das steckt im Artikel
  • Ein Konzern auf Schrumpfkur: Was steckt hinter dem Sinneswandel?
  • Diese IPs stehen zur Disposition – und diese werden behütet
  • Was bedeutet „externe Partnerschaft“ eigentlich?
  • Was bedeutet das für die Zukunft dieser Serien?
  • Auf den Pixel gefühlt…

Ein Konzern auf Schrumpfkur: Was steckt hinter dem Sinneswandel?

Um zu verstehen, warum Embracer jetzt wie ein Versandhauskatalog mit seinen Edelmarken hausieren geht, muss man sich die jüngere Vergangenheit des Publishers ansehen. Nach der geplatzten 2-Milliarden-Dollar-Investition des saudischen Savvy Games Fonds im Jahr 2023 geriet der Konzern massiv unter Druck. Studios wurden geschlossen, hunderte Mitarbeiter entlassen und ein bereits fortgeschrittenes neues Deus Ex bei Eidos Montreal nach zwei Jahren Entwicklung eingestellt – ein damals branchenweit beachteter Schritt, den wir auf PixelCritics schon im Kontext der angespannten Lage bei Eidos Montreal eingeordnet haben. Genau diese Aderlass-Mentalität wirft nun einen Schatten auf die neuen Partnerschaftspläne.

Diese IPs stehen zur Disposition – und diese werden behütet

Wingefors differenziert in seinem Schreiben klar zwischen zwei Kategorien. In die erste fallen die ganz großen Kaliber wie Der Herr der Ringe, Tomb Raider, Kingdom Come Deliverance, Dead Island oder Metro – hier will Embracer weiterhin eigenes Kapital investieren und die Marken selbst vorantreiben. Die zweite Liga ist die eigentlich spannende: Hier tummeln sich Perlen, die teils seit über einem Jahrzehnt kein neues Spiel mehr gesehen haben.

  • Deus Ex – Der letzte Teil Mankind Divided erschien 2016. Ein Nachfolger wurde 2024 gecancelled.
  • Legacy of Kain – Defiance kam 2003. Seitdem: Funkstille, abgesehen von einem gerüchteweise gecancelten Reboot.
  • Thief – Der vierte Teil von 2014 enttäuschte eher. Die ursprüngliche Trilogie ist legendär.
  • Saints Row – Der Reboot von 2022 floppte. Volition, das Studio dahinter, wurde 2023 dichtgemacht.
  • Red Faction – Guerrilla (2009) war ein Hit, Armageddon (2011) ein Reinfall. Seitdem nichts.
  • TimeSplitters – Der kultige Arena-Shooter. Ein Reboot wurde 2023 eingestellt.

Hinzu kommen kuriose Lizenzen wie The Mask – die Comic- bzw. Film-Marke. Dass auch Dark Horse operativ in die neue Licensing-Sparte eingegliedert wird, zeigt, dass Embracer nicht nur an Spiele-Partnerschaften, sondern auch an TV- und Filmadaptionen denkt.

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Was bedeutet „externe Partnerschaft“ eigentlich?

Hier liegt der Hund begraben. Der Begriff klingt nach Win-Win-Situation: Ein externes Studio bekommt die Lizenz, entwickelt ein Spiel, Embracer kassiert mit. In der Praxis kann das aber von reinen Lizenzdeals (wie damals THQ Nordics Saints Row IV Re-Release) über Co-Development bis hin zum kompletten Verkauf der Markenrechte reichen. Der entscheidende Satz im Wingefors-Brief lautet: „Einige dieser IPs waren in der Industrie unterbewertet.“ Übersetzt heißt das: Embracer hat gemerkt, dass auf den Marken mehr Geld liegt, wenn sie in fremde Hände gegeben werden, die wirklich Bock darauf haben. Ein kluger Schachzug – oder der Versuch, die heißgeliebten Kinderschätze zu Geld zu machen, weil man selbst nichts mehr mit ihnen anzufangen weiß.

Die bittere Pointe: Embracer kaufte diese Studios und IPs 2022 für rund 300 Millionen Dollar von Square Enix, nachdem die Japaner sie ebenfalls nicht mehr wollten. Jetzt, nur vier Jahre später, werden sie erneut weitergereicht. Das spricht entweder für eine gnadenlose Fehleinschätzung des Marktwerts durch Embracer – oder für den Ernst der Lage, in der sich der Konzern nach der geplatzten Saudi-Finanzierung befindet. Wer sich für die kontroversen Verstrickungen des Publishers interessiert, sollte auch einen Blick auf die Affäre um Bobby Kotick und die angebliche Embracer-Sabotage werfen.

Was bedeutet das für die Zukunft dieser Serien?

Konkret ändert sich kurzfristig wenig. Die Aufspaltung soll laut Embracer erst Ende 2027 vollzogen sein. Verhandlungen mit externen Studios laufen vermutlich bereits – offizielle Ankündigungen sind aber frühestens 2027 zu erwarten. Der interessanteste Kandidat ist natürlich Deus Ex: Die Marke ist kulturell relevant, technisch anspruchsvoll und braucht ein Studio mit Erfahrung in immersiven Simulationen. Ob sich ein externer Partner findet, der das Risiko eines neuen Triple-A-Titels tragen will und kann – das ist die Millionenfrage.

Wenn du ein Fan von Legacy of Kain oder Thief bist, rate ich dir: Freu dich nicht zu früh. Externe Lizenzen enden oft bei B- und C-Studios mit kleineren Budgets. Ein würdiger Nachfolger für Soul Reaver oder Thief 2: The Metal Age wäre ein kleines Wunder. Aber hey – die bloße Tatsache, dass Embracer diese Marken nicht komplett im Tresor verrotten lässt, ist immerhin ein hoffnungsvolles Zeichen.

Auf den Pixel gefühlt…

Kurz, präzise, unbestechlich

Embracer zerlegt sich in zwei Hälften, um den Shareholder Value zu retten – und gibt dabei Marken frei, die sie selbst nie zum Laufen gebracht haben. Die Ankündigung klingt wie eine Einladung zum Brainstorming, ist aber in Wahrheit eine Risiko-Verlagerung auf externe Schultern. Ein externes Studio muss nicht nur die Lizenz zahlen, sondern auch das Entwicklungsrisiko stemmen. Für Fans bedeutet das: weniger Kontrolle über die Qualität, aber immerhin eine reale Chance auf ein neues Spiel. Ob am Ende ein Deus Ex-Meisterwerk oder ein Saints Row-Desaster rauskommt, ist reine Glückssache.
TAGGED:Deus ExEmbracer Group

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vonMax Wollersberger
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Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.
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