Der Esports World Cup 2025 in Riad war das massivste Turnier seiner Geschichte: 2.000 Spieler aus 200 Clubs, 25 Wettbewerbe in 24 Spielen, 70 Millionen Dollar Preisgeld. Und es war das umstrittenste – wegen des Austragungsortes Saudi-Arabien und der ewigen Sportswashing-Debatte. Jetzt kommt die zweite Staffel der Dokumentarserie Level Up auf Prime Video, die hinter die Kulissen blickt. Alle fünf Episoden erscheinen am 26. Juni exklusiv bei Amazon.
Zwischen Ruhm und Trauma: Die Spielerporträts der neuen Staffel
Regisseur R.J. Cutler, der für Netflix bereits Martha Stewart und Billie Eilish dokumentarisch porträtierte, verfolgt diesmal einen dokumentarischen Vérité Ansatz. Sieben Wochen lang begleitete sein Team die Protagonisten in Riad, reiste aber auch nach Großbritannien, Indonesien und in die USA, um ihr Privatleben einzufangen.
Die Liste der porträtierten Spieler ist beachtlich:
- Boaster (Fnatic, VALORANT): Der Brite, der vom Schauspielstudenten zum Titelanwärter wurde. VALORANT war erstmals Teil des EWC – der Druck auf das Gesicht von Fnatics Roster war enorm.
- Vivian (Team Vitality, Mobile Legends: Bang Bang): Ihre Geschichte handelt nicht nur vom Sieg, sondern von der Verarbeitung traumatischer Kindheitserfahrungen. Für sie geht es um einen lebensverändernden Gewinn – aus Indonesien, einem Land mit wachsender, aber immer noch brotlosen Esports-Szene.
- Xiao Hai (KuaiShou Gaming, Fatal Fury: City of the Wolves): Der amtierende Champion, der schon mit sechs Jahren gegen Erwachsene antrat. Heute balanciert er als Familienvater internationale Turniere und Privatleben.
- The MongolZ & bLitz (Counter-Strike 2): Das Team aus der Mongolei startete als Außenseiter und entwickelte sich zum nationalen Aushängeschild. Ihre Reise steht für den Aufstieg einer ganzen Region.
- Magnus Carlsen (Team Liquid, Schach): Der vielleicht beste Schachspieler aller Zeiten sucht nach neuen Zielen – und findet sie im Esports, wo eine neue Generation von Herausforderern auf ihn wartet.
Cutler zeigt auch den Trainer ArSy (Team Liquid, Mobile Legends), dessen schwierige Kindheit seine Führungsrolle bis heute prägt, und Soka (Team Falcons, Call of Duty: Warzone), der als amtierender Champion nicht nur mit sportlichen Rivalen, sondern auch mit privaten Herausforderungen kämpft.
Die Serie porträtiert bewusst keine reinen Siegertypen. Die interessantesten Momente der Rohdaten sind die, in denen es um Rückschläge, familiäre Verpflichtungen und psychische Belastung geht. Das ist nahbarer als jedes Highlight Reel.
Das Elefant im Raum: Warum der EWC 2025 nicht nur gefeiert wurde
Der Esports World Cup 2025 fand in Riad, Saudi-Arabien statt. Und das war von Beginn an politisch. Kritiker warfen dem Königreich vor, mit dem Milliardenspektakel von Menschenrechtsverletzungen ablenken zu wollen (Sportswashing). Die Dokumentation thematisiert diesen Konflikt laut Ankündigung nicht explizit – was verständlich ist für eine Produktion, die von der Esports World Cup Foundation selbst in Auftrag gegeben wurde. Aber es ist der Kontext, den jeder Zuschauer im Hinterkopf haben sollte.
Ralf Reichert, CEO der Esports Foundation, sagt dazu: „Level Up zeigt die Menschen hinter dem Esports World Cup.“ Das ist der Job. Der interessantere Teil ist, dass Nick Kyrgios, der sonst eher durch Wutausbrüche auf dem Tennisplatz auffällt, in der Doku sagt: „Die Atmosphäre und die Zuschauer hier sind buchstäblich besser als in Wimbledon oder bei jedem anderen Grand-Slam-Turnier.“ Das ist PR-Gold – ein Profisportler, der ausgerechnet sein eigenes Metier kleinredet, um ein Esports-Event zu adeln.
Die Zahlen untermauern die Größe des Events immerhin: 750 Millionen Zuschauer weltweit, 350 Millionen Stunden Watchtime, Spitzenwert von acht Millionen gleichzeitigen Zuschauern beim League of Legends Turnier. Das ist kein Nischenphänomen mehr.
Neben den Spielern zeigt die Doku auch Post Malone hinter den Kulissen (er war Eröffnungs-Headliner und leidenschaftlicher Gamer), Magnus Carlsen bei seinem ersten Esports-Schachturnier und Cristiano Ronaldo, der die Trophäe der Club Championship bei der Abschlusszeremonie auf die Bühne brachte. Auch VALORANT und andere Esports Partner aus dem Amazon-Umfeld werden gestreift.
2026 geht es in Paris weiter – und die Doku könnte wichtiger sein als gedacht
Die Ausgabe 2026 des Esports World Cup findet vom 6. Juli bis 23. August in Paris statt – der erste Standortwechsel weg von Riad, offiziell begründet mit Sicherheitsbedenken im Nahen Osten. Das Preisgeld steigt auf 75 Millionen Dollar. Dass die Esports World Cup Foundation den Veranstaltungsort gewechselt hat, ist ein Zugeständnis an die Kritik, ohne das Event selbst infrage zu stellen.
Genau hier liegt der Wert der Dokumentation. Wer die Debatte um Esports und Sportswashing verstehen will, muss die Menschen sehen, um die es geht. Spieler aus der Mongolei, für die der EWC der einzige Weg ist, ihrer Region internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Eine Frau aus Indonesien, die mit ihren Preisgeldern ihre Familie ernährt. Ein Vater aus China, der seinen Sohn zum Kampfspieler erzogen hat.
Die Serie ist auf Amazon Prime Video ab dem 26. Juni verfügbar. Weitere Details zu den Episoden finden sich auf der offiziellen EWC Level Up Seite.
