Die weltweiten Prüfstellen bereiten den Verkaufsstart von Grand Theft Auto 6 vor und vergeben erwartungsgemäß strenge Freigaben für ein erwachsenes Publikum. Während die Altersfreigaben in Nordamerika kaum für Verwunderung sorgten, ging die europäische Organisation PEGI spürbar weiter als gewohnt. Ein kurzzeitig einsehbares Prüfdokument legte unerwartet spezifische Systeme offen, die das Entwicklerstudio bisher geheim hielt. Welche physische Härte und welche spielmechanischen Neuerungen die Prüfer im Wortlaut dokumentierten, verdeutlicht die detaillierte Begründung.
Ein neues Schadensmodell hebt die Gewaltdarstellung an
Laut dem Prüfbericht der europäischen Alterseinstufungsbehörde PEGI ermöglicht Grand Theft Auto 6 durch bestimmte Waffen detaillierte Enthauptungen sowie das sichtbare Abtrennen von Gliedmaßen. Laut einem Bericht des Spielemagazins GamesRadar+ stufte die europäische Behörde den Titel zunächst regulär ein, ehe der Datensatz verschwand.
Der Eintrag beschreibt die physischen Auseinandersetzungen wörtlich als „blutig mit einem hohen Grad an Realismus“ (eigene Übersetzung). Damit vollzieht Rockstar Games einen markanten Bruch mit früheren Serienteilen, in denen Trefferwirkungen vorwiegend über Blutspritzer, Einschussspuren auf Texturen und physikbasierte Sturzanimationen dargestellt wurden.
Die Hinwendung zu expliziten Verstümmelungen rückt das Gangster-Epos technisch in die Nähe von Red Dead Redemption 2, dessen Schadensmodell bereits drastische Trefferzonen simulierte. Wie das Magazin anhand des gelöschten Datensatzes berichtete, bleibt die Gewalt kein reines Beiwerk. Die schonungslose Darstellung passt zum erklärten Vorhaben der Autoren, den beiden Hauptfiguren eine echte Verletzlichkeit zuzuschreiben, anstatt unberührbare Kriminelle zu inszenieren.
Substanzen im Inventar und Interaktionen für Erwachsene
Neben den physischen Konfrontationen erfasst der Freigabebefund den Umgang mit Rauschmitteln, den die Prüfer als „häufig und prominent“ einstufen. Das Spiel erlaubt es demnach, illegale Substanzen unmittelbar über das Menü zu verwenden. Als konkretes Beispiel nennt die Prüfstelle die Option, mitgeführtes Kokain jederzeit direkt vom Handrücken einzunehmen.
Ob dieser Konsum temporäre Buffs gewährt oder Wahrnehmungsverzerrungen auslöst, ließ der Eintrag offen. Weil Rockstar North bereits bei der Ausrüstung ein strikt reduziertes Waffensystem einsetzt, fügt sich der direkte Zugriff auf Substanzen nahtlos in die Neuausrichtung ein.
Auch im Bereich der Erotik geht die Dokumentation ins Detail. Genannt werden Sequenzen mit Geschlechtsverkehr sowie vereinzelte Fetisch-Darstellungen. Darüber hinaus kehrt ein Erotikclub-Minispiel zurück, bei dem bezahlte Privattänze mit manuellen Berührungsinteraktionen verknüpft sind. Im Zusammenspiel mit der partnerschaftlichen Beziehung zwischen Jason und Lucia deutet dies auf eine vielschichtige Tonalität hin, die zwischen Milieustudie und Satire wechselt.
Konsolenstart im November und offene Fragen zum Reifegrad
Dass der Eintrag nach Bekanntwerden umgehend offline genommen wurde, erinnert an frühere Vorfälle, bei denen Take-Two die Jagd auf Leaks im Vorfeld der Veröffentlichung juristisch forcierte. In der öffentlich durchsuchbaren Datenbank der PEGI fehlt der Eintrag inzwischen vollständig, was auf eine unabsichtliche Freischaltung hindeutet.
Für interessierte Spieler ändert das Missgeschick der Behörde nichts am Fahrplan. Das Werk erscheint am 19. November für PlayStation 5 sowie Xbox Series X/S, während eine Fassung für den PC weiterhin unbestätigt bleibt. Die durchgesickerten Einstufungsdetails belegen jedoch schon jetzt, dass Rockstar Games die Grenzen einer reinen Jugendfreigabe bewusst hinter sich lässt und ein ungeschöntes Reifezeugnis anstrebt.




