Mit GreedFall hat Spiders Studio einst bewiesen, dass ambitionierte Rollenspiele nicht zwingend von großen Budgets abhängen – Atmosphäre, Entscheidungsfreiheit und eine dichte Handlung können eine Welt zum Leben erwecken. Nun legt das Studio mit The Dying World nach, und der frisch veröffentlichte Handlungstrailer macht deutlich: Diese Geschichte hat deutlich dunklere Töne als alles, was wir aus der Reihe bislang kennen.
Eine alte Welt in Agonie
The Dying World spielt drei Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils und wirft dich in eine Rolle, die einen ganz anderen Blickwinkel eröffnet. Du schlüpfst diesmal nicht in die Haut eines privilegierten Kolonisten, sondern in die eines Einheimischen der Insel Teer Fradee – gewaltsam entwurzelt, verschleppt und auf dem fremden Kontinent Gacane ausgesetzt. Diese alte Welt, einst Ausgangspunkt der Kolonisatoren, präsentiert sich als zerrüttetes Gebilde: von der geheimnisvollen Seuche Malichor befallen, von rivalisierenden Fraktionen zerfleischt und von einer kaum greifbaren Verschwörung durchzogen, deren Ausmaß sich erst allmählich enthüllt. Der Kontrast zur Insel, die du als Heimat kennst, könnte kaum drastischer sein.
Freiheit als oberstes Ziel – aber zu welchem Preis?
Das Ziel ist von Beginn an unmissverständlich: Du willst zurück nach Teer Fradee. Was zunächst wie eine persönliche Fluchtgeschichte anmutet, weitet sich jedoch rasch zu einem Konflikt aus, der weit über das eigene Schicksal hinausgeht. Mitten in den Machtkämpfen der Fraktionen und den Auswirkungen der Malichor-Epidemie merkst du schnell, dass das Überleben deines Volkes und das Fortbestehen des gesamten Kontinents untrennbar mit deinen Entscheidungen verknüpft sind. Diplomatie, Täuschung oder offene Konfrontation – alle drei Wege stehen dir offen, und keine Entscheidung bleibt ohne Konsequenz. Das moralische Gewicht, das die GreedFall-Reihe auszeichnet, scheint in The Dying World konsequenter denn je in die Spielmechanik eingewoben zu sein.
Kolonialismus aus umgekehrter Perspektive
Was The Dying World erzählerisch besonders interessant macht, ist der bewusste Perspektivwechsel. Während der erste Teil die Kolonisierung Teer Fradees aus Sicht eines Neuankömmlings beleuchtete, nimmt dieses Prequel den Standpunkt derer ein, die unter eben dieser Kolonisierung zu leiden haben. Gacane als Schauplatz – der Ursprungsort der Kolonisten – verstärkt diese Umkehrung noch einmal, denn die Wiege der Unterdrücker offenbart sich als marode, von innen fressende Zivilisation. Spiders Studio nutzt das Setting nicht nur als Kulisse, sondern als inhaltliche Aussage, die dem gesamten Universum eine neue, kritischere Dimension verleiht.
Release auf PC und Konsolen steht unmittelbar bevor
GreedFall: The Dying World ist bereits im Frühzugang auf Steam spielbar. Der vollständige Release für den PC folgt am 10. März, PlayStation 5 und Xbox Series X|S bekommen das Spiel zwei Tage später, am 12. März. Wer die Reihe schätzt oder einfach ein Rollenspiel mit Gewicht sucht, in dem Entscheidungen spürbare Spuren hinterlassen, sollte das Datum vormerken – der Kontinent Gacane wartet nicht ewig.
