Take-Two hat für das abgelaufene Quartal 1,39 Milliarden Dollar Umsatz gemeldet – die letzte Woche vor Geschäftsjahresende fiel exakt mit dem Start der GTA 6 Vorbestellungen zusammen. CEO Strauss Zelnick nennt die Zahlen „beispiellos und verblüffend“, warnt aber im selben Analysten-Call: „Wir wissen wirklich nicht, wie sich das in Verkäufe übersetzen wird.“ Diese Doppelbotschaft – Rekordjubel und Risikowarnung im selben Atemzug – ist kein Zufall.
- 1,39 Milliarden Dollar – mit einer Woche GTA 6 Rückenwind
- Newzoo: 4,5 Milliarden Dollar in der Launch-Woche
- PlayStation frisst Xbox – Verhältnis 8:1 bei Vorbestellungen
- Die Disc-Debatte: 80 Euro für einen leeren Karton
- Der Netflix-Deal: Extended Look am 27. August
- Zelnick spielt das einzige Spiel, das er spielen kann
- Der November 2026 wird jede Metrik brechen
1,39 Milliarden Dollar – mit einer Woche GTA 6 Rückenwind
Das erste Fiskalquartal 2027 (April bis Juni 2026) brachte Take-Two 1,39 Milliarden Dollar Net Revenue ein. Die exakte Summe, die GTA 6 Vorbestellungen dazu beisteuerten, nannte Zelnick nicht – die Vorbestellungen starteten am 25. Juni, also nur fünf Tage vor Quartalsende. Dass die Zahl trotzdem auf einen CEO wirkt, der schon jeden Take-Two Earnings-Call seit 2011 persönlich moderiert hat, sagt mehr als jede konkrete Vorbestellungszahl.
Zelnick wörtlich im Analysten-Call: „Das Niveau der Vorbestellungen ist beispiellos und verblüffend, und wir sind sehr dankbar dafür. Aber sie sind so beispiellos, dass wir einfach nicht wissen, wie sie sich in Verkäufe übersetzen werden.“
Das ist die juristisch abgesicherte Version von: „Wir haben noch nie so viel Geld in so kurzer Zeit gesehen, aber wir sagen nichts, was Aktionäre später als Kursmanipulation auslegen könnten.“ Zelnick weiß, dass Take-Two-Überoptimismus vor Gericht enden kann – und er weiß auch, dass 51 Millionen prognostizierte Launch-Einheiten eine Zahl sind, die jedes irdische Maß sprengt.
Newzoo: 4,5 Milliarden Dollar in der Launch-Woche
Die Analysefirma Newzoo legte parallel zu Take-Twos Zahlen ihre eigene Hochrechnung vor: 260 Millionen Dollar an Vorbestellungen in der ersten Woche, was GTA 6 auf Kurs für 4,5 Milliarden Dollar Umsatz allein in der Launch-Woche bringt – umgerechnet etwa 51 Millionen verkaufte Einheiten bei einem angenommenen Durchschnittspreis.
Zur Einordnung: GTA 5 brauchte 2013 drei Tage für eine Milliarde Dollar – ein Rekord, der bis heute als Branchen-Benchmark gilt. 4,5 Milliarden in einer Woche wäre die Vervierfachung dieses Werts und würde GTA 6 zum umsatzstärksten Entertainment-Produkt aller Zeiten machen, vor jedem Film, jedem Album, jedem anderen Spiel.
Dass Zelnick genau diese Zahl nicht bestätigen, sondern aktiv relativieren will, ist nachvollziehbar. Analysten, die 51 Millionen Einheiten prognostizieren, unterstellen, dass jeder dritte PS5-Besitzer weltweit GTA 6 in der ersten Woche kauft – inklusive aller, die keine 80 Dollar übrig haben, kein Interesse an Open World Spielen haben oder schlicht zu jung für das Spiel sind. Die Mathematik der Vorbestellungswoche ist beeindruckend; die Mathematik des tatsächlichen Marktes könnte anders aussehen.
PlayStation frisst Xbox – Verhältnis 8:1 bei Vorbestellungen
Dass GTA 6 den PlayStation Store dominiert, ist keine Überraschung. Dass die Vorbestellungen auf PS5 jene auf Xbox Series X|S um den Faktor 8 übertreffen, ist eine Ansage. Affiliate-Daten des Vorbestellungszeitraums zeigen einen Gap, den kein Marketing-Budget der Welt schließen kann – Sony behandelt GTA 6 faktisch wie einen Exklusivtitel, inklusive prominentester Platzierung auf dem Startbildschirm.
Dazu kommt: Die 100 Dollar Ultimate-Edition verkauft sich laut Berichten besser als die 80 Dollar Standard-Edition. Die Kontroverse um fünf hinter der Paywall weggesperrte Singleplayer-Shops – darunter ein Fahrzeugtuning-Laden und ein Friseursalon – hat offenbar niemanden vom Kauf abgehalten. Im Gegenteil: Sie hat gezeigt, dass Rockstar den Sweet Spot zwischen Empörung und Kaufanreiz exakt getroffen hat.
Wir haben die Ultimate-Edition-Kontroverse detailliert analysiert – fünf Shops, zwei Nebenmissionen und Kosmetika für 20 Dollar Aufpreis, plus ein automatisch verlängerbares GTA+-Abo. Zelnick kommentierte das Pricing im Call mit der für ihn typischen Mischung aus Marktlogik und Gleichgültigkeit: „Ich denke, Rockstar hat beim Pricing sowohl der Standard- als auch der Deluxe-Edition ins Schwarze getroffen. Je nach Zahlungsfähigkeit und Leidenschaft kann der Konsument zwischen beiden wählen.“
Die Disc-Debatte: 80 Euro für einen leeren Karton
Während die Vorbestellungszahlen steigen, schwelt die zweite Kontroverse unverändert weiter: Keine der physischen Editionen von GTA 6 enthält eine Disc. Standard und Ultimate kommen als Download-Code in einer Box – für 79,99 Euro respektive 99,99 Euro.
Manche Händler weigern sich, das Spiel ohne Datenträger überhaupt zu führen. Dass die Vorbestellungen trotzdem „beispiellos“ sind, zeigt vor allem: Die Mehrheit der Käufer hat die physische Debatte längst verlassen – und Rockstar weiß das.
Der Netflix-Deal: Extended Look am 27. August
Den nächsten Vorbestellungs-Schub erwartet Take-Two Ende August. Am 27. August zeigt Rockstar den „Extended Look“ zu GTA 6 – zuerst exklusiv auf Netflix, dann Stunden später auf YouTube und der offiziellen Website.
Die Netflix-Premiere ist kein PR-Gag, sondern ein Puzzleteil in einer größeren Strategie: Zelnick hat für die Post GTA 6 Ära eine milliardenschwere Übernahmeoffensive angekündigt und Netflix ist als Vertriebsplattform für Spiele-Premieren ein Testballon, der bei Erfolg Schule machen wird.
Zelnick spielt das einzige Spiel, das er spielen kann
Strauss Zelnick hat GTA 6 schon einmal ein „Hochrisikospiel nur für große Jungs“ genannt – und das war keine Koketterie. Take-Two hat nach eigenen Angaben über eine Milliarde Dollar in die Entwicklung investiert, dazu kommen Crunch-Vorwürfe und Bonus-Kontroversen. Wenn das Spiel kein 4,5-Milliarden-Erfolg wird, sondern ein 3-Milliarden-Erfolg, ist das für den Rest der Branche immer noch unfassbar – für Take-Two wäre es eine Katastrophe.
Also sagt Zelnick: „Wir wissen es nicht.“ Und im nächsten Satz: „Es ist beispiellos.“ Diese Doppelbotschaft ist weder Unsicherheit noch Taktik – sie ist das einzig legale, was ein CEO eines börsennotierten Publishers sagen kann, während die Vorbestellungen durch die Decke gehen und die Analysten mit 51 Millionen Unit Prognosen hantieren.
Der November 2026 wird jede Metrik brechen
GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PS5 und Xbox Series X|S. Eine PC-Version ist weiterhin nicht angekündigt – Rockstar ignoriert den PC-Markt beim Launch wie schon bei GTA 5 und RDR2, um später ein zweites Verkaufsfenster zu öffnen.
Bis dahin wird der Extended Look am 27. August die nächste Vorbestellungswelle auslösen, und spätestens im September dürfte Take-Two gezwungen sein, konkrete Zahlen zu nennen – der Druck der Aktionäre wird zu groß.
