Intel hat die Preise für die Core Ultra 200S Plus Prozessoren still und leise erhöht. Kein Blog-Post, kein Presse-Event, kein Tweet – einfach ein neuer Preis auf der Website, den die Kollegen von HardwareLuxx entdeckt haben. Der Core Ultra 7 270K Plus, Intels stärkster Desktop-Chip der aktuellen Generation, kostet jetzt 349 Dollar statt 299. Eine Steigerung um knapp 17 Prozent, einfach so, mitten im Produktzyklus. Und als Intel auf Nachfrage endlich eine Begründung liefert, kommt genau das, was alle erwartet haben: steigende Lieferkettenkosten und starke Nachfrage.
50 Dollar mehr für den 270K Plus – und das völlig ohne Ankündigung
Die Zahlen sind schnell erzählt. Der Core Ultra 7 270K Plus springt von 299 auf 349 Dollar – plus 50 Dollar oder knapp 17 Prozent. Der Core Ultra 5 250K Plus klettert von 199 auf 229 Dollar, sein F-Varianten-Bruder ohne iGPU auf 214 Dollar.
Nur drei SKUs sind betroffen, aber es sind genau die drei, die Intel in dieser Generation überhaupt in nennenswerten Stückzahlen verkauft. Auf Amazons Bestsellerliste für CPUs taucht der 270K Plus nicht einmal in den Top 10 auf.
Trotzdem spricht Intel von „starker Nachfrage“ – eine Formulierung, die bei Chips, die hinter AMDs X3D-Modellen herlaufen, mindestens gewagt ist. Intel bestätigte die Preiserhöhung gegenüber HardwareLuxx mit einem Statement, das vor Floskeln nur so trieft.
„Die aktuellen Preisanpassungen spiegeln die gegenwärtige Marktdynamik wider, einschließlich steigender Lieferkettenkosten und einer starken Nachfrage nach unseren Intel Core Ultra 200S Plus Prozessoren“, zitiert HardwareLuxx den Konzern. Nichts daran ist neu – und genau das ist das Problem.
TSMC macht die Chips, Intel macht das Packaging – und beide machen die Kasse
Der eigentliche Kostentreiber heißt Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. Intel mag die Foveros-Interposer und das finale Packaging der 200K Plus Chips selbst machen, aber das Compute-Tile, das IO-Tile und der Grafik-Chiplet kommen von TSMC. Und TSMC hat in den letzten Monaten mehrfach signalisiert, dass die Zeiten günstiger Nodes vorbei sind.
Das ist keine Intel-spezifische Misere. Samsung, SK Hynix und Micron müssen sich wegen DRAM-Preisabsprachen erneut vor Gericht verantworten – das zeigt, wie systematisch die Lieferketten unter Druck stehen. Gleichzeitig kann Valve beim Steam Deck 2 keinen passenden Chip finden, weil selbst Intels Arc G3 für mobile Geräte nicht effizient genug ist.
Die Halbleiterindustrie liefert sich seit Monaten einen stillen Preiskampf – nur dass die Kunden diesmal auf der falschen Seite stehen.
Die CPU ist gut, das Timing ist mies – LGA 1851 ist eine Sackgasse
Das Tragische an der ganzen Geschichte: Der 270K Plus ist ein verdammt guter Chip. In Gaming-Benchmarks schlägt er den Ryzen 7 9700X, und bei schweren Multithreading-Workloads hängt er die AMD-Konkurrenz noch deutlicher ab. LTT Labs brachte es auf den Punkt: „Immer noch ein guter Deal – aber vorher war es ein fantastischer Deal.“
Nur: Wozu 349 Dollar für einen Sockel ausgeben, der jetzt schon am Ende ist? LGA 1851 bekommt keine weiteren Generationen. Wer heute einen 270K Plus kauft, sitzt in zwei Jahren auf einem Mainboard, das keinen Nova Lake Chip mehr aufnimmt.
AMDs AM5-Plattform hingegen nimmt garantiert Zen 6, wahrscheinlich sogar noch eine Generation danach. Microsofts Xbox Series X kostet ab August 800 Dollar, und das ist ebenfalls eine Plattform, deren Tage gezählt sind. Intels Timing, mitten im Zyklus die Preise zu erhöhen, während die Konkurrenz mit Upgrade-Pfaden lockt, ist ungeschickt.