Pokémon Pokopia hat nicht nur Nintendos Börsenkurs in die Höhe getrieben, sondern offenbar auch intern bei Koei Tecmo etwas ausgelöst. Der Publisher verkündet im aktuellen Earnings Report einen Strategiewechsel: Weg von der Abhängigkeit von wenigen Blockbustern, hin zu einer breiten Pipeline aus vielen Titeln – darunter auffällig viele mittelgroße.
Sechs große, neunzehn mittlere – Koei Tecmos neuer Baukasten
Die Zahlen sind konkret. Bis Ende März 2027 will Koei Tecmo sechs große Konsolen- und PC-Titel veröffentlichen, dazu 19 Mid-Range-Spiele und zwei bereits angekündigte Online- beziehungsweise Mobile-Titel. Der Plan ist laut Eigenaussage, „ein Portfolio aufzubauen, das nicht nur große, sondern auch mittelgroße Spiele kombiniert“. Was genau als „mid-range“ zählt? Titel wie Atelier, Nobunaga’s Ambition, Remasters und Switch-2-Ports – also Spiele, die nicht die Marketingmaschine eines Nioh oder Wo Long brauchen, aber eine treue Community bedienen.
Der Kontext: Koei Tecmo hat massiv Entwickler eingestellt („expanded development structure“) und muss diese Leute jetzt auslasten. Nioh 3 war ein Millionen-Erfolg, aber nicht jedes Spiel kann eine Million Exemplare verkaufen – also baut man die Basis breiter.
Attack on Titan 3 und Wo Long 2: Die Flaggschiffe
Zwei der großen sechs sind bereits bekannt. Attack on Titan 3 erscheint im Winter 2026 für PC, PS5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2. Der Gameplay-Trailer zeigte freie Erkundung außerhalb der Mauern, Versorgungsbasen-Bau und eine neue Taktik-Ebene. Plus: MAPPA produziert das Opening – auch wenn es erst per Update nachgereicht wird.
Das andere Zugpferd ist Wo Long 2: Wings of Ember. Team Ninja setzt auf ein Prequel in der späten Han-Dynastie, der Ankündigungstrailer auf dem Xbox Games Showcase zeigte präzisen Schwertkampf und cineastische Wucht. Zum Release-Fenster schweigt sich Koei Tecmo im Earnings Report aus – GamingBolt nennt Early 2027.
Mid-Range als Ausweg aus der PC-Misere?
Hier wird es interessant. Koei Tecmo spricht im Earnings Report nicht explizit von PC-Qualitätsproblemen, aber die Vergangenheit legt nahe, dass die Mid-Range-Strategie auch eine Antwort auf handfeste technische Probleme ist. Team Ninja musste sich für den PC-Port von Rise of the Ronin öffentlich entschuldigen – unter 50 Prozent positive Steam-Reviews. Auch Wo Long: Fallen Dynasty startete mit Shader-Stottern und miserabler Maus-Tastatur-Steuerung.
Mid-Range-Spiele sind technisch beherrschbarer, laufen auf mehr Hardware-Konfigurationen und haben kürzere Entwicklungszyklen. Wer 19 Titel in 20 Monaten liefern will, kann es sich nicht leisten, dass jeder Port ein halbes Jahr Nachbesserung braucht. Die Frage ist nur: Lernt Team Ninja daraus oder wiederholt sich das Muster bei Wo Long 2?
Was Pokémon Pokopia mit all dem zu tun hat
Der überraschende Hit des Jahres ist der beste Beweis für Koei Tecmos neue Strategie. Pokémon Pokopia – ein Spin-off, bei dem Präsident Koinuma vor dem Launch „keine wirklichen Erwartungen“ hatte – wurde zum System-Seller für die Switch 2 und ließ die Gewinnprognosen explodieren. Damals korrigierte Koei Tecmo den erwarteten Reingewinn von 144 auf 222 Millionen Euro nach oben.
Pokopia zeigt: Große Hits müssen nicht aus großen Budgets kommen. Sie können aus kreativen Ideen, einer treuen Marke und dem richtigen Release-Zeitpunkt entstehen. Genau auf diese Formel setzt der Publisher jetzt bewusst – weg vom „alles auf eine Karte“-Prinzip, hin zu einem Portfolio, das auch dann trägt, wenn ein Blockbuster nicht die erhofften Zahlen liefert. Ob die Mid-Range-Offensive wirklich hält, was sich Koinuma verspricht, wird sich zeigen, wenn die ersten Titel 2027 auf den Markt kommen. Der Plan klingt jedenfalls nach dem richtigen Schritt für einen Publisher, der gelernt hat, dass eine Überraschung manchmal mehr wert ist als ein angekündigtes Meisterwerk.
Des is a ziemlich interessanter Plan von Koei Tecmo, servas! Sechs große und 19 Mid-Range-Spiele bis 2027, des is a ganze Menge. Mei Frage is: Werd’n die das auch schaffen, oder is des bloß a Marketing-Gag, um die Investoren zu beruhigen?