Massive Entertainment schaltet in Sachen The Division 3 einen Gang hoch: Gleich sieben neue Stellenausschreibungen sind auf der Karriereseite des Studios aufgetaucht. Die gesuchten Positionen reichen vom KI-Programmierer bis zum Animation Director und deuten auf ein frisch aufgestelltes Team hin, das sich um die Charakterdarstellung kümmern soll. Ob dieser Personalaufbau reicht, um das seit 2023 angekündigte Spiel aus dem Schatten von Ubisofts Dauerkrise zu befreien, steht auf einem völlig anderen Blatt.
Was die sieben Rollen über den Zustand des Projekts verraten
Die neuen Stellenanzeigen lesen sich wie das Who-is-Who einer Produktion, die gerade erst Fahrt aufnimmt: Ein Lead Game Designer, ein Animation Director, ein Senior KI-Spieldesigner, ein Lead KI-Programmierer, ein Senior Tools Programmer, ein Senior Systems Game Designer und ein Senior Realization Programmer werden gesucht. Besonders die letztgenannte Position sticht heraus – sie soll ein „neu aufgestelltes Team für Charakterdarstellung“ leiten und sich um die visuelle Umsetzung von Spielern und Nichtspielercharakteren kümmern, inklusive Beleuchtung, Audio und Gesichtsanimationen.
Massive Entertainment bestätigt auf seiner Projektseite, dass das Team kontinuierlich ausgebaut wird. Dass allerdings erst jetzt, drei Jahre nach der offiziellen Ankündigung von The Division 3 im Jahr 2023, ein komplett neues Team für Charakterdarstellung formiert wird, spricht Bände über den tatsächlichen Entwicklungsstand: Das Projekt steckt noch tief in der Vorproduktion. Die Stellenausschreibung für den Lead Game Designer verrät zudem, dass das Spiel dem Pfad seiner Vorgänger folgen und ein Titel mit dauerhaftem Live Service Konzept werden soll. Konkret geht es um „die Entwicklung und Umsetzung zentraler sozialer Funktionen und Online-Elemente und die Grundlagen, um das Spiel als dauerhaftes Erlebnis zu unterstützen.“
Diese Ausrichtung überrascht kaum jemanden, der die Serie kennt – beide Vorgänger waren deckungsbasierte Loot Shooter mit Fokus auf kooperatives Endgame. Dass Massive an dieser Formel festhält, ist strategisch folgerichtig. Die eigentliche Frage lautet: Hat ein dritter Teil in einem von Warframe dominierten Markt überhaupt noch eine Chance? Während Warframe seit über einem Jahrzehnt konsequent neue Spielsysteme einführt, hat The Division 2 vor allem durch seine Fast-Einstellung Schlagzeilen gemacht – bevor ein Kernteam aus nur fünf Entwicklern den Titel aus der faktischen Bedeutungslosigkeit zurückholte.
Ein Franchise, das seinen Kapitän verloren hat
Die Personaloffensive bei Massive Entertainment findet in einem Umfeld statt, das alles andere als stabil ist. Im Januar 2026 wechselte Gerighty zu Electronic Arts‘ Battlefield-Entwickler DICE – jener Julian Gerighty, der noch kurz zuvor vollmundig verkündet hatte, The Division 3 werde ein Monster. Sein Abgang ist kein isolierter Betriebsunfall, sondern das jüngste Symptom eines Brain-Drain, der Ubisoft seit Monaten plagt: Ehemalige Führungskräfte verklagen den Publisher, Studios werden geschlossen, und Ubisoft strich erst kürzlich 55 Stellen bei Massive Entertainment.
Gleichzeitig hangelt sich das Studio von einer Enttäuschung zur nächsten. Star Wars Outlaws, das andere große Projekt von Massive, blieb kommerziell deutlich hinter den Erwartungen zurück – Ubisoft-CEO Yves Guillemot schob die Schuld auf „die unruhigen Gewässer der Marke“, was angesichts der weltweit größten Entertainment-Lizenz mehr nach Ausrede als nach Analyse klang. Dass Ubisoft sich in einer tiefgreifenden Krise befindet, ist intern wie extern unbestritten. In diesem Klima sieben neue Stellen für ein Projekt auszuschreiben, das frühestens 2028 erscheinen dürfte, wirkt wie der Versuch, nach außen Handlungsfähigkeit zu demonstrieren – während intern längst die Frage im Raum steht, ob The Division 3 überhaupt jemals das Licht der Welt erblickt.
Die sieben gesuchten Rollen lassen sich auch als stiller Neustart interpretieren. Ein Lead Game Designer, der die Grundlagen für soziale Online-Features legt, ein Animation Director für die Bewegungsabläufe, mehrere KI-Spezialisten für die Gegnerintelligenz – das sind Positionen, die man zu Beginn einer Entwicklung besetzt. Nicht drei Jahre nach der Ankündigung.
Der gesättigte Live Service Markt als größter Gegner
Was die Stellenausschreibung nicht thematisiert, ist der strategisch heikelste Punkt: Der Markt für Spiele mit Live Service Konzept ist 2026 ein Schlachtfeld voller Leichen. Neben den Platzhirschen Destiny 2 und Warframe sind in den letzten Jahren Dutzende Konkurrenten gestartet und wieder eingestellt worden – Anthem, Marvel’s Avengers, Babylon’s Fall, um nur die prominentesten Grabsteine zu nennen. Selbst Sonys große Live Service Offensive wurde nach mehreren Flops und Projektabbrüchen massiv zurückgestutzt.
The Division 3 muss sich gegen diese Konkurrenz nicht nur mit besserer Technik behaupten, sondern mit einem überzeugenden Endgame, das Spieler über Jahre bindet. Beide Vorgänger litten unter dem gleichen Problem: Starke Kampagnen, aber Endgame-Inhalte, die nach wenigen Wochen ausgelutscht waren. Dass The Division 2 kürzlich in sein achtes Jahr gestartet ist und nun sogar einen plattformübergreifenden Mehrspielermodus sowie neue Sturmangriffe erhält, zeigt zwar, dass Ubisoft aus den Content-Dürren der Vergangenheit gelernt hat. Aber ein acht Jahre alter Titel, der mit minimalem Team am Leben gehalten wird, ist keine Blaupause für einen millionenschweren Neustart.
Hinzu kommt die technische Komponente: Die Snowdrop-Engine, auf der beide Vorgänger laufen, muss für den Sprung auf aktuelle Hardware massiv überarbeitet werden. Die gesuchten Tools- und KI-Programmierer deuten an, dass hier noch Grundlagenarbeit zu leisten ist – was die These untermauert, dass The Division 3 eher 2029 oder 2030 realistisch erscheint als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt.