Saudi Arabiens Staatsfonds PIF erwägt für Electronic Arts eine direkte Fusion mit der hauseigenen Savvy Games Group, um die eigenen Gaming-Schwergewichte unter einem zentralen Dach zu vereinen. Kaum ist der 55 Milliarden Dollar schwere Rückzug von der Börse verdaut, droht dem traditionsreichen Publisher der nächste operative Kahlschlag. Statt kreativer Ruhepausen diktieren nun Synergien, gigantische Buyout-Schulden und kartellrechtliche Zerreißproben den Takt in den Vorstandsetagen.
Bloomberg enthüllt saudische Pläne für ein monolithisches Gaming-Reich
Ein brisanter Bloomberg-Bericht deckte die internen Gedankenspiele des Public Investment Fund auf, die hinter den Kulissen bereits heiß diskutiert werden. Demnach will das saudische Herrscherhaus seine frisch geschluckten Firmen nicht länger isoliert nebeneinander operieren lassen, sondern strebt eine gigantische Bündelung an. Nach dem Abschluss des 55 Milliarden Dollar Buyouts hält der PIF stramme 93,4 Prozent an EA, flankiert von Silver Lake mit 5,5 Prozent und Affinity Partners mit 1,1 Prozent. Wer eine derart erdrückende Mehrheit besitzt, fragt niemanden mehr um Erlaubnis, wenn er die Konzernstruktur auf links dreht.
Auf dem Papier klingt der Vorstoß nach einem Traum für Controller und Finanzanalysten. Während EA die milliardenschweren Markenrechte für PC und Konsole verwaltet, kontrolliert Savvy über frühere Zukäufe wie Scopely eine gigantische Maschinerie im lukrativen Mobile-Sektor. Schwergewichte wie Madden NFL und globale Mobile-Phänomene wie Pokémon Go würden plötzlich in derselben Firmenbilanz auftauchen. Das spart teure Doppelstrukturen bei Marketing und Technologie, beraubt den Publisher aber gleichzeitig der letzten Reste seiner historischen Identität.
Die Übernahme durch das Konsortium zeigt damit bereits nach wenigen Wochen ihr wahres Gesicht. CEO Andrew Wilson sprach bei der Privatisierung noch blumig von mutigen Investitionen und kreativer Stärke aus einer Position der Unabhängigkeit. In der harten Kassenrealität geht es den neuen Besitzern aus Riad jedoch primär darum, jeden einzelnen Dollar an Synergien aus dem Konstrukt herauszuquetschen.
Radikale Arbeitsteilung soll den gigantischen Schuldenberg zähmen
Hinter den Kulissen ergibt dieser Schachzug vor allem durch EAs jüngste Management-Entscheidungen eine eiskalte Logik. Das Studio stampfte in den vergangenen Monaten reihenweise eigene Mobile-Projekte ein, weil man auf den Smartphones gegen die aggressive Free-to-Play-Konkurrenz schlicht kein Land mehr sah. Durch die Fusion fiele diese Baustelle komplett an Savvy Games ab, während EA sich auf margenstarke Kernmarken für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC konzentrieren darf.
Der Druck auf die Rendite ist astronomisch.
Denn der Publisher ächzt unter den 20 Milliarden Dollar neuen Schulden, die ihm durch das Leveraged-Buyout-Verfahren der Investoren aufgebürdet wurden. Wer derartige Zinslasten vor sich hertreibt, kann sich teure Experimente nicht mehr leisten. Zwangsläufig rückt damit der drohende Stellenabbau durch Eigentümer wieder ganz oben auf die Agenda, weil doppelte Abteilungen bei einer Zusammenlegung rigoros wegrationalisiert werden.
Als weiteres Warnsignal dienen die Absichten von Silver Lake-Chef Egon Durban, der bereits offen über massive Investitionen in KI-basierte Entwicklungsprozesse sprach. Wer hohe Zinsen bedienen muss, spart zuerst an den Angestellten und ersetzt Entwicklerteams durch automatisierte Produktionspipelines. Für die tausenden Mitarbeiter in den weltweiten Entwicklungsstudios verheißt dieser Sparkurs ungemütliche Zeiten.
Kartellbehörden wetzen die Messer vor dem nächsten Milliarden-Beben
Bevor die Tinte unter dem Fusionsvertrag trocknet, steht den Saudis allerdings ein gewaltiger Spießrutenlauf bevor. Die Kartellwächter in den USA, Europa und Asien werden ein derartiges Monopol auf Sport- und Mobile-Lizenzen kaum ohne harte Auflagen durchwinken. Schon der politische Widerstand in den USA sorgte vor der Privatisierung für hitzige Debatten in Washington, weil die nationale Sicherheit und geopolitische Interessen auf dem Spiel standen.
Zudem muss der PIF zunächst die formale Akquise von Savvy Games im Wert von sechs Milliarden Dollar über die Bühne bringen, bevor der Mega-Konzern überhaupt geschmiedet werden kann. Für Kronprinz Mohammed bin Salman ist das Vorhaben ein zentraler Pfeiler seiner Vision 2030, mit der das Königreich seine Wirtschaft von der reinen Ölabhängigkeit emanzipieren will. Ob Gamer weltweit von diesem gigantischen Staatsmonopol profitieren, interessiert die Architekten des Deals dabei am allerwenigsten.