The Witcher 3: Wild Hunt – Remastered dreht den technischen Unterbau so vehement auf links, dass die vertraute PC-Hardware augenblicklich ins Schwitzen kommt. Wo früher ein betagter Prozessor ausreichte, um geschmeidig durch Velen zu reiten, diktieren nun berechnetes Subsurface Scattering, runderneuerte Animationen und hochauflösende Assets das Tempo. Während Veteranen die optischen Upgrades und das spürbar verfeinerte Movement feiern dürften, schiebt der Entwickler durch die Hintertür eine Preispolitik in den Store, die den Begriff „kostenlos“ ziemlich dehnbar auslegt.
Die SSD-Pflicht und der Hardware-Kahlschlag
Wer Novigrad auf einer klassischen mechanischen Festplatte betritt, erlebt mittlerweile ein Lade-Roulette, bei dem die Bodentexturen noch im Stau stehen, während Geralt im Kampf bereits den ersten Treffer kassiert. Mit dem Remaster macht das Studio endgültig Schluss mit der HDD-Unterstützung. Die neuen Spezifikationen, die auf den offiziellen Store-Seiten aufgetaucht sind, zwingen PC-Spieler auf eine SSD. Nur so lässt sich das aggressive Textur-Streaming der neuen Engine-Variante ohne massives Stottern im Spielfluss bewältigen. Die veranschlagten 70 GB freier Speicher sind dabei noch das kleinste Übel.
Viel schmerzhafter ist der Sprung bei der Rechenleistung. War der Titel früher berühmt dafür, selbst auf Kartoffel-PCs irgendwie zu laufen, liegt die absolute Untergrenze nun bei einem Intel Core i5-8400 oder einem Ryzen 5 2600. Das alte i5-2500K-Arbeitstier ist endgültig Geschichte. Die dichtere Vegetation und die detaillierteren Monster-Modelle fordern ihren Tribut direkt im Prozessor-Takt.
Auf Seiten der Grafikbeschleuniger greift das System ebenfalls tiefer in die Reserven. Um überhaupt ins Spiel zu kommen, werden nun 12 GB RAM und GPUs vom Kaliber einer GeForce GTX 1660 oder Radeon RX 5500 XT fällig. Wer die optische Wucht der überarbeiteten HDR-Beleuchtung spüren will, braucht laut den Empfehlungen eine RTX 2060 SUPER oder Radeon RX 6600 XT gepaart mit 16 GB Arbeitsspeicher.
- Betriebssystem64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus
- ProzessorCore i5-8400 / Ryzen 5 2600
- Arbeitsspeicher12 GB GB
- GrafikkarteGeForce GTX 1660 / Radeon RX 5500 XT 8GB / Arc A580
- Speicherplatz70 GB verfügbarer Speicherplatz
Wer hier nicht direkt in Framerate-Abgründe stürzen will, wenn die Zauber-Effekte den Bildschirm fluten, klammert sich an NVIDIA DLSS 4.5 oder AMDs FSR 4.0. Diese Upscaling-Technologien retten im Hintergrund die Bildraten, wenn das neue Beleuchtungssystem die Hardware eigentlich in die Knie zwingt. Doch während man am PC die Kosten für neue Hardware berechnet, bittet CD Projekt auch an der virtuellen Ladentheke unerwartet zur Kasse.
Der 10 Dollar-Haken und Mauseingaben auf der Switch 2
Zwar wird das Upgrade für alle bestehenden Besitzer der Complete Edition am 29. September gratis ausgerollt, doch für Neueinsteiger wird es teurer. CD Projekt verkauft das Update wie eine Gratis-Runde in der Taverne – verschweigt aber, dass der Wirt für alle Neuzugänge plötzlich einen 10-Dollar-Aufschlag aufs Fass schlägt. Die Complete Edition steigt im Vorfeld still und heimlich von 39,99 US-Dollar auf 49,99 US-Dollar. Wer gehofft hat, den Klassiker vor dem Update günstig abzugreifen, zahlt jetzt den Premium-Tarif.
Abseits der Preisdebatte greifen die Änderungen auch tief in die Steuerungsgewohnheiten ein, besonders bei Handheld-Spielern. Die angekündigte Version für die Nintendo Switch 2 bringt exklusive Mechaniken mit, die den Mangel an Maus-Präzision ausgleichen sollen.
Die Integration der neuen Joy-Con-Sensoren erlaubt es offenbar, den Controller wie einen Pointer zu nutzen. Das beschleunigt die Navigation durch die notorisch überladenen Inventar-Menüs enorm und lässt das Zielen mit der Armbrust deutlich organischer wirken als mit reinen Analogsticks. Wenn die Eingabe im Feldlager flüssig funktioniert, bleibt mehr Zeit für die eigentlichen Quests – und genau hier legt das Studio demnächst massiv nach.
Songs of the Past: Ein Blick nach Letten
Während die Community noch die neuen Hardware-Anforderungen verdaut, wirft das spielerische Gerüst bereits den Schatten für das nächste riesige Abenteuer voraus. Nachdem die Remastered-Fassung überraschend auf der Gamescom enthüllt wurde, rückte direkt das Gameplay der brandneuen Erweiterung ins Rampenlicht.
In Songs of the Past verlässt Geralt die ausgetretenen Pfade und betritt die Region Letten. Der Live-Stream präsentierte zunächst trügerische Idylle während eines Festivals, bevor die Quest „A Bed of Thorns“ den Hexer in harte, kompromisslose Gefechte zwang. Hier zeigten sich direkt die Früchte der überarbeiteten Animationen: Geralts Ausweichrollen wirken weniger hakelig, die Trefferabfrage beim Kreuzen der Klingen ist spürbar direkter.
Der geplante Release von Songs of the Past liegt zwar noch in der Ferne, doch das Remaster ebnet ihm technisch den Weg. Es bleibt jedoch ein fader Beigeschmack. Die technischen Verbesserungen sind zweifellos gewaltig und das Engine-Update war dringend nötig. Dass man diese technische Frischzellenzurkur aber durch eine versteckte Preiserhöhung des Basisspiels querfinanziert, konterkariert das oft gepriesene „Für die Gamer“-Image des Studios erheblich.