Arm und Sumo Digital haben mit Neural Dawn eine Technikdemo veröffentlicht, die neuronales Rendering auf Mobilgeräte bringt. NSSD und Frame Generation auf einem Telefon – das klingt nach Zukunft, wirft aber eine deutlich spannendere Frage auf: Gehört diese Technik nicht eher in einen Handheld? PC Gamer hat die offizielle Ankündigung von Arm zum Anlass genommen, genau diesen Gedanken durchzuspielen – mit einem Ergebnis, das AMD und Intel nervös machen dürfte.
Was Neural Dawn unter der Haube hat
Neural Dawn entsteht in Unreal Engine 5.6.1 und ist das erste mobile Spiel, das Epics MegaLights nutzt – eine Technik, die hunderte dynamische Lichtquellen in Echtzeit berechnet und selbst auf dem Desktop noch Seltenheitswert hat. Dazu kommen zwei Technologien aus dem Hause Arm: Neural Super Sampling and Denoising (NSSD) und Neural Frame Rate Upscaling (NFRU). Ersteres ist das Gegenstück von Arm zu Nvidias DLSS Ray Reconstruction, letzteres das Pendant zur DLSS Frame Generation – Techniken, die mit DLSS 3 (2022) und DLSS 3.5 (2023) auf dem PC eingeführt wurden.
Dass all das auf einem Smartphone läuft, ist beachtlich. Sumo Digital hat das Projekt mit einem Team von 17 Leuten in 18 Monaten realisiert, inklusive 120 Minuten Spielzeit auf vier Levels. Die Demo erscheint später in diesem Jahr exklusiv auf Android-Geräten mit kommenden Arm Mali GPUs – ein vollwertiges, wenn auch kurzes Spiel, das in erster Linie als Technologieträger fungiert.
Warum Chips aus dem Smartphone in Handhelds die bessere Figur machen
Genau hier setzt der Autor von PC Gamer an: Displays in aktuellen Smartphones der Oberklasse stellen die Bildschirme selbst der besten Handhelds in den Schatten. Wenn mobile GPUs diese Auflösungen stemmen, warum dann nicht gleich in einem Gerät mit aktivem Kühlsystem und höherem Energiebudget? Im größeren Formfaktor eines Handhelds können Prozessoren aus Smartphones länger mit höheren Taktraten laufen – das Apple MacBook Neo hat genau dieses Prinzip mit dem A18 Pro aus dem iPhone 16 Pro bereits in ein Notebook verfrachtet, und es funktioniert.
AMD dominiert den Markt für Handhelds derzeit nahezu konkurrenzlos mit seinen APUs, Intel versucht mit der Arc-Serie Fuß zu fassen. Nvidia hält sich – trotz 94 Prozent Marktanteil bei Desktopgrafikkarten – bei Handhelds bislang komplett zurück. Arm als dritte Architektur wäre ein denkbarer Weg für einen Hersteller, der sich von der Konkurrenz abheben will – vorausgesetzt, der Preis stimmt.
Der Haken – und das ist eine ganze Menge
So verlockend die Vorstellung eines Handhelds, der auf Arm setzt, auch klingt: Die Realität sieht ernüchternd aus. Die anhaltende Speicherpreiskrise, in der Branche längst RAMpocalypse getauft, hat selbst Valves Steam Deck 2 in die Warteschleife geschickt. Die Preise für DDR5 haben sich seit Mitte 2025 verdoppelt, ein Ende ist nicht in Sicht. Ein neuer Handheld auf einer Nischenarchitektur wäre unter diesen Bedingungen ein wirtschaftliches Himmelfahrtskommando.
Und selbst wenn die Hardware stünde: Das eigentliche Problem ist die Software. Schon jetzt hinkt AMDs FSR 4 der Verbreitung von Nvidias DLSS 4 meilenweit hinterher, Intels XeSS führt ein Schattendasein. Jetzt noch NSSD und NFRU als weiteren Standard ins Rennen zu schicken – das ist der Albtraum jedes Entwicklers, der seine Renderpipeline ohnehin schon für drei verschiedene Verfahren zur Hochskalierung optimieren muss. Selbst aktuelle Handhelds wie das ROG Xbox Ally X20 setzen auf bewährte APUs von AMD, und daran wird sich so schnell nichts ändern.
Auf den Pixel gefühlt…
Kurz, präzise, unbestechlich
