The Mound: Omen of Cthulhu von ACE Team geht ab sofort in die geschlossene Beta – Spieler auf dem PC können sich bis zum 8. Juni durch einen verfluchten Dschungel kämpfen, in dem nicht nur Monster, sondern auch der eigene Verstand zum Feind wird. Parallel öffnet NACON die Vorbestellungen für PS5 und Xbox Series X/S und koppelt den Steam-Einführungspreis an die Zahl der Wunschlisten-Einträge. Das Timing ist ambitioniert – denn der Publisher steckt selbst in einem Insolvenzverfahren.
Die geschlossene Beta: Vier Tage Dschungel, Wahnsinn und Teamwork
Vom 5. Juni um 14:00 Uhr bis zum 8. Juni um 10:00 Uhr läuft die geschlossene Beta – ein vergleichsweise kurzes Zeitfenster, das PC-Spielern einen ersten Eindruck vom kooperativen Gameplay vermitteln soll, bevor der jüngste Trailer zum Gameplay in der Praxis auf die Probe gestellt wird. Die Anmeldung läuft über das My-Nacon-Portal.
Im Kern erwartet die Spieler ein Szenario, das die ursprüngliche Ankündigung des Spiels bereits skizzierte: Gruppen aus zwei bis vier Spielern begeben sich auf einen unbekannten Kontinent, jagen nach der legendären Stadt K’n-Yan und müssen dabei nicht nur übernatürliche Kreaturen überleben, sondern auch dem zunehmenden Wahnsinn standhalten. Je tiefer die Expedition in den Dschungel vordringt, desto heftiger werden die Halluzinationen – bis das eigene Team plötzlich wie eine Horde Monster aussieht und die Mission durch versehentliche Sabotage kippt.
Dass ACE Team ausgerechnet auf eine geschlossene Beta setzt, ist angesichts der Studiogeschichte ein kluger Schachzug. Das chilenische Studio hat mit Zeno Clash, Rock of Ages und The Eternal Cylinder bewiesen, dass es kreative Wahnsinnsideen beherrscht – doch technische Probleme und Balancing-Schwächen zogen sich wie ein roter Faden durch viele ihrer Veröffentlichungen. Eine Beta-Phase vor dem Release gibt dem Team die Chance, Server-Stabilität und das Zusammenspiel der Wahnsinn-Mechanik unter echten Bedingungen zu testen.
Ein Publisher in Schieflage: NACONs Insolvenz überschattet den Beta-Start
Dass The Mound: Omen of Cthulhu am 15. Juli 2026 erscheinen soll, ist zum aktuellen Zeitpunkt alles andere als selbstverständlich. Die finanzielle Schieflage des Publishers hat im Februar 2026 in einem Insolvenzantrag gegipfelt – NACON konnte Verbindlichkeiten aus einem Kredit des Mehrheitsaktionärs Bigben Interactive nicht mehr bedienen. Seither läuft ein gerichtliches Sanierungsverfahren, Studios wie Spiders stehen zum Verkauf, und die Insolvenzanmeldung von NACON hat die gesamte Publishing-Pipeline unter den Vorbehalt der finanziellen Sanierung gestellt.
Dass The Mound trotzdem eine Beta durchläuft und Vorbestellungen öffnet, signalisiert zwei Dinge: Das Spiel ist weit genug fortgeschritten, um eine spielbare Fassung zu zeigen, und NACON will mit dem Projekt dringend Einnahmen generieren – die Vorbestellungen für Konsolen und das dynamische Preismodell auf Steam deuten auf akuten Liquiditätsbedarf hin. Für vorbestellende Spieler ergibt sich daraus ein reales Risiko: Sollte die Sanierung scheitern und NACON den Release nicht stemmen können, sind Anzahlungen potenziell verloren.
Die zweite Merkwürdigkeit: NACON bringt mit The Mound und Cthulhu: The Cosmic Abyss innerhalb weniger Monate gleich zwei Lovecraft-Spiele auf den Markt. Während The Mound auf schnellen Koop-Horror setzt, verfolgt das konkurrierende Lovecraft-Spiel aus demselben Verlag einen gänzlich anderen Ansatz als atmosphärisches Detektivabenteuer. Zwei Horror-Titel mit derselben literarischen Vorlage im selben Verlag – das ist eine ungewöhnliche Portfolio-Strategie, die sich vor allem durch die schiere Not des insolventen Publishers erklärt: NACON muss alle fertigen Projekte auf den Markt werfen, was irgendwie Einnahmen generiert.
Das Wahnsinn-System: Wenn Halluzinationen das Team sprengen
Das zentrale Alleinstellungsmerkmal von The Mound ist das Wahnsinn-System, das die offizielle Produktseite prominent bewirbt. Der Ansatz erinnert an Titel wie Phasmophobia oder das Sanity System aus Eternal Darkness – allerdings mit einer Wendung, die spezifisch auf den Koop-Modus einzahlt:
- Steigende Halluzinationen mit Expeditionsdauer: Je länger sich die Gruppe im Dschungel aufhält, desto häufiger und intensiver werden die Trugbilder. Das Risiko steigt nicht nur linear, sondern potenziert sich mit jedem Schritt tiefer in die verfluchte Zone.
- Teamkameraden als Monster: Spieler sehen ihre eigenen Mitspieler plötzlich als Bedrohung. Ein falscher Schuss auf den vermeintlichen Ghul kann die gesamte Mission ruinieren – und echtes Misstrauen innerhalb der Gruppe säen.
- Panik als Sabotage-Vehikel: Das System beschränkt sich nicht auf optische Täuschungen. Die Entwickler sprechen von einem Mechanismus, der die Gruppe aktiv destabilisiert und zu versehentlicher Sabotage führt.
Aus technischer Perspektive ist dieses Zusammenspiel aus Risiko und Belohnung eine echte Herausforderung: Die dynamische Anpassung der Halluzinationen muss für alle vier Spieler synchron laufen, ohne die Netzwerk-Performance zu strangulieren. Zudem darf das System nicht so frustrierend sein, dass es den Spielspaß kippt – wer ständig vom eigenen Team abgeschossen wird, weil das Interface ihn täuscht, quittiert schneller den Dienst, als ein Shoggoth „Tekeli-li“ rufen kann.
Bemerkenswert ist außerdem die NVIDIA-Kooperation: Die Steam-Seite des Spiels listet DLSS-Unterstützung – ein Hinweis darauf, dass die düstere Dschungelatmosphäre grafisch ambitioniert ist und ohne Upscaling selbst auf potenten GPUs ins Schwitzen geraten könnte.
Wunschliste als Währung: Das dynamische Preismodell unter der Lupe
Mit über 400.000 Einträgen auf der Steam-Wunschliste geht The Mound: Omen of Cthulhu mit beachtlichem Vorabinteresse in die heiße Phase. NACON nutzt diese Zahl für ein ungewöhnliches Preismodell: Der Einführungspreis soll sich nach der finalen Anzahl der Wunschlisten-Einträge richten – je mehr Spieler das Spiel auf ihre Liste setzen, desto höher der Rabatt zum Launch. Der reguläre Preis liegt bei etwa 40 Euro, ausgehend von den Einträgen im PlayStation Store und auf der NACON-Seite.
Das Modell wirkt auf den ersten Blick wie eine clevere Win-win-Situation: Die Community wird für ihr Interesse belohnt, NACON sichert sich maximale Sichtbarkeit auf Steam. Auf den zweiten Blick bleiben Fragen offen. NACON hat keine Staffelung kommuniziert – ab welcher Schwelle gibt es wie viel Prozent? Handelt es sich um einen fixen Algorithmus oder entscheidet das Marketing kurzfristig? Für ein insolventes Unternehmen ist das ein riskanter Balanceakt: Ein zu hoher Rabatt schmälert die dringend benötigten Einnahmen, ein zu niedriger Rabatt enttäuscht die Erwartungen der 400.000 Wartenden.
Ein vergleichbares Modell sucht man im AA-Bereich vergeblich. Indie-Titel experimentieren gelegentlich mit Community-getriebenen Preisen, doch für einen Publisher in NACONs Größenordnung ist das Neuland – oder ein Ausdruck finanzieller Verzweiflung. Wer den Launch-Preis möglichst tief drücken will, hat ohnehin nur noch bis zum 15. Juli Zeit, das Spiel auf die Wunschliste zu packen. Vorbestellungen auf PS5 und Xbox Series X/S laufen parallel, dort greift das dynamische Modell allerdings nicht.
Die eigentliche Wette für Spieler liegt woanders: Holt NACON den Release trotz Insolvenz über die Ziellinie? Die geschlossene Beta und die parallelen Vorbestellungen deuten darauf hin, dass das Spiel technisch fertig wird. Doch ob der Publisher im Juli noch handlungsfähig ist, hängt vom Fortgang des Sanierungsverfahrens ab – und darauf hat selbst das cleverste Wunschlisten-Modell keinen Einfluss.