Der Designer des ersten Uncharted hält ein Remake für Zeitverschwendung. Benson Russell, bei Naughty Dog an den ersten drei Uncharted-Teilen und The Last of Us beteiligt, sagt im FRVR-Podcast: Ein Uncharted Drake’s Fortune Remake „macht keinen Sinn“ – es wäre „eher ein Cash Grab als etwas Notwendiges“. Die Aussage trifft die Branche mitten in Sonys Remake-Offensive. Und sie kommt ausgerechnet in dem Moment, in dem die Gerüchteküche um eine Rückkehr der Reihe wieder kocht.
Warum Drake’s Fortune nicht System Shock ist
Russells Kernargument ist Zugänglichkeit. „Ein System Shock-Remake ergibt heute absolut Sinn – nicht nur, weil man es überhaupt spielen kann, sondern weil es eine miserable Tastenbelegung hatte, die viele Leute davon abhielt, es anzufassen.“ Uncharted habe dieses Problem nie gehabt: „Uncharted ist als Marke immer noch im Zeitgeist. Es gibt bereits eine Version, die ihr auf modernen Konsolen spielen könnt.“ Er meint die Nathan Drake Collection – das 2015 erschienene PS4-Remaster der Trilogie, das bis heute im PlayStation Store steht. Die Steuerung sei bis heute Standard für Third-Person-Shooter. Kurz: Das Spiel ist nicht verloren, es ist nur alt.
Ein Remake würde laut Russell aber genau das ändern, was den ersten Teil ausmacht. „Ihr müsstet die ganze Geschichte neu schreiben, um sie besser zu machen – und damit ändert ihr den Geist und die Szenen, um die es im ersten Teil ging.“ Die berüchtigte Jetski-Sequenz etwa würde er sich als „Motorrad-Verfolgungsjagd auf dem Wasser“ neu denken müssen.
Der Cash-Grab-Vorwurf trifft Naughty Dogs Remake-Strategie
Der bemerkenswerteste Satz des Interviews ist der Seitenhieb aufs eigene Studio. „Beim The Last of Us Part 1-Remake dachte ich genau dasselbe. Das sind alte Spiele – und zwar aus einem Grund.“ Naughty Dog hat The Last of Us seit 2013 bereits einmal remastert und einmal komplett neu aufgelegt, dazu Uncharted 4 und Lost Legacy als Legacy of Thieves Collection. Russell fordert stattdessen: „Nehmt die Lehren aus Uncharted 4 und macht ein neues Spiel.“ Der Vorwurf der Kreativlosigkeit ist nicht neu – Uncharted 4 Regisseur Bruce Straley verließ das Studio 2017 aus ähnlichen Gründen.
Nur: Die Zahlen geben Russell nicht recht. Das TLOU-Part-1-Remake galt bei Release als überflüssig – und verkaufte sich laut Marktanalysten dennoch rund 6,3 Millionen Einheiten. In einer Generation, in der Publisher lieber gesicherte Marken neu auflegen als neue IPs zu riskieren, ist genau das der Punkt: Ein Drake’s Fortune-Remake müsste sich nicht rechtfertigen, es müsste nur gut aussehen.
Uncharted 5 bleibt Spekulation – und Intergalactic hat keinen Termin
Dabei schwelt hinter der Remake-Frage eine andere: Was will die Community eigentlich? Zuletzt heizte Naughty Dogs Kreativdirektor mit einem rätselhaften Instagram-Foto Spekulationen an, die Uncharted 5-Gerüchte bekamen neuen Schwung: Tom Henderson von Insider Gaming berichtete von internen Planungen vor COVID. Und dann wäre da noch das Gerücht aus 2023, Sony habe ein Drake’s Fortune-Remake bei Visual Arts in Auftrag gegeben – angeblich verworfen zugunsten von The Last of Us Part 1. Bestätigt hat das nie jemand.
Solange bleibt Intergalactic das einzige offizielle Naughty Dog-Projekt – das erste neue Franchise seit 2013, mit einem offenen Release-Datum. Russell selbst will das Spiel sehen, auch wenn er mit dem Remake-Kurs des Studios hadert.
Seine Argumente sind ehrlich, aber sie gewinnen keine Wirtschaftsdebatte. Wenn Sony ein Drake’s Fortune-Remake ankündigt, wird es sich verkaufen – nicht weil es nötig wäre, sondern weil es Uncharted ist. Ob das reicht, entscheiden dann die Fans.