Cold Iron Studios hat nach dem Launch von Aliens: Fireteam Elite 2 mindestens 19 Mitarbeiter entlassen – aus einem Team von ursprünglich 50 bis 70 Personen – und die Switch 2-Version des Koop-Shooters wurde auf Anfang 2027 verschoben. Bei Parent Enad Global 7 heißt es, die Entscheidung folge dem Plan, die Betriebskosten zu senken. Die offizielle Pressemitteilung der Schweden spricht von „nachhaltigem Betrieb“ – ein Satz, der in der Games-Industrie inzwischen so verlässlich ist wie der nächste Xenomorph-Hinterhalt.
Wenn das Budget die Richtung vorgibt
Daybreak Games pumpte im November 2025 zusätzliche 6,5 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von „Project Avo“ – der interne Arbeitstitel für Aliens: Fireteam Elite 2. Cold Iron selbst steuerte 1,2 Millionen Dollar bei. Die Investition war an Meilensteine geknüpft, rückzahlbar aus den ersten Einnahmen. Das klingt nach Vertrauen, ist aber ein Kredit mit Bedingungen: Wer so viel Geld vorstreckt, will Ergebnisse sehen. Die Ergebnisse kamen – nur nicht die, die sich die Geldgeber erhofft hatten.
Der Launch am 25. August 2026 brachte einen All-Time-Peak von 7.949 gleichzeitigen Spielern auf Steam. Der Vorgänger hatte 2021 noch 15.568 erreicht – ein Rückgang um rund die Hälfte. Die Steam-Reviews pendelten sich bei 58 Prozent positiven Bewertungen ein, mit wiederkehrenden Klagen über technische Probleme, fehlende Neuerungen und den Eindruck, das Spiel sei „ein zu teurer DLC“. Der Release-Überblick zeigte noch die ganze Hoffnung – jetzt zeigt die Bilanz die Realität.
Die Specialist-Klasse war als Zugpferd gedacht, als endgame-orientierte Klasse mit unvergleichlicher Flexibilität. Brock Robin, Systems Design Lead bei Cold Iron, erklärte im August: „Wir hielten es für wichtiger, beispiellose Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten zu ermöglichen, als dafür zu sorgen, dass alle Klassen im Endgame relevant sind.“ Der Ansatz war mutig – aber er half nicht gegen die Zahlen.
Ein Studio zwischen vier Besitzern
Cold Iron Studios wurde 2015 von Veteranen gegründet, die zuvor an City of Heroes, Star Trek Online und Neverwinter gearbeitet hatten. Die Geschichte des Studios ist eine Chronik der Besitzerwechsel: 2018 von FoxNext übernommen, dann an Disney weitergereicht, 2020 an Scopely verkauft, im selben Jahr von Daybreak Games übernommen. Vier Eigner in fünf Jahren – ein Benchmark für die Instabilität, die viele kleinere Studios in der Konsolidierungswelle der Branche erleben.
Im August 2026 zählte das Studio noch 57 Mitarbeiter, ein Rückgang von knapp 15 Prozent im Jahresvergleich. Die nun bestätigten Entlassungen treffen ein Team, das ohnehin schon geschrumpft war. Die neue Xenomorph-Brut und die Gameplay-Enthüllung hatten die Erwartungen hochgeschraubt – jetzt muss der verbliebene Rest liefern.
Die offizielle Pressemitteilung von Enad Global 7 vom 25. September 2026 formuliert es nüchtern: Man wolle die „Betriebskostenbasis reduzieren und einen nachhaltigen Betrieb sichern“. Übersetzt: Das Studio wird auf eine Größe zurückgefahren, die zu den Erwartungen passt – nicht zu den Ambitionen.
Was die Entlassungen für den Koop-Shooter bedeuten
Die Switch 2-Version von Aliens: Fireteam Elite 2 war ursprünglich für Herbst 2026 geplant. Nun wird sie auf Anfang 2027 verschoben. Die Begründung der Entwickler: „Nach reiflicher Überlegung planen wir nun, das Spiel Anfang 2027 als native Version für die Switch 2 zu veröffentlichen. Diese zusätzliche Zeit wird dem Team helfen, die bestmögliche Version für die Hardware zu entwickeln“.
Das ist keine reine Qualitätsentscheidung. Wer ein Drittel seiner Belegschaft verliert, kann parallele Portierungsprojekte nicht im gleichen Tempo stemmen. Die Switch 2 erfordert native Anpassungen an eine neue Hardware-Architektur – ein Aufwand, der mit reduziertem Team schlicht länger dauert. Die Verschiebung ist damit nicht nur eine Frage der Politur, sondern eine direkte Folge des Stellenabbaus.
Der Koop-Shooter selbst soll weiter unterstützt werden. Cold Iron kündigte an, in den kommenden Wochen eine Roadmap zu veröffentlichen und sich auf „Near-Term Quality Improvements“ zu konzentrieren. Ob ein dezimiertes Team den Live-Service-Anforderungen eines modernen Shooters gerecht werden kann, bleibt fraglich. Der erste Teil erhielt über Jahre hinweg Updates – der Nachfolger startet mit einem strukturellen Handicap.
Der Markt sortiert sich neu
Enad Global 7 verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 24 Prozent auf 345,3 Millionen SEK im Jahresvergleich. Die Konsolidierung bei Cold Iron ist Teil einer breiteren Strategie: Das Unternehmen strafft seine Kostenbasis, während es gleichzeitig in neue Projekte investiert. Der Spagat zwischen Sparentscheidungen und Wachstumsinvestitionen ist typisch für die aktuelle Phase der Games-Industrie, in der Studios nach dem Ende der Corona-Hochphase neu kalibriert werden.
Für Aliens: Fireteam Elite 2 bedeutet das eine ungewisse Zukunft. Die Kern-Community – jene, die den ersten Teil über Jahre gespielt hat – wird bleiben, solange Updates kommen. Der breite Markt aber hat bereits entschieden: 7.949 gleichzeitige Spieler zum Launch sind kein Fundament, auf dem ein Studio wächst. Die Entlassungen sind die logische Konsequenz – und die Switch 2-Verschiebung ist nur das sichtbarste Symptom.