Eric Baptizat ist zurück. Der Mann, der 2020 als Game Director das meistverkaufte Assassin’s Creed der Reihe ablieferte, verlässt EA Motive und kehrt nach fünf Jahren zu Ubisoft zurück. Sein neuer Titel: Game Director des gesamten Assassin’s Creed-Franchise. Jean Guesdon, Head of Content der Reihe, verkündete die Rückkehr auf LinkedIn – und sein Tonfall war kein gewöhnlicher HR-Text. „Welcome back, Eric. We’re so glad to have you home“, schrieb Guesdon. Zwischen den Zeilen steht: Ubisoft holt nicht einfach einen Veteranen zurück. Ubisoft reagiert auf eine Baustelle.
Vom Valhalla-Thron zu Dead Space und zurück: Baptizats Umweg
Eric Baptizat ist einer der wenigen Namen, die in der AC-Community tatsächlich etwas bedeuten. 16 Jahre war er bei Ubisoft, bevor er 2021 ging. Er arbeitete an Black Flag, war Designer bei Origins und stieg bei Valhalla zum Game Director auf – jenem Spiel, das trotz aller Kritik an seiner Länge zum kommerziellen Schwergewicht der Serie wurde.
Nach Valhalla zog es ihn zu EA Motive, wo er das Dead Space Remake leitete. Ein Spiel, das Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugte, aber ohne Nachfolger blieb. Jetzt, fünf Jahre nach seinem Weggang, sitzt Baptizat wieder in einem Ubisoft-Studio – diesmal mit Verantwortung für die gesamte Marke. Nicht für ein Spiel. Für alles.
Zwei Abgänge in Wochen: Was bei Codename Hexe wirklich los ist
Baptizats Rückkehr kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das neue Führungstrio für Assassin’s Creed bei Vantage Studios ohnehin erst Kontur annehmen muss. Codename Hexe, das als nächstes großes AC für PC und Konsolen gilt, verlor innerhalb weniger Wochen zwei Chef-Entwickler – darunter Creative Director und Game Director.
Clint Hocking verließ das Unternehmen, Jean Guesdon sprang als kreativer Kopf ein. Jetzt kommt Baptizat obendrauf. Das ist kein geplanter Generationenwechsel. Das ist Schadensbegrenzung an einem Projekt, das Ubisoft dringend braucht.
Wir erinnern uns: Shadows lief solide, aber nicht überragend. Black Flag Resynced kam im Juli auf den Markt und verkaufte sich gut – doch die Zukunft der Reihe hängt an Hexe. Ein düsteres Setting, deutsche Hexenprozesse, eine neue Protagonistin. Wenn das schiefgeht, wird es eng.
Ubisoft holt einen 57-jährigen Veteranen – das ist Triage, nicht Triumph
Baptizat ist 57. Er ist kein aufstrebender Jungregisseur, dem man ein erstes Großprojekt anvertraut. Er ist ein abgeklärter Veteran, der weiß, wie man ein 100-Millionen-Dollar-Schiff durch stürmische Gewässer steuert. Ubisoft holt ihn nicht, weil es unter zwanzig Kandidaten den visionärsten ausgewählt hat. Es holt ihn, weil es jemanden braucht, der das Ding nicht gegen die Wand fährt.
Und das sagt mehr über den Zustand von Hexe als jede unbestätigte Leak-Meldung. Wenn ein Publisher in dieser Phase der Produktion auf einen externen Routinier setzt – Baptizat war immerhin fünf Jahre weg –, dann sucht er Stabilität. Nicht Experiment. Nicht Revolution.
Hexe, Hexenprozesse und eine Anika: Was die Gerüchteküche ausspuckt
Offiziell hat Ubisoft zu Hexe fast nichts gesagt. Was wir haben, sind unbestätigte Leaks. Der bekannte Leaker RogueTx beschreibt die visuelle Richtung als „dunkel und deutlich besser als Shadows“.
Inhaltlich soll es um die deutschen Hexenprozesse gehen. Protagonistin: eine neue Figur namens Anika. Die Spielwelt sei „groß angelegt“, biete aber eine linearere Struktur als Valhalla. Die Fortbewegung soll flüssiger sein als je zuvor – „fortschrittlicher als alles bisher Dagewesene“, heißt es in einem Bericht. Dazu mystische Elemente „in der einen oder anderen Form“.
Das klingt nach einem AC, das sich Shadows‘ Kritikpunkte genau angesehen hat: weniger aufgebläht, fokussierter, atmosphärisch dichter. Aber all das sind Gerüchte. Kein einziges dieser Details ist von Ubisoft bestätigt. Baptizat wird sich sein eigenes Bild machen müssen – und vielleicht macht er auch sein eigenes Ding.