Lords of the Fallen 2 ist bis zum Stapellauf durchfinanziert, bürdet dem Publisher CI Games aber eine gefährliche Wette auf. Um das düstere Action-Rollenspiel ohne fremde Publisher und ohne Abstriche in den Handel zu drücken, geht das polnische Studio voll ins finanzielle Risiko. Das frische Kapital garantiert zwar den anvisierten Release, kettet das Überleben des Unternehmens jedoch vollständig an die Verkaufscharts.
CI Games leiht sich fast 29 Millionen Euro für die Ziellinie
Statt die eigenen Anteilseigner mit frischen Aktien zu verwässern, geht CI-Games-Chef Marek Tyminski voll ins persönliche Kreditrisiko. Der Publisher schließt eine Bankenfinanzierung über 28,6 Millionen Euro ab, um die laufende Produktion bis zur Veröffentlichung im ersten Halbjahr 2027 abzusichern. Der Deal sorgt dafür, dass bis zur Fälligkeit im August 2027 keine neuen Wertpapiere auf den Markt geworfen werden und Tyminski seine Mehrheit am Unternehmen unantastbar behält.
Die Botschaft an die Börse ist dabei glasklar kalkuliert. In einer Stellungnahme gegenüber GamesBeat stellte Tyminski klar, warum er den Weg über die Gläubiger gewählt hat: „Wir haben die vollständige Finanzierung für die Veröffentlichung von Lords of the Fallen 2 gesichert, ohne neue Aktien auszugeben. Das ist entscheidend für unsere Aktionäre, die voll am potenziellen Erfolg des Spiels beteiligt bleiben. Das Vertrauen der Banken bestätigt die Qualität unseres Projekts und sein kommerzielles Potenzial.“
Hinter dem selbstbewussten Management-Ton verbirgt sich allerdings eine harte Realität der modernen Spieleproduktion. Wer sich knapp 29 Millionen Euro bei Banken leiht, kauft sich zwar redaktionelle und unternehmerische Ruhe vor feindlichen Übernahmen, unterschreibt aber gleichzeitig ein unerbittliches Rückzahlungs-Diktat. Jeder Cent dieser neuen Verbindlichkeiten soll direkt über die Einnahmen an der Ladenkasse getilgt werden. Scheitert der Start, gerät das gesamte Firmenkonstrukt ins Wanken.
Dieser aggressive Griff zum Fremdkapital ist jedoch kein spontaner Luxus, sondern die direkte Folge eines geplatzten Verlagsvertrags.
Warum der geplatzte Epic-Vertrag den Publisher in Bedrängnis brachte
Hinter den Kulissen hatte CI Games ursprünglich mit ganz anderen Geldströmen geplant. Monatelang stützte ein Vertriebs- und Publishing-Abkommen mit Epic Games die langfristige Finanzplanung des Studios in Warschau. Als diese Vereinbarung schließlich auslief, hinterließ sie eine spürbare Lücke im Budget, die Entwickler Hexworks mitten im Aufbau der Spielwelt traf. Ohne die vertraglich zugesicherten Vorschüsse drohte dem Projekt genau jener finanzielle Engpass, an dem schon viele ambitionierte Fortsetzungen zerbrochen sind.
Die Trennung von Epic Games schaffte jedoch eine neue, dringend benötigte Handlungsfreiheit auf dem PC-Markt. Statt sich an einen exklusiven Storefront-Zwang zu binden, kann CI Games das Abenteuer nun vom ersten Tag an auf Steam platzieren. Schon der Reboot von 2023 zeigte eindrucksvoll, dass die treueste Käuferschaft der Reihe auf Valves Plattform sitzt und dort trotz technischer Startschwierigkeiten für solide Umsätze sorgte.
Genau diese Unabhängigkeit lässt sich das Studio nun teuer kosten. Anstatt das Projekt auf Sparflamme herunterzuschrauben oder Inhalte zu streichen, investiert das Management die Millionen direkt in das Team von Hexworks. Die Entwickler feilen seit Monaten an einem runderneuerten Kampfsystem mit beidhändiger Waffenführung, um spielerisch endlich zur Konkurrenz aufzuschließen. Wer allerdings so viel Geld verbrennt, darf sich am Erscheinungstag keinen einzigen Stolperer erlauben.
Hexworks muss 2027 auf den Konsolen vom ersten Tag an abliefern
Die Scharte des Vorgängers sitzt tief im Gedächtnis der Community. Der Neustart im Jahr 2023 litt monatelang unter Rucklern der Unreal Engine 5, fehlerhaftem Koop-Netcode und unausgereifter Balance, die erst mit Dutzenden Patches mühsam geradegebogen werden mussten. Ein solches Technik-Chaos kann sich CI Games 2027 schlicht nicht mehr leisten. Banken verzeihen keine katastrophalen Nutzerwertungen, wenn die Fälligkeit der Kreditraten im August 2027 unbarmherzig näher rückt.
Dieses Spiel darf kein Reparaturfall mit Roadmap werden.
Aus diesem Grund korrigierte die Geschäftsführung bereits im Sommer den Zeitplan radikal. Die offizielle Verschiebung auf 2027 folgte einer nüchternen Doppelstrategie: Hexworks bekommt ausreichend Zeit für Feinschliff, während CI Games dem drohenden Verkaufssturm von Grand Theft Auto 6 gezielt aus dem Weg geht. Zudem eröffnet der spätere Termin die Möglichkeit, die neue Nintendo Switch 2 zeitgleich mit PS5, Xbox Series X/S und PC zu beliefern.
Der Plan auf dem Papier wirkt bestechend, birgt aber die klassische Zwangslage mittelgroßer Publisher. Die gesicherten 28,6 Millionen Euro garantieren zwar, dass das Spiel ohne faule Abstriche fertiggestellt werden kann, verwandeln den Release aber in einen ultimativen Härtetest. Trifft Hexworks 2027 den Nerv der Soulslike-Fans, geht die Wette von CI Games voll auf. Bleiben die Vorbestellungen aus, wird aus dem erhofften Blockbuster im Handumdrehen eine existenzielle Schuldenfalle.