Physische Spiele könnten schon 2027 verschwinden, warnt CI Games-CEO Marek Tyminski. Der Grund liegt in einer Zahlenreihe, die er diese Woche auf X ausgepackt hat – und die das Ende der Disc plötzlich weniger nach Drama und mehr nach simpler Mathematik klingen lässt. Auslöser ist ein Doppelschlag, der die Branche seit Wochen erschüttert: GTA 6 erscheint ohne Disc in der Box, und Sony stellt die Disc-Produktion für PlayStation bis Januar 2028 ein. Was wie eine Kampfansage an Sammler wirkt, ist für Tyminski vor allem eins: die logische Konsequenz einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet. Seine Rechnung ist so simpel wie vernichtend – und sie zeigt, warum selbst Studios, die wie CI Games noch auf Disc setzen, langsam umdenken.
26 Dollar Differenz pro Spiel – die Rechnung, die keiner widerlegen kann
Tyminski hat die Zahlen öffentlich gemacht, und sie sind brutal. Bei einem Vollpreistitel von 69,99 Dollar bleibt den Studios nach Abzug von Handelsspanne, Distributionskosten und Disc-Produktion gerade mal etwas über 26 Dollar pro verkaufter Einheit.
Zum Vergleich: Eine digitale Version bei vollem Preis bringt etwa 49 Dollar. Der Unterschied liegt bei fast 23 Dollar pro Spiel – und das bei einem Medium, das laut Tyminski ohnehin „deutlich unter 20 Prozent“ der Gesamtverkäufe ausmacht.
„Large publishers sit on the better side of the equation, but even they make significantly more per digital sale“, schreibt er. Rein vom ROI her sei die Wahl offensichtlich.
„Fühlt sich unfair an“ – aber CI Games macht trotzdem weiter (erstmal)
Tyminski nennt GTA 6 explizit als Brandbeschleuniger. „GTA6 shipping with no disc feels unfair to studios still backing physical – and it’s accelerating the shift“, postete er auf X.
Dass Rockstar seine 80 Euro Box ohne Datenträger ausliefert, sei unfair für alle, die noch auf den physischen Vertrieb setzen. Trotzdem kündigt Tyminski an, dass Lords of the Fallen 2 auf Disc erscheinen wird.
Aber der Satz danach ist der eigentliche Paukenschlag: Business-wise werde es „harder to justify“ – also immer schwerer zu rechtfertigen. Für ein mittelgroßes Studio wie CI Games, das nicht die Verhandlungsmacht eines Ubisoft oder EA hat, wiegt jeder verlorene Dollar gleich doppelt schwer.
Von Kojima bis zum Handel – wer die Disc noch retten will und warum
Während Tyminski die wirtschaftliche Perspektive liefert, warnen andere Stimmen vor den kulturellen Folgen. Hideo Kojima fürchtet, dass digitale Daten irgendwann niemandem mehr wirklich gehören und der Zugang zu Medien bei globalen Krisen plötzlich gekappt werden könnte.
Shawn Layden, Ex-PlayStation-Chef, nannte Sonys Entscheidung „fairly dramatic“. Er räumte ein, nicht mehr im Geschäft zu sein – aber auch nicht zuzustimmen. Immerhin: Gerüchten zufolge sollen Publisher berechtigt sein, bis 2028 erschienene Spiele auch danach noch auf Disc nachzulegen.
Microsoft testet parallel ein Feature namens Disc2Digital, das vorhandene Discs in digitale Lizenzen umwandelt. Ein cleverer Schachzug – aber letztlich auch nur ein Aufschub, keine echte Alternative für Sammler, die Besitz statt Lizenz wollen.
Was übrig bleibt, wenn die Disc fällt
Tyminski hat nicht unrecht. Wenn physische Verkäufe unter 20 Prozent liegen, der Gewinn pro Einheit halb so hoch ist und die Disc-Produktion teure Vorlaufzeiten braucht – dann ist der Kampf ums Plastik wirtschaftlich längst entschieden.
Für Sammler und Liebhaber ist das ein harter Schnitt. Aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Selbst Studios, die wie CI Games bei der Fahne bleiben, tun das nicht aus purer Überzeugung, sondern aus Rücksicht auf eine schrumpfende, aber laute Minderheit.
Die Frage ist nicht mehr, ob die Disc verschwindet – sondern wie sanft der Übergang wird. Tyminskis Post ist ein Weckruf, aber keiner, der nach Rettung ruft. Er stellt nur fest, was ohnehin passiert.
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