Marek Tyminski, Gründer und CEO von CI Games, hat die Nachricht persönlich überbracht: Lords of the Fallen 2 erscheint nicht wie geplant im Herbst 2026, sondern erst im ersten Quartal 2027. Die Begründung ist eine doppelte – und eine, die in diesem Jahr schon verdächtig oft zu hören war. Das Spiel bekomme mehr Zeit für Integration, Iteration und Feinschliff, um in der bestmöglichen Qualität zu starten. Gleichzeitig räumt der Publisher offen ein: Das Weihnachtsgeschäft 2026 ist der falsche Ort für einen ambitionierten Soulslike-Titel. Fable hat sich dort bereits wegkatapultiert – Tomb Raider: Legacy of Atlantis ging denselben Weg. Der Grund heißt Grand Theft Auto 6.
Qualitätsversprechen nach dem Desaster des Vorgängers
CI Games argumentiert mit einem speziell zusammengestellten Gameplay-Feedback-Team, das laut Tyminski wertvolle Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert habe. Die zusätzliche Zeit sei nötig, um diese Änderungen zu integrieren und zu polieren. Nimmt man die Aussagen ernst, klingt das nach einem gestrafften Qualitätsprozess – und nach einem Studio, das aus den Fehlern des ersten Teils gelernt hat.
Denn der Start von Lords of the Fallen 2023 war technisch eine Katastrophe. Unfertige Performance, Ruckler auf allen Plattformen. CI Games brauchte Monate, um das Spiel in einen Zustand zu bringen, der dem ambitionierten Design gerecht wurde. Dass jetzt, bei der ersten Verzögerung des Nachfolgers, explizit die Launch-Qualität als Grund genannt wird, sitzt tief. Die offenen Plagiatsvorwürfe um das Art-Design haben zusätzlich für Misstrauen gesorgt.
CI Games hat in den letzten Monaten jedoch auch personell aufgerüstet. Nach der Schließung von Bluepoint Games lud Tyminski öffentlich die betroffenen Entwickler des Demon’s Souls Remake ein. Dass ausgerechnet die Bluepoint-Entwickler jetzt an Lords of the Fallen 2 mitwirken, ist ein kluger Schachzug – er holt technische Expertise von höchstem Niveau ins Haus.
Der Herbst 2026 wird zur Geisterstunde für Drittanbieter
Der zweite Grund ist der ehrlichere, und CI Games spricht ihn bemerkenswert offen aus: Das Weihnachtsgeschäft 2026 ist dermaßen mit Schwergewichten beladen, dass ein Titel wie Lords of the Fallen 2 untergehen würde. Die Formulierung von einer strategischen Positionierung außerhalb des Wettbewerbs ist PR-Höflichkeit für eine simple Rechnung: GTA 6 wird alles andere plattwalzen.
Grand Theft Auto 6 erscheint am 19. November 2026 – und das gesamte Marketing davor wird von Rockstar dominiert sein. Die Fable-Verschiebung in den Februar 2027 folgt exakt derselben Logik. Dass jetzt auch Lords of the Fallen 2 diesen Weg geht, zeigt: Die Angst vor GTA 6 ist kein Gerücht mehr, sondern eine handfeste strategische Entscheidung, die immer mehr Publisher treffen. Dabei kommt der Titel selbst aus einer schwierigen Vergangenheit – der ursprüngliche Epic-Exklusivdeal sorgte auf Steam bereits für viel Misstrauen, bevor er gekippt wurde.
Auch der ursprünglich geleakte August-Release – der einem Designer-Portfolio zufolge angepeilt war – wäre mitten in der Marketing-Welle von GTA 6 gelandet. CI Games hat offenbar registriert, dass der Herbst 2026 keine Chance für ein Spiel bietet, das sich nicht GTA 6 nennen kann.
Mit Q1 2027 in ein offenes Fenster
Das erste Quartal 2027 ist strategisch klug gewählt. Nach dem GTA 6 Tsunami im November 2026 folgt traditionell ein ruhigerer Januar bis März – ein Zeitfenster, in dem ein hochwertiger Soulslike-Titel die Aufmerksamkeit bekommt, die er braucht. Die Frage bleibt, ob das Spiel bis dahin technisch steht.
CI Games hat mit dem Kampfsystem der ersten Gameplay-Videos bereits gezeigt, dass Lords of the Fallen 2 den Vorgänger spielerisch deutlich überflügeln könnte. Das Gameplay-Material vom Summer Game Fest sah flüssig aus, erinnerte an die Präzision eines Demon’s Souls Remake. Jetzt geht es darum, das auch im finalen Produkt zu halten. DSOGaming bestätigt die Details zur Verschiebung und bewertet den Schritt als klugen Zug.
Bis Q1 2027 bleibt Zeit. Wenn CI Games sie nutzt, um den technischen Ruin von 2023 nicht zu wiederholen, ist diese Verschiebung die beste Entscheidung, die der Publisher treffen konnte.