CI Games hat auf dem Summer Game Fest einen neuen Trailer mit dem Titel „The Battle for Thorngar“ zu Lords of the Fallen II abgeliefert – und der hat es in sich. Statt sich mit atmosphärischen Establishing Shots aufzuhalten, zeigt das Material eine bislang völlig unbekannte Region namens Ysiguen, die asiatische Mythologie mit der düsteren Soulslike-Ästhetik der Reihe kreuzt. Viel wichtiger für PC-Spieler: Die Entwickler bestätigten im selben Atemzug, dass der Titel im Herbst 2026 zeitgleich auf Steam, im Epic Games Store, für die PlayStation 5 und die Xbox Series X|S erscheint.
Ysiguen, Katanas und ein blitzdurchwirkter Drache
Die neu enthüllte Region Ysiguen ist der optische Gegenentwurf zum gewohnten gotischen Tristesse-Look der Reihe. Die Entwickler beschreiben sie als ausladendes Biom, das sich teils an asiatischer Mythologie orientiert: gewaltige Pagoden, verdreht von dämonischen Kräften, dazu gehörnte Hofdamen und als regionale Boss-Präsenz Lingao, der Brausende Sturm – ein Drache, durchdrungen von Blitzen, der auf den ersten Blick eher an Sekiros göttlichen Drachen als an die kantigen Kolosse des Vorgängers erinnert. Dass CI Games hier stilistisch neue Wege geht, ist ein kluger Schachzug: Der 2023er-Teil litt unter einer gewissen Monotonie seiner düsteren Schauplätze.
Direkt mitgeliefert wurde außerdem eine neue Waffenklasse mit Katanas – einer der meistgewünschten Community-Features überhaupt. Zusammen mit den bereits früher bestätigten Sensen erweitert sich das Arsenal damit spürbar über Schwerter, Hämmer und Äxte hinaus. Der erste Gameplay-Trailer ließ bereits erahnen, dass CI Games auf ein deutlich aggressiveres Kampfsystem setzt – und mit Waffen, die auf Geschwindigkeit und Reichweite ausgelegt sind, könnte dieses Versprechen tatsächlich Substanz bekommen.
Der Steam-Launch als späte Korrektur eines gescheiterten Deals
Dass Lords of the Fallen II überhaupt zum Start auf Steam erscheint, ist die eigentliche Nachricht des Tages. Noch vor einem Monat sah die Realität anders aus: CI Games hatte im Juni 2024 einen Publishing-Vertrag mit Epic Games unterschrieben, der die PC-Version exklusiv an den Epic Games Store band. Dieser Deal wurde – wie Eurogamer im Mai 2026 berichtete – offiziell aufgelöst. Die Trennung kam spät, aber nicht zu spät: Das Spiel kann nun auf Steam auf die Wunschliste gesetzt werden, parallel zum Epic Games Store.
Für CI Games ist das ein strategischer Befreiungsschlag. Der Vorgänger verkaufte sich auf Steam mit Abstand am besten, während die Epic-Exklusivität für Sequels im Action-Rollenspiel-Bereich historisch ein Verkaufsgrab war – das musste selbst Metro Exodus schmerzhaft lernen. Dass der Publisher die Reißleine zog, bevor das Kind endgültig im Brunnen lag, spricht für ein Mindestmaß an Marktverstand. Ob das auch für die technische Qualität zum Launch gilt, wird sich zeigen.
Was CI Games aus dem Launch-Fiasko von 2023 gelernt haben will
Die Entwickler versprechen ein „deutlich verbessertes Kampfsystem“, brutale Hinrichtungen, explizite Zerstückelungen und ein aggressiveres Kampftempo. Dazu kommen Fraktionen, die an bestimmte Biome gebunden sind, dynamischere Boss-Begegnungen und – für Koop-Fans relevant – ein von Beginn an verfügbarer Modus mit gemeinsamer Fortschrittsübernahme. Auf dem Papier liefert das Studio alle Stellschrauben, an denen der Vorgänger knirschte.
Die Erinnerung an den Oktober 2023 sitzt allerdings tief. Lords of the Fallen startete damals als eines der ersten großen Unreal Engine 5 Spiele – und wurde zum Paradebeispiel für die Kinderkrankheiten der Engine. Framepacing-Probleme auf Konsolen, stotternde Performance auf dem PC, ein auf Xbox um Tage verspäteter Patch zum Verkaufsstart und eine „Mostly Negative“-Wertung auf Steam in den ersten Tagen. Über 70 Updates nach der Veröffentlichung später gilt der Titel heute als solide – aber diesen Zyklus aus „Release first, fix later“ will die Community garantiert kein zweites Mal durchlaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass CI Games im Januar 2024 rund zehn Prozent seiner Belegschaft entließ, darunter auch Mitarbeiter des zuständigen Studios Hexworks. Die Frage, ob das verbleibende Team die ambitionierten Versprechen technisch sauber umsetzen kann, ist völlig offen.
Immerhin: Das Umbral-Reich – die parallel existierende Totenwelt, die den Vorgänger von der Konkurrenz abhob – soll im Sequel immersiver und reaktiver ausfallen. Und ehemalige Bluepoint-Entwickler wurden ins Team integriert, was zumindest auf dem Papier die technische Expertise im Haus erhöht.
