Du hast es vielleicht schon mitbekommen: Seit Tagen kocht da eine ziemlich explosive Geschichte hoch. Xbox entlässt massiv – erst 1.600 Stellen, dann nochmal die Ankündigung von weiteren 1.600, insgesamt 3.200 Jobs weg, vier Studios dicht – und gleichzeitig tauchen Zahlen auf, dass Microsoft tausende H-1B-Visa beantragt hat. Die Kombination ist ein gefundenes Fressen für jedes Narrativ: „Die feuern Amerikaner und holen Ausländer rein.“ Genau dagegen schießt Frank Shaw, Microsofts Kommunikationschef, jetzt scharf zurück.
„Weil das Geschäft nicht gesund ist“
Shaw hat öffentlich gemacht, was viele schon vermutet haben: Die Entlassungen sind eine Restrukturierung, kein Austauschprogramm. In einem Statement, das er auf sozialen Medien postete, schreibt er, dass rund um die Visa-Zahlen „lots of bad information“ im Umlauf sei. Die jüngsten Entlassungen seien nötig gewesen, weil das Xbox-Geschäft nicht gesund ist – ein Satz, der vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wäre.
Die H-1B-Visa-Zahlen, die durch Social Media geistern – Fox News hatte berichtet, Microsoft habe gleichzeitig mit den Entlassungen die Genehmigung für 2.273 Visa bekommen –, seien laut Shaw nicht Xbox-spezifisch. Es handle sich um Microsoft-weite Visa-Verlängerungen und Neueinstellungen, die „einen kleinen Prozentsatz der gesamten Microsoft-Belegschaft“ ausmachen. Und, so Shaw weiter: Die Mehrheit der gestrichenen Stellen sei ohnehin nicht in den USA gewesen.
Die Zahl, die die Wut antreibt
Das Problem ist trotzdem da! Zahlen lassen sich nicht wegdiskutieren. 3.200 Entlassungen bei Xbox. Vier Studios, die geschlossen oder abgestoßen werden – Ninja Theory, Compulsion Games, Undead Labs, Double Fine. Dazu kommen die Berichte über id Software, das viele seiner Programmierer verloren hat. Und dann dieser eine Fox-News-Artikel mit dem Titel „Empörung bricht aus, während US-Marke 1.600 Mitarbeiter feuert – nachdem sie tausende Visa für ausländische Arbeitskräfte gesichert hat“. Der reicht, um den Shitstorm zu entfachen – unabhängig davon, ob die Fakten sauber getrennt sind.
Shaw versucht dagegenzuhalten mit Zahlen der anderen Art: Xbox sei der größte Arbeitgeber für amerikanische Arbeitskräfte in der gesamten Spieleindustrie. Die Argumentation: Wenn ein Unternehmen mit über 20.000 US-Mitarbeitern 1.600 Stellen abbaut, aber 2.000 Visa-Prozesse Microsoft-weit laufen, dann ist das kein Austausch. Das ist ein Größenverhältnis. Ob das in der aufgeheizten Stimmung ankommt, ist eine andere Frage.
Was Jason Schreier aus den Studios hört
Der Bloomberg-Journalist, der die Industrie seit Jahren wie kein Zweiter durchschaut, hat in dieser Woche eingeordnet, was die Entlassungen wirklich bedeuten. Seine Quelle aus den betroffenen Teams zeichnet ein düsteres Bild. Er spricht von Panik und Angst unter den Tausenden, die noch bei Xbox arbeiten.
Seine entscheidende Beobachtung: Die Mitarbeiter, die bleiben, sollen mehr mit weniger schaffen – und haben Angst, dass genau das gegen sie verwendet wird, sollte es eine dritte Entlassungswelle geben. Das ist ein gefährliches Signal. Wenn Leute aus Angst Überstunden schieben und trotzdem nicht wissen, ob ihr Job in sechs Monaten noch da ist, dann ist das kein Restrukturieren mehr. Dann ist das ein Unternehmen, das sich von innen zerlegt.
Asha Sharma selbst schrieb in einer internen Mail, die öffentlich wurde: „Diese Veränderungen werden Menschen direkt betreffen, die ihre Kreativität in den Aufbau von Xbox gesteckt haben.“ Das klingt nach dem, was man in solchen Mails halt sagt. Die Frage ist, ob die Taten folgen.
Aber ist das wirklich eine Antwort?
Shaw hat in seinem Statement auch einen Punkt erwähnt, der in den aufgeregten Debatten untergeht, aber vielleicht der wichtigste ist: Seine Chefin Asha Sharma sei eine „in Amerika geborene, aufgewachsene und ausgebildete CEO aus Wisconsin“. Das klingt auf den ersten Blick wie eine PR-Floskel – und ist es auch. Aber es zeigt, wohin die Debatte gekippt ist. Da geht es nicht mehr um Arbeitsmarktpolitik. Da geht es um Herkunft, um rassistische Untertöne, um eine Polarisierung, die jedes Unternehmen auf dem Silbertablett serviert bekommt, wenn die Zahlen nicht sauber kommuniziert werden.
Microsofts Fehler war nicht die Einstellung von H-1B-Arbeitern. Microsofts Fehler war, eine Welle von Entlassungen anzukündigen, während gleichzeitig Microsoft-weite Visa-Zahlen publik wurden. In der aufgeheizten, politisierten Atmosphäre des Jahres 2026 – mit JD Vance, der „American jobs for American workers“ skandiert, und einer zweiten Trump-Administration, die das H-1B-System ohnehin zum politischen Thema gemacht hat – war das vorhersehbar.
Shaw hat jetzt gelöscht, was zu löschen war. Ob die Wut damit verfliegt, ist eine andere Geschichte.
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