Xbox hat 3.200 Stellen gestrichen – und die nächste Welle ist längst angekündigt. Wer den Kahlschlag im Juli überstanden hat, lebt nach dem Bericht von Bloombergs Jason Schreier in permanenter Angst vor dem nächsten Rundumschlag. „Knowing that a second wave of job cuts could come at any time has led to panic and anxiety among the thousands of people who work for the company“ – übersetzt: Panik und Angst bei tausenden Angestellten. Asha Sharmas großer Reset kostet nicht nur Jobs, sondern auch jedes Gefühl von Sicherheit. Und wer fragt sich da nicht, wie tief der Rotstift noch reichen wird.
- Panik und Angst – was der Schreier-Report über die Stimmung bei Xbox verrät
- Mehr arbeiten, mehr fürchten – warum die Überlebenden der ersten Welle kaum Grund zur Freude haben
- Nicht nur Entwickler: Der 50 Prozent Kahlschlag beim Vendor-Budget trifft die ganze Kette
- Sharmas Reset: Was von Xbox nach dem Kahlschlag übrig bleibt
Panik und Angst – was der Schreier-Report über die Stimmung bei Xbox verrät
Wer die ersten Layoffs hinter sich hat, atmet nicht durch – der wartet. Bloombergs Jason Schreier hat mit Mitarbeitern gesprochen und zeichnet ein düsteres Bild. „The staff who remain are being asked to do more with less — and if they don’t, they fear it could be used as a reason to be fired in the next round“, also: Die Verbliebenen sollen mit weniger Mitteln mehr leisten. Und wer das nicht schafft, fürchtet, dass genau das als Kündigungsgrund in der nächsten Runde dient. Die fehlende Information über den genauen Zeitpunkt der nächsten Welle macht alles nur schlimmer.
Selbst Blizzard, laut Bericht vergleichsweise glimpflich davongekommen, ist weit entfernt von Entspannung. Dass ausgerechnet die Studio-Tochter, die am wenigsten Federn lassen musste, trotzdem unter Druck steht, zeigt, wie breit die Verunsicherung inzwischen ist. Xbox-Chefin Asha Sharma hat die Maßnahmen öffentlich als „Reset“ verkauft, und das ändert an der Stimmung in den Büros genau gar nichts.
Mehr arbeiten, mehr fürchten – warum die Überlebenden der ersten Welle kaum Grund zur Freude haben
Die Salamitaktik ist kein Unfall, sondern Methode. Statt einmal alles auf einmal zu kappen, streckt Microsoft die Entlassungen über das gesamte Geschäftsjahr 2027. 1.600 Stellen fielen sofort, die nächsten 1.600 folgen bis März 2028. Jeder Tag kann der letzte sein – und genau das ist das Problem.
Denn Microsoft hat nicht nur Personal gekürzt. Vier Studios verlassen das Xbox-Label: Double Fine und Compulsion Games werden wieder unabhängig, Ninja Theory und Undead Labs an unbekannte Publisher verkauft. Besonders bitter: id Software, der legendäre Doom-Entwickler und Hüter der eigenen id Tech-Engine, hat laut Studio-Gründer Scott Miller den Großteil seiner Belegschaft verloren – „including most (if not all) coders“. Ein Studio, das drei gefeierte Doom-Teile in zehn Jahren produziert hat, wird bis aufs Skelett entkernt. Und das in einer Branche, in der hauseigene Engines längst zur Seltenheit geworden sind.
Nicht nur Entwickler: Der 50 Prozent Kahlschlag beim Vendor-Budget trifft die ganze Kette
Die Entlassungen bei Xbox sind nur die eine Seite. Die andere: Microsoft hat sein Budget für externe Dienstleister um die Hälfte gekürzt. PR-Agenturen, QA-Teams, Lokalisierungsstudios – Firmen, die offiziell gar nicht zu Xbox gehören, verlieren trotzdem ihre Aufträge und damit ihre Existenz. Die Folgen sind bereits sichtbar: IO Interactive schloss sein Istanbuler Studio, nachdem ein Deal mit Xbox geplatzt war.
Das Verrückte daran: Microsoft hat in den letzten fünf Jahren über 20 Milliarden Dollar in Inhalte, Plattform und Hardware gesteckt – gleichzeitig ist der Jahresumsatz um fast eine halbe Milliarde gesunken. Eine Bilanz, die Sharma selbst als „nicht gesund“ bezeichnet. Die 3 Prozent Accountability Margin, Microsofts interne Profitabilitätskennzahl, sind für einen Konzern dieser Größe faktisch ein Minusgeschäft. Und weil die erfolgreichen Titel die Verluste der gefloppten querfinanzieren müssen, trifft der Rotstift jetzt alle – ob sie Gewinn abwerfen oder nicht.
Sharmas Reset: Was von Xbox nach dem Kahlschlag übrig bleibt
Sharma setzt auf die Zugpferde. Fallout, The Elder Scrolls, Halo, Minecraft – die Marken, die wirklich Geld bringen, bekommen jetzt die volle Aufmerksamkeit. Der Game Pass wird günstiger, Copilot auf Konsolen wurde eingestellt, Call of Duty erscheint nicht mehr am ersten Tag im Abo. Alles Maßnahmen, die signalisieren: Schluss mit Experimenten.
Das Problem: Selbst mit voller Finanzierung braucht ein The Elder Scrolls 6 Jahre. Ein neues Fallout von Bethesda Game Studios ist vor 2030 nicht zu erwarten. Ob der Fokus auf wenige Großmarken Xbox retten kann, ist fraglich – vor allem, weil die nächste Konsolengeneration Project Helix durch explodierende Speicherkosten und Chipknappheit unter Druck steht. 85 Prozent der Digital Foundry-Leser haben in einer Umfrage angegeben, wenig bis kein Vertrauen mehr in die Zukunft von Xbox zu haben. Das ist keine Zahl, die sich mit einem „Reset“ einfach wegdrehen lässt.