Es gibt Momente im Gaming-Journalismus, da schreibt ein Konzern dem anderen unfreiwillig die perfekte Marketing-Vorlage. Rockstar hat vor wenigen Wochen bestätigt, dass die physische Version von GTA 6 keine Disc enthalten wird – nur einen Download-Code in einer Hülle. Die Empörung war groß, Händler wie Video Games Plus in Kanada und Loot Box Gaming in den USA kündigten an, das Spiel gar nicht erst zu verkaufen. Jetzt, am 3. Juli 2026, veröffentlicht Halo Studios ein neues Community-Q&A zu Halo: Campaign Evolved – und die allererste Frage, die beantwortet wird, ist nicht etwa eine zum Gameplay oder zur Technik. Sie lautet: „Liegt eine Disc in der Box?“ Die Antwort ist ein krachendes Ja.
Microsoft kann sich das Grinsen vermutlich nicht verkneifen. Während Take-Two und Rockstar darüber diskutieren, ob man den Käufern einer 80 Euro Box überhaupt einen Datenträger schuldet, tickt Halo Studios die Checkliste der physischen Sammler einfach ab: Case, Disc, Anfassen, ins Regal stellen, fertig. Dieses Timing ist durchkalkuliert – eine PR-Volley direkt in die Wunde, die Rockstar sich selbst gerissen hat. Und sie sitzt.
Die erste Frage des Q&As ist nicht Gameplay, nicht Grafik – sondern eine Disc
„Ja! Wer die Xbox- oder PlayStation-Version von Halo: Campaign Evolved im Laden kauft, bekommt das physische Game-Case und die Disc, damit ihr etwas zum Anfassen für eure Sammlung habt.“ So beginnt das Juli-Q&A von Halo Studios. Nicht mit Specs, nicht mit Framerates, nicht mit einem Trailer – mit einem Bekenntnis zum Plastik. Und das in einer Woche, in der Rockstars „Code in a Box“ noch immer die Schlagzeilen dominiert.
Zwei namhafte Händler haben bereits Konsequenzen gezogen: Video Games Plus und Loot Box Gaming werden GTA 6 nicht führen, weil ein Download-Code für sie keine physische Medienproduktion darstellt. Mat Piscatella von Circana glaubt zwar nicht, dass die fehlende Disc den Verkaufszahlen von GTA 6 ernsthaft schaden wird – er verweist auf die Popularität der Digital Only Konsolen PS5 Digital Edition und Xbox Series S. Aber das ist eine Verkaufsprognose, keine Kulturaussage. Es geht hier nicht um Einheiten, sondern ums Prinzip. Und Microsoft hat verstanden, dass dieses Prinzip für einen nicht kleinen Teil der Community verdammt viel wert ist.
Halo: Campaign Evolved erscheint am 28. Juli – mit fünf Tagen Early Access ab dem 23. Juli für Premium-Käufer. Dass der Titel auch auf der PS5 startet, war vor einem Jahr noch undenkbar. Inzwischen ist das Remake das meistvorbestellte Spiel im europäischen PlayStation Store, und die Disc-Garantie dürfte dieser Dynamik kaum schaden.
Machinima-Modus: Content-Creator bekommen ihre eigene Sandbox
Der zweite dicke Brocken aus dem Q&A ist der Machinima-Modus. Statt eines klassischen Photo Mode hat Halo Studios sich für etwas deutlich Ambitionierteres entschieden: Spieler können jederzeit eine frei fliegende Kamera ausklinken, die Waffe senken und ihren Spartan auch aus der Freecam-Perspektive steuern. Kein Skull-Freischalten nötig, keine versteckten Menüs – einfach Tastenkombination, und los geht’s.
Kombiniert mit dem Akrophobia-Skull (Fliegen) und dem Blind-Skull (HUD ausblenden) entsteht ein Toolset, das eher an eine Machinima-Workstation erinnert als an die typische Fotomodus-Erweiterung eines AAA-Titels. Halo Studios positioniert das explizit für Creator, die eigenständige Videos und Screenshots produzieren wollen – und das ist klug. Die Halo-Community hat eine tief verwurzelte Machinima-Tradition, von Red vs. Blue bis zu unzähligen Fan-Projekten. Ihr jetzt endlich wieder richtige Werkzeuge zu geben, statt sie mit einem standardisierten Fotomodus abzuspeisen, ist ein klares Signal: Die alten Halo-Tugenden zählen noch.
Dass das auch spielerisch aufgeht, zeigt die neue Third-Person-Perspektive in Campaign Evolved – der Perspective-Skull macht die Kampagne komplett in der dritten Person spielbar, was zusammen mit dem Machinima-Modus völlig neue Inszenierungsmöglichkeiten eröffnet.
Handheld-Support mit Bestnote – und ein Haufen kleinerer Verbesserungen
Abseits der großen Schlagzeilen steckt im Q&A noch eine Menge Feinarbeit. Halo: Campaign Evolved erreicht sowohl unter Windows als auch auf dem Steam Deck die höchste Bewertungsstufe: „Handheld Optimized“ und „Steam Deck Verified“. Dass die Unreal Engine 5 auf einem Steam Deck so sauber läuft, ist keine Selbstverständlichkeit – und ein starkes Argument für alle, die den Master Chief mit ins Café oder in den Park nehmen wollen.
Daneben listet das Studio eine Reihe kleinerer, aber spürbarer Verbesserungen auf: Die Waffen-Drop-Funktion aus Halo Infinite ist zurück – endlich kann man seinem Koop-Partner ein Gewehr zuwerfen, ohne es gegen eine Waffe vom Boden tauschen zu müssen. Die feindliche KI wurde seit der Preview-Version im Juni noch einmal poliert. Friendly Fire im Koop lässt sich nach Belieben ein- oder ausschalten, und der legendäre LASO-Modus wird fairerweise zu „LAASO“ (Legendary Almost All Skulls On) umbenannt – weil manche der 42 Skulls sich gegenseitig ausschließen oder den Schwierigkeitsgrad ins Lächerliche ziehen würden.
Die Physik-Engine behält den klassischen „Halo-Feel“, inklusive der von Fans geliebten Gepäckträger-Katapulte und Fahrzeug-Abschüsse. Halo Studios betont, dass „Spaß“ bei den Physik-Tests ein echtes Bewertungskriterium war. Klingt banal, aber in einer Industrie, die Physik-Engines zunehmend für Realismus und gegen Chaos optimiert, ist dieser Satz bemerkenswert.