Blizzard datiert den Release von Diablo 5 auf das Jahr 2029, schickt die ersten Darsteller aber schon jetzt in die Mocap-Anzüge. Cinematic Director Neil David Carter belegt den vorgezogenen Drehstart mit einem Schnappschuss aus dem Mocap-Studio und wirft damit die gewohnte Render-Maschinerie an. Während das Action-Rollenspiel spielerisch noch in den Kinderschuhen steckt, schiebt das Studio die filmische Inszenierung bereits meilenweit vor das eigentliche Gameplay.
Neil David Carter eröffnet die Aufnahmen im Studio
Ein einziges Foto einer gewaltigen Studiobühne beendet das Schweigen rund um die Zwischensequenzen. Zwischen Traversen, Kamerasystemen und Monitorwänden positioniert Blizzard die Darsteller in hautengen Anzügen, um die Bewegungsmuster für Sanktuarios nächsten Albtraum aufzuzeichnen. Cinematic Director Neil David Carter, der zuvor bereits die Regie der In-Game-Sequenzen für den vierten Teil leitete, teilte das Bild auf X mit einer trockenen Bildunterschrift: „Erster Drehtag #Diablo5“.
Damit greift das Studio zu einem gewohnten Reflex. Statt spielbare Mechaniken zu zeigen, schickt der Entwickler seine traditionsreiche Render-Maschinerie an die Front. Seit dem originalen StarCraft von 1998 nutzt das Studio seine Filmsequenzen als primäres Verkaufsschild. Nachdem Blizzard das düstere Sequel für 2029 enthüllte, liefert das Mocap-Set nun den ersten greifbaren Beweis dafür, dass der Drehplan tatsächlich anläuft.
Drei parallele Erzählstränge diktieren den Drehplan
Hinter dem Start der Dreharbeiten steht ein erzählerischer Mammutplan. Die Kampagne von Diablo 5 soll euch nicht linear von Akt zu Akt scheuchen, sondern stützt sich auf drei getrennte Geschichten. Ein Erzählstrang beleuchtet den historischen Untergang Sanktuarios unter Diablos Herrschaft. Der zweite Strang begleitet eure eigenen Taten in den Trümmern von Westmark, während die dritte Ebene die düstere Zukunft der verdorbenen Spielwelt nach dem Sieg des Bösen einfängt.
Executive Producer Mark Zitterman formulierte den Anspruch hinter diesem Aufwand gewohnt offensiv. Das Studio wolle nicht weniger als die „beste Kampagne aller Zeiten“ abliefern. Laut Zitterman fungiert dieser Erzählfokus als „ein Grundpfeiler unseres Denkens über das Spiel“ und diene als „ein Beispiel dafür, wie wir das Beste aus Diablo 4 nehmen und noch weiter ausbauen“. Am Gamepad verpufft dieser Bombast jedoch, wenn die Welt hinter den Sequenzen flach bleibt. Ob dynamische Zonen wie das angekündigte Terrorforming tatsächlich mit handgemachten Filmsequenzen harmonieren, muss das Gameplay-Team erst noch beweisen.
Der frühe Mocap-Start kaschiert den extremen Release-Horizont
Die Hektik am Set dient vor allem der Beruhigung nervöser Gemüter. Mit dem angepeilten Veröffentlichungsfenster im Frühjahr 2029 liegen noch gut zweieinhalb Jahre Entwicklungszeit vor dem Team. Schon als Johanna Faries die extrem frühen Ankündigungen verteidigte, geriet die Strategie ins Kreuzfeuer. Die Studio-Präsidentin betonte damals, man wolle „Vertrauen in unsere größten Wetten der Zukunft transportieren“. Zudem versprach sie vor Aktionären und Fans, dass die Teams „liefern werden, groß liefern werden und pünktlich liefern werden“.
Dieser Rechtfertigungsdruck erklärt das Vorpreschen der Render-Abteilung. Weil Blizzard Diablo 5 statt eines Addons entwickelt, verhungert Diablo 4 abseits von Seasons und dem geplanten Amazonen-Paket am langen Arm. Das Set-Foto von Neil David Carter liefert Social-Media-Futter, kaschiert aber nicht, dass die Kernsysteme bis heute reine Versprechen auf Papier bleiben.