Fallout 76 hat die 25 Millionen Marke geknackt. Bethesda meldet den Meilenstein pünktlich zum Fallout Day, doch die Zahl ist kein Verkaufsrekord: Das Spiel ist über Game Pass und PS Plus für viele Spieler kostenlos erreichbar. Viel spannender ist, was am 1. Dezember passiert – dann endet die Haustierhaltung am Gartenzaun.
Vom Gartenzaun in die Schusslinie
Bisher endete die treue Begleitung von Hunden, Katzen und Radhogs am Gartenzaun des eigenen C.A.M.P. Wer sein Tier artgerecht durch Appalachia führen wollte, stieß an eine unsichtbare Wand aus Bethesda-Logik. Ab dem 1. Dezember reißt das Studio diesen Zaun ein und zerrt die Tiere mitten in die Strahlung.
Das World-Pets-Update ist das 72. kostenlose Inhaltsupdate für Fallout 76 und macht aus dem bisherigen Deko-Element einen echten Reisebegleiter. Spieler können ihrem Tier einen Namen geben, das Aussehen anpassen und es auf Patrouille schicken. Die Auswahl reicht vom klassischen Hund über Katzen bis zum Radhog – und wer mutig genug ist, domestiziert einen Deathclaw.
Die Boni sind handfest und an die jeweilige Tierart gekoppelt. Hunde erschnüffeln im Kampf medizinische Vorräte, Katzen bescheren bessere Köder beim Angeln, Radhogs spüren radioaktives Material auf. Der Deathclaw hingegen ist die Abrissbirne unter den Begleitern: Wer mit ihm durch verseuchte Nester pflügt, darf sich über eine zusätzliche legendäre Waffe freuen. Jede Spezies lässt sich aufleveln, schaltet neue Buffs frei und erweitert das eigene Tragevermögen.
Dazu gesellt sich das Bounty-Hunting rund um Marshal Canton, einen umprogrammierten Robo-Brain, sowie ein überarbeitetes Skyline Valley. Das Update ist damit mehr als ein niedliches Gimmick. Es ist ein weiterer Versuch, die alternde Welt von Appalachia mit frischen Routinen zu füllen – und genau dort setzt auch der eigentliche Erfolgsdruck an.
25 Millionen, die niemand eingeplant hatte
Die Zahl, die Bethesda jetzt feiert, ist das Ergebnis einer der bemerkenswertesten Kehrtwenden der jüngeren Spielegeschichte. Fallout 76 startete 2018 als Inbegriff des kaputten Live-Service-Spiels: leere Welt, technische Aussetzer, wütende Fans. Fast ein Jahrzehnt später spricht Creative Director Jon Rush von einer Community, die gewachsen ist, obwohl das Spiel nie einen sauberen Neustart bekam.
„Ein riesiges Dankeschön an die 25 Millionen Vault-Bewohner, die sich übernommen und verschlafen haben, die gemütlichen Grenzen ihrer Vault-76-Wohnung zu verlassen, um hinaus in die wilden Ödländer von Appalachia zu treten“, lässt Rush in der offiziellen Mitteilung verlauten. Das ist der Ton eines Teams, das weiß, wie tief die eigene Marke einmal lag.
Die nackten Zahlen erzählen dieselbe Geschichte in nüchterner Form. Im November 2021 meldete Bethesda 11 Millionen Spieler, im Dezember 2023 waren es 17 Millionen, im Mai 2024 dann 20 Millionen. Seit Juni 2025 steht der Zähler bei 23 Millionen – und jetzt bei 25 Millionen. Ein Wachstum, das nicht explodiert, sondern tropft.
Wer die 25 Millionen als Verkaufsrekord liest, liegt falsch. Fallout 76 ist über Xbox Game Pass und PlayStation Plus für Millionen Abonnenten ohne direkten Kauf zugänglich. Die Zahl sagt also vor allem eines: Es gibt eine riesige Menge Menschen, die dem Spiel mindestens eine Chance gegeben haben. Wie viele davon regelmäßig zurückkehren, verrät Bethesda nicht.
Ein Native-Upgrade als Lebensversicherung
Der jüngste Wachstumsschub hat einen handfesten technischen Auslöser. Am 15. September 2026 veröffentlichte Bethesda die nativen PS5- und Xbox-Series-Versionen von Fallout 76. Endlich 60 FPS, 1440p auf Standard-Konsolen und natives 4K auf der PS5 Pro. Für ein Spiel, das jahrelang mit ruckelnden 30 Bildern pro Sekunde durch die Gegend schlich, ist das ein Befreiungsschlag.
Das Upgrade kam spät, aber es kam. Wer die Performance-Modi der aktuellen Konsolen gewohnt ist, wird den Unterschied nicht mehr missen wollen. Die höhere Sichtweite, die weicheren Schatten und die VRR-Unterstützung sind keine Revolution, aber sie machen Appalachia endlich zu einem Ort, der sich nicht mehr nach Kompromiss anfühlt. Der Schritt war überfällig – und er zeigt, dass Bethesda die Marke nicht aufgegeben hat.
Genau dieser Punkt ist wichtiger, als die Jubelmeldung vermuten lässt. Bethesda steckt in einer der unruhigsten Phasen seiner Geschichte: Entlassungswellen, die Eingliederung von Obsidian und der gigantische Erwartungsdruck an The Elder Scrolls 6 und Fallout 5. Während die großen Rollenspiele in weiter Ferne liegen, ist Fallout 76 der einzige verlässliche Live-Anker des Studios. 25 Millionen Spieler sind in dieser Lage kein Sieg. Sie sind eine Verpflichtung.
Düstere Inhalte und die Frage, wie lange das noch trägt
Die nächste Verpflichtung wirft bereits Schatten voraus. Schon im August 2026 teaserte Jon Rush düstere Inhalte an, die deutlich härter ausfallen sollen als der übliche Fallout-Humor. „Für Fallout 76 sind spannende Inhalte in Arbeit, über die wir euch allen schon sehr bald berichten möchten“, schrieb Rush damals. „Düstere Inhalte…“ Mehr verriet er nicht – und genau diese vage Andeutung hat die Community seit Wochen in Bewegung gehalten.
Was das konkret bedeutet, ist offen. Denkbar sind ein Horror-Event rund um Halloween, eine neue Questreihe mit unangenehmen Entscheidungen oder schlicht härtere Gewaltdarstellungen. Fallout war immer beides: albern und brutal. Die Kunst wird sein, die düstere Seite nicht als kurzfristigen Schock zu inszenieren, sondern als echte Ergänzung zur Welt von Appalachia.
Das World-Pets-Update und der 25-Millionen-Meilenstein zeigen, dass Fallout 76 längst nicht am Ende ist. Aber sie zeigen auch, wie sehr Bethesda auf ein Spiel angewiesen ist, das viele schon 2018 abgeschrieben hatten. Die Haustiere sind ein sympathischer Schritt, die düsteren Inhalte ein vielversprechender Teaser. Ob beides reicht, um die nächsten Jahre zu tragen, hängt weniger an den Tieren selbst als an der Frage, ob Bethesda seine Live-Service-Marke weiter pflegt, während die großen Hoffnungen auf TES6 und Fallout 5 vor sich hin reifen.
