Auf der gamescom Opening Night Live hat HoYoverse die Gaming-Welt eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt und mit Nodusfall ein Koop-Action-Projekt enthüllt, das so gar nicht in die gewohnte Wohlfühl-Schublade des Studios passen will. Wo sonst bunte Primogem-Wiesen und zuckersüße Pastelltöne regieren, knallt euch der Trailer diesmal verfallene Ruinen, gigantische Schmiedetrolle, fliegende Blitz-Tiger und verwesende Fäulnisflügel vor den Latz.
Götterdämmerung statt Gacha-Kulleraugen
Mit Nodusfall verabschiedet sich HoYoverse vom gewohnten Anime-Schema und wirft Spieler in ein bedrückendes Dark-Fantasy-Szenario, in dem gefallene Götter und gewaltige Monstrositäten regieren.
Die Prämisse trieft vor düsterer Lore: Die Götter haben sich verabschiedet, und sogenannte „Weber“ müssen göttliche Restkräfte bündeln, um ein kosmisches Übel namens Nodus zu zerschlagen. Statt quirliger Dialoge serviert der erste Ausblick gigantische Schmiede-Hämmer an kolossalen Ambossen, Lichtspeere und Gestalten, die optisch verdächtig nah an FromSoftwares Fäulnis-Königin Malenia angelehnt sind. Dass die Macher hier ganz ungeniert bei den Titanen des Genres räubern, zeigte schon der offizielle Reveal-Trailer im gamescom ONL-Stream: Wer sich durch diese Einöden kämpft, sucht keine gemütlichen Teepartys, sondern will monströse Biester im Team filetieren.
Monster-Jagd mit Souls-Wucht: Was steckt im Kampfsystem?
Das Gameplay setzt auf schwere Waffenklassen und teambasierte Jagden, bei denen millimetergenaues Timing über Leben und Respawn entscheidet.
Vergesst das hektische Durchrotieren von vier bunten Elementar-Charakteren per Tastendruck. Wer in Nodusfall zur zweihändigen Hellebarde oder dem kolossalen Prügel greift, spürt die Trägheit jedes einzelnen Schwungs bis in die Fingerspitzen: Die Animationen fordern echtes Engagement, Treffer stoppen mit spürbarem Hit-Stop im Fleisch der Monster und wer die Ausweichrolle zu früh zündet, wird vom Schwanzhieb des Blitz-Tigers gnadenlos in den Wüstensand gestampft. Auf dem Gamepad muss sich dieser Widerstand der adaptiven Trigger und das Rumpeln beim Parieren schwer anfühlen, sonst verpufft die gesamte Wucht der gigantischen Waffenarsenale im Nichts.
Genau hier liegt die größte Herausforderung für das Studio. Bisher waren HoYoverse-Titel auf butterweiche, fast schwerelose Movement-Ketten ausgelegt. Für ein Kampfsystem, das in Richtung Monster Hunter oder Souls schielt, braucht es messerscharfe Hitboxen, nachvollziehbares Part-Breaking an Boss-Gliedmaßen und ein Schadensmodell, das Treffer-Feedback belohnt, statt Lebensbalken nur durch Zahlen-Salat abzutragen.
HoYoverses Masterplan: Raus aus der Wohlfühlzone
Nodusfall ist kein isoliertes Experiment, sondern markiert den endgültigen Wandel von HoYoverse zu einem breit aufgestellten globalen Gaming-Giganten.
Wer die Ankündigungen der letzten zwölf Monate verfolgt hat, erkennt das Muster: Erst überraschte das Studio mit der Farming-Simulation Petit Planet, dann folgte das urbane Open-World-Projekt Varsapura und jetzt dieser knallharte Ausflug ins Fantasy-Gemetzel. Die Chinesen reinvestieren ihre Milliarden-Gewinne gezielt, um jedes relevante Großgenre mit einer eigenen Großproduktion zu besetzen.
Ob Nodusfall am Ende als klassischer Vollpreistitel über die Ladentheke wandert oder erneut auf Live-Service-Monetarisierung setzt, lässt das Studio vorerst offen. Auch konkrete Plattformen und Release-Fenster bleiben bisher unter Verschluss. Eines hat der Vorstoß auf der Kölner Messe aber jetzt schon bewiesen: HoYoverse hat keine Lust, auf ewig auf die Anime-Ecke reduziert zu werden.
