Capcom hat einen neuen Trailer zu Onimusha: Way of the Sword veröffentlicht, der Sasaki Ganryu, den langjährigen Rivalen von Protagonist Miyamoto Musashi, ins Zentrum rückt. Die Reihe nennt ihre Charaktervorstellungen „Curious Cases“ – seltsame Fälle also, die in losen Clips jeweils einen Kämpfer vorstellen. Nur ist der jüngste Clip kein Fall zum Grinsen. Er kommt einer Tragödie näher als einem Kuriosum, und genau diese Diskrepanz zwischen Etikett und Tonfall ist das eigentlich Spannende an dem Material.
„Curious Case“ ist die falsche Schublade – hier zerfällt ein Mensch
Der Trailer zeigt Ganryu nicht als den selbstgefälligen Schwertmeister, der Musashi in früheren Begegnungen provozierte. Stattdessen seht ihr einen Mann, der seine dämonische Kraft durch seltsame Rituale steigern wollte – und dabei den Verstand eingebüßt hat. Aus dem arroganten Rivalen ist ein Schatten seiner selbst geworden, nur eben gefährlicher: Wer keinen Ehrenkodex mehr kennt, kämpft auch nicht mehr nach den Regeln, die er einst selbst aufgestellt hat.
Das ist der wahre Kern des Trailers, und er steckt nicht im Spektakel. Es ist die Idee, dass Ganryus Weg zum Onimusha kein Aufstieg war, sondern ein Handel. Er wollte Musashi ebenbürtig sein, also nahm er die dämonische Macht an – und bezahlte mit dem, was ihn als Kämpfer ausmachte. Ein Rivale, der alles aufgibt, um zu gewinnen, und am Ende nichts mehr von dem besitzt, wofür es sich zu gewinnen lohnt. Wer den ersten Trailer zu Musashi als Protagonist gesehen hat, erkennt hier die Kehrseite derselben Münze.
Capcom wollte aus Musashi ohnehin keinen klassischen Helden machen, sondern einen „namenlosen Samurai“, dessen Leerstelle ihr mit eurer eigenen Geschichte füllt. Ganryu dagegen trägt seine Geschichte offen zur Schau – als warnendes Beispiel dessen, was aus einem Menschen wird, der für die Macht seinen Kodex verkauft. Die Serie hat schon einmal mit genau dieser Idee gearbeitet: Der mehrarmige Boss und der Oni-Handschuh aus einem früheren Trailer zeigen, wie die Waffe, die euch stärker macht, am Ende ihren Träger frisst.
Das Duell trägt eine Endgültigkeit, die über einen Bosskampf hinausgeht
Der Trailer bereitet die Konfrontation zwischen den beiden Männern vor, aber über der Begegnung liegt etwas Bedrohlicheres als die übliche Rivalitätsdramaturgie. Eine Endgültigkeit. Man bekommt das Gefühl, dass dieses Aufeinandertreffen nicht einfach ein weiterer Boss ist, den ihr legt und abhakt, sondern ein Abschied – von jemandem, der vielleicht nicht mehr zu retten ist.
Und zwar ein Abschied auf Augenhöhe der Klinge, nicht in der üblichen Monsterschlacht. Die Demo, die Capcom bereits veröffentlichte, machte aus dem Duell gegen Ganryu genau das: einen geraden Eins-gegen-eins-Schwertkampf statt eines Monstergemetzels. Wer die Demo gespielt hat, weiß, dass diese Begegnung anders tickt als der Rest des Spiels – enger, persönlicher, mehr Duell als Schlacht. Genau deshalb wirkt der neue Trailer so schwer: Er lädt dieses bereits bekannte Duell mit einer Tragödie auf, die beim ersten Anspielen noch gar nicht erzählt war.
Capcom hat den Release von Onimusha: Way of the Sword auf den 4. September 2026 vorgezogen – ursprünglich war der 25. September geplant. Drei Wochen früher, mitten in ein ohnehin volles Herbstlineup. Die frühere Verschiebung war seinerzeit ein echtes Thema, weil sie das Spiel direkt in die Nähe anderer großer Titel drückte. Aber genau diese demonstrative Selbstsicherheit – wir ziehen vor, weil das Ding fertig ist – passt zu einem Studio, das offenbar stolz auf sein Schwertkampfsystem ist. Ein System, das in einem finalen Duell gegen den zerfallenen Ganryu seine größte Bühne finden könnte.




