Far Cry 3 feiert auf der Nintendo Switch 2 ein überraschendes Comeback, doch Ubisoft schickt den Urlauber-Albtraum nicht allein auf Reisen. Im Gepäck der Ankündigung steckt ein zweiter Fan-Liebling, der als völlig durchgeknallte Achtziger-Jahre-Parodie einst Kultstatus erreichte. Statt neuer Gameplay-Visionen greift der kriselnde Publisher tief in das eigene Archiv, um die Lücke bis zum nächsten großen Serienteil mit erprobtem Tropen-Chaos zu stopfen.
Gefesselte Touristen und ein Zyniker im Neonlicht
Gefesselt an einen morschen Holzstuhl starrt Jason Brody in den Lauf einer Pistole, während Psychopath Vaas über Wahnsinn philosophiert. Genau dieser Schockmoment brannte sich vor anderthalb Jahrzehnten ins Gedächtnis einer ganzen Spieler-Generation ein. Mit der Far Cry 3 Classic Edition holt Ubisoft diesen fiebrigen Überlebenskampf nun aus der Mottenkiste und packt mit Far Cry 3: Blood Dragon Classic Edition direkt die Antithese zum ernsten Insel-Drama obendrauf.
Wo Jason Brody zitternd durch den Schlamm kriecht, ballert sich Cyber-Commando Rex „Power“ Colt durch ein neongetränktes VHS-Ödland voller Laserdrachen, Synthwave-Bässe und herrlich platter Actionfilm-Zitate. Dieser Kontrast funktionierte damals brillant und erweitert nun das wachsende Portfolio für Nintendo Switch 2.
Beide Titel zementierten damals das Gerüst, von dem Ubisoft bis heute zehrt. Wer auf Rook Islands überleben wollte, kletterte auf Funktürme, jagte wilde Tiere für größere Munitionstaschen und säuberte feindliche Lager.
Wenn der Flammenwerfer dreht und die Checkliste nervt
Der Reiz dieser Spielwelt entfaltet sich erst, wenn die sorgfältig geplante Infiltration im Chaos versinkt. Man schleicht im hohen Gras an einen Außenposten heran, kappt lautlos das Alarmkabel und zielt mit dem Bogen auf das Schloss eines Tierkäfigs. Der befreite Leopard stürzt sich auf die Wachen, Schüsse peitschen durch das Unterholz und ein verirrter Treffer entzündet ein Benzinfass.
Plötzlich kämpft man nicht mehr gegen Piraten, sondern gegen die eigene Flammenwand.
Das dynamische Feuersystem war 2012 eine technische Wucht, doch die Kehrseite dieses Konzepts ist über die Jahre schlecht gealtert. Was damals als lebendige Spielwelt gefeiert wurde, etablierte die berüchtigte Ubisoft-Formel aus repetitiven Sammelaufgaben und Checklisten-Abarbeitung. Vor allem mit Blick auf das ungewisse Schicksal von Far Cry 7 wirkt der Rückgriff auf diese alten Mechaniken fast wie ein Eingeständnis, dass dem Konzern seither kein vergleichbarer Meilenstein mehr gelungen ist.
Ein Lückenbüßer für 2027 und Ubisofts Portierungs-Kater
Dass diese Neuauflagen erst im Frühjahr 2027 erscheinen sollen, wirft allerdings finstere Schatten auf den Veröffentlichungsplan. Wenn die beiden Titel auf der Nintendo Switch 2 aufschlagen, feiert das Hauptspiel bereits seinen 15. Geburtstag. Ein derart langer Vorlauf für zwei betagte Konsolen-Ports riecht verdächtig nach Notprogramm, weil Ubisofts Großprojekte unter internen Reibereien und Kündigungswellen leiden.
Zudem muss der Publisher beweisen, dass die technische Umsetzung diesmal sitzt. Als die Classic Edition 2018 auf früheren Plattformen landete, plagten unsaubere Deadzones der Analogsticks und zäher Input-Lag die Schusswechsel, bis endlich das Update auf die ersehnten 60 FPS nachgeliefert wurde.
Auf Nintendos neuer Hardware sind stabile Bildraten, präzise Gyro-Zielhilfen und knackige Reaktionszeiten die absolute Pflicht. Wer den vollen Preis für ein 15 Jahre altes Spiel verlangt, darf sich keine Schlampereien erlauben. Für Nintendo-Fans bleibt das Doppelpack eine willkommene Gelegenheit, zwei genreprägende Shooter nachzuholen – für Ubisoft selbst ist es vor allem ein verdammt bequemer Schutzschild gegen die eigene Release-Dürre.