Zehn Tage vor Release lüftet Bit Reactor den letzten Vorhang: Der finale Trailer zu Star Wars Zero Company zeigt erstmals die Fathom, eine Seuchen-Sekte, die Hawks und sein Söldner-Trupp aufhalten sollen. Der eigentliche Aufreger steckt aber in einer einzigen Sekunde bei Minute 1:45 – dort taucht Captain Rex auf, bekannt aus The Clone Wars, Rebels und The Bad Batch. Wie viel dieser Auftritt wirklich bedeutet, verrät der Trailer nicht, aber er zeigt, worauf Bit Reactor seine letzten Marketing-Tage verwendet.
Der Trailer: Die Fathom als Bedrohung, Rex als Blitzauftritt
Der finale Trailer beantwortet die zentrale Frage der Kampagne: Wer ist der Gegner? Die Fathom sind eine Sekte, angeführt von Kundri Fathom (gesprochen von Rekha Sharma), die eine Seuche als Waffe einsetzt – sie tötet ihre Wirte oder verleiht ihnen übermenschliche Kraft. Hawks und Zero Company sollen die Ausbreitung stoppen.
Die Infinite Coil, wie die Sekte im Spiel offiziell heißt, ist laut Bit Reactor mit den Separatisten verbündet und operiert abseits der bekannten Frontlinien der Klonkriege – ein bewusster Kontrast zu den Großschlachten aus der Animationsserie. Genau in diesem Umfeld taucht Rex auf: Für kaum eine Sekunde steht er neben Anakin Skywalker, dessen Rückkehr Matt Lanter erneut vertont, auf einem fremden Planeten. Wie groß seine Rolle in der Kampagne wirklich ausfällt, bleibt offen.
Vergleichbar könnte sie mit Anakins Auftritt ausfallen, der ebenfalls eher als Randnotiz denn als tragende Figur angekündigt wurde. Sicher ist nur: Ein derart prominenter Name sorgt kurz vor Release für genau die Aufmerksamkeit, die ein Nischengenre dringend braucht.
Zwischen XCOM-Erbe und eigenem Anspruch: Das Advantage-System
Zero Company ist im Kern ein XCOM-Erbe mit eigener Handschrift. Anstatt klassischer Fähigkeitenbäume nutzt das Spiel ein geteiltes Advantage-System: Jeder erfolgreiche Treffer füllt einen gemeinsamen Vorrat, aus dem die gesamte Truppe ihre Ultimate-Fähigkeiten bezahlt – von Granatenwürfen bis zu Tel-Reas Force-Attacken als einzige Jedi der Truppe.
Das klingt nach einem simplen Ressourcenbalken, entfaltet in der Praxis aber echten Tiefgang. Weil der Vorrat geteilt ist, wird die Reihenfolge, in der Operateure handeln, zur taktischen Kernfrage: Ein Scout sammelt Advantage durch Aufklärung, ein Soldat verbrennt sie für eine Salve, die gegnerische Trefferchance senkt – und plötzlich fehlt genau der Punkt, den die Sharpshooterin für ihren finalen Schuss gebraucht hätte. Bit Reactors Gründer Greg Foertsch war über zwei Jahrzehnte Art Director bei Firaxis und prägte die moderne XCOM-Reihe optisch entscheidend mit, ergänzt um rund fünfzehn weitere Firaxis-Veteranen im Team.
Diese Herkunft erklärt, warum Zero Company klassische Genre-Elemente wie Deckung, Höhenvorteil und Overwatch beherrscht, aber mit dem Verzicht auf Nebel des Krieges einen bewussten Bruch setzt: Wer alle Gegnerpositionen von Anfang an kennt, plant anders als in XCOM – aggressiver, kalkulierter, weniger auf Zufall angewiesen.
30 bis 40 Stunden, kein Season Pass: Was der Umfang wirklich bedeutet
Star Wars Zero Company bietet laut Lead Producer Caydence Funk eine Kampagne von 30 bis 40 Stunden für Durchschnittsspieler, ohne New Game Plus und ohne verzweigte Story-Pfade. Wer die Kampagne durchgespielt hat, beginnt keinen zweiten Durchlauf mit erfahrenem Squad – ein bewusster Verzicht auf klassische Wiederspielwert-Mechaniken.
Die häufig zitierte Zahl von über 150 Planeten meint dabei nicht bespielbare Welten, sondern Einträge auf einer strategischen Galaxiekarte, auf der Spieler zwischen Missionen Operationen im Stil eines Entscheidungsspiels abwickeln. Tatsächlich betretbar sind laut EA-FAQ „über ein Dutzend“ handgefertigte Planeten für die eigentlichen taktischen Gefechte – der Unterschied zwischen Strategiekarte und Spielwelt ist erheblich und wurde im Vorfeld nicht immer sauber kommuniziert.
Bei den Operations-Aktionen bleibt Bit Reactor auch bei der Zukunft ehrlich: Auf die Frage nach Post-Launch-Inhalten verweist das Studio bislang lediglich auf den Launch-Umfang, ohne Season Pass oder Mikrotransaktionen anzukündigen. Die Preise fallen entsprechend moderat aus: 49,99 Euro für die PC-Standard-Edition, 59,99 Euro auf Konsolen, dazu eine Deluxe-Stufe mit drei kosmetischen Skin-Paketen sowie eine Collector’s Edition für 299,99 Euro mit physischem Thermaldetonator-Replikat, dessen offizielle Preise EA auf der eigenen Vorbestellerseite bestätigt.
Ein Projekt in unruhigen Zeiten bei Respawn
Was im Trailer selbst nicht zur Sprache kommt, gehört trotzdem zur vollständigen Geschichte: Zero Company ist eines der letzten großen Projekte, die Vince Zampella persönlich mit auf den Weg brachte. Der Respawn-Mitgründer, der Bit Reactor laut eigener Aussage von Greg Foertsch überzeugte, mit einer Star-Wars-IP statt einem neuen Franchise zu starten, starb im Dezember 2025 bei einem Autounfall. Das Spiel erscheint damit posthum als Teil seines Vermächtnisses – ohne dass EA oder Bit Reactor das im Marketing thematisieren.
Bemerkenswert ist zugleich, wie sehr sich Zero Company von den aktuellen Krisenjahre unterscheidet, die die parallel entwickelte Jedi-Reihe gerade durchlebt: Weil Bit Reactor als externes Studio nur in Kollaboration mit Respawn arbeitet, blieb Zero Company von Director-Abgang, Entlassungswellen und gestrichenen Projekten bei Respawn selbst weitgehend verschont. Diese strukturelle Distanz könnte am Ende der entscheidende Unterschied sein, warum ein Studio ohne veröffentlichten Titel pünktlich liefert, während die Jedi-Fortsetzung ohne bestätigten Regisseur dasteht.
