Erst war da Maverick – ein Extraction-Shooter, der die Open World Reihe radikal umkrempeln sollte. 72 Stunden Zeitlimit. Waffen-Haltbarkeit. PvEvP in Alaska. Jetzt ist Maverick Geschichte. Aber was daraus entsteht, heißt Kodiak – und klingt verdächtig nach dem Far Cry, das viele vermisst haben. Wir haben die Details.
Mavericks Ende – und was davon übrig bleibt
Maverick war nie als Far Cry im klassischen Sinne gedacht. Ein eigenständiger Multiplayer-Ableger, der die Extraction-Shooter-Welle reiten sollte – mit einem Countdown, in dem Spieler sechs Familienmitglieder aus einem Kult retten müssen. Der Leak damals zeigte schon, wie riskant dieser Serienbruch war. Extraction-Loops und Zeitdruck sind das Gegenteil von dem, was Far Cry ausmacht: entspanntes Erkunden, offene Karte, eigenes Tempo.
Jetzt bestätigt ein Report von Insider Gaming: Maverick ist tot. Die Extraction-Mechaniken wurden gestrichen. Aber das Setting bleibt. Alaska bleibt. Die Grundlagen – die Map, die Fauna, die Atmosphäre – fließen in ein neues Projekt mit dem Codenamen Kodiak.
Und Kodiak klingt anders. Laut Report soll es auf „player interactions und player-driven stories“ setzen. Emergentes Storytelling statt Countdown. Offene Welt statt Extraktions-Zwang. Das erste Mal seit Langem klingt ein neues Far Cry wieder nach Freiheit – nicht nach Druck.
Emergent Storytelling statt Extraction-Zwang
Was genau „emergent storytelling“ bei Ubisoft bedeutet, ist die Frage. Der Begriff ist schillernd – und wurde in der Branche schon für alles Mögliche verwendet. Im Fall von Kodiak beschreibt er wohl ein System, in dem die Spielerinteraktionen selbst die Geschichten erzeugen, statt sie vorgegeben zu bekommen. Keine Skript-Kaskade, sondern eine Welt, die auf das reagiert, was der Spieler tut.
Das wäre neu für Far Cry. Die Reihe lebte bisher von inszenierten Bösewicht-Momenten – Vaas, Joseph Seed, Antón Castillo – und linearer Story. Kodiak würde dieses Prinzip umdrehen: Die Welt erzählt, nicht das Drehbuch.
Ob das gelingt, ist völlig offen. Das Projekt hat gerade erst die Konzeptphase verlassen. Ein Release liegt Jahre entfernt. Aber die Richtung stimmt. Nach Jahren, in denen Ubisoft Far Cry in immer engere Mechaniken zwängen wollte, klingt Kodiak nach einer Befreiung.
Zwei Projekte und eine Krise – was Kodiak über Ubisoft verrät
Gleichzeitig zeigt die Geburt von Kodiak etwas Unangenehmes: Ubisoft hat Jahre mit Maverick verbracht – einem Projekt, das jetzt komplett umgeworfen wird. Das ist kein Einzelfall. Der Publisher hat in den letzten Jahren ganze Studios geschlossen und über 3.600 Mitarbeiter entlassen. Die Entwicklungskrise bei Far Cry ist System, nicht Ausnahme.
Guillemot hatte im Februar von zwei vielversprechenden Projekten gesprochen. Eins davon war Maverick. Es ist jetzt Geschichte. Das andere? Unklar. Dass Kodiak erst aus den Trümmern von Maverick entstehen kann, zeigt: Ubisoft tastet sich im Dunkeln voran. Projekte werden gestartet, verworfen, neu aufgesetzt. Unter dem Druck der Krise wird Entscheidungsfindung zum Luxus.
Dass Kodiak wieder das will, was Far Cry groß gemacht hat, ist richtig. Aber die Frage ist, ob das Team, das Maverick gebaut hat, noch die Ruhe und das Vertrauen hat, ein klassisches Open World Spiel zu liefern. Denn, die Leute, die Maverick entwickelt haben, sind zum Teil nicht mehr da.