Wenn eine Studioleitung ihren Programmierern verbietet, noch eine einzige Zeile Code von Hand zu schreiben, brennt intern meistens schon die Hütte lichterloh. Ausgerechnet bei seinem geheimen Marvel- und Star-Wars-Projekt zieht Epic Games jetzt die Notbremse und verschiebt den Start auf unbestimmte Zeit. Statt erfahrener Entwickler sollen künftig Prompts und generative Sprachmodelle das Fundament zimmern – während die eigene Belegschaft bereits offen über den Kurs spottet.
Disneys Milliardenprojekt verfehlt den internen Zeitplan
Hinter verschlossenen Türen brodelt es gewaltig im gemeinsamen Großprojekt von Epic Games und dem Unterhaltungskonzern. Nach aktuellen Recherchen von Bloomberg verfehlt der intern für März anvisierte Mehrspieler-Shooter sein Zeitfenster komplett und wandert auf unbestimmte Zeit in die Warteschleife. Das Konzept orientiert sich spielerisch an Extraction-Vorbildern wie ARC Raiders und schickt Teams mit bekannten Figuren aus Star Wars und Marvel in feindliche Zonen. Bereits frühe Testfassungen des Titels ernteten im Frühjahr nur mäßige interne Resonanz.
Die Verzögerung wiegt schwer, weil Disney Anfang 2024 satte 1,5 Milliarden US-Dollar in Epic pumpte, um ein persistentes Universum eng an Fortnite anzudocken. Anstatt schnelle Erfolge abzuliefern, unterschätzte die Studioleitung den nötigen Entwicklungsaufwand und die benötigte Teamstärke fundamental. Das Management reagierte bereits vor Monaten auf den Druck und schaufelte Ressourcen von anderen Ideen ab. Disney reagiert laut Insidern zunehmend ungeduldig auf den schleppenden Zeitplan der Partner.
Dieser Personalmangel kommt mit Ansage. Vor nicht allzu langer Zeit musste Epic Games über 1.000 Entwickler entlassen, als das Fortnite-Wachstum unerwartet einbrach und die Kriegskasse schrumpfte. Dieser personelle Kahlschlag von rund 16 Prozent der Belegschaft rächt sich nun an Großproduktionen, die hunderte erfahrene Spezialisten für Netcode, Leveldesign und Waffen-Balancing verlangen. Wer Studios ausdünnt, kann komplexe Koop-Welten nicht plötzlich im Vorbeigehen aus dem Boden stampfen.
Entwickler spotten über den neuen Promptzwang
Um den drohenden Stillstand abzuwenden, greift die Studioleitung zu einer Maßnahme, die in Entwicklerkreisen für fassungsloses Kopfschütteln sorgt. Eine interne Anweisung eines Game Directors verbietet handgeschriebenen Programmcode für das Disney-Projekt und verordnet stattdessen die Arbeit mit generativen KI-Modellen wie Claude von Anthropic. Sämtliche Grafiken und Texturen sollen über automatisierte Workflows entstehen, statt von Zeichnern und 3D-Künstlern modelliert zu werden. Das Management will menschliche Handarbeit durch reine Eingabeaufforderungen ersetzen.
Die Belegschaft begegnet diesem Kurs mit offenem Galgenhumor und handfesten Zweifeln an der Umsetzbarkeit. Mitarbeiter witzeln laut Bloomberg bereits darüber, ob man Claude bitten solle, die eigenen Halluzinationen und Fehler im Spielcode eigenständig zu reparieren.
Viele Programmierer hoffen auf ein Einlenken der Führung, da künstlich erzeugter Code in komplexen Multiplayer-Architekturen notorisch unberechenbar agiert. Epics Kommunikationschef Jake Jones verteidigt das Vorgehen und betont, man setze auf KI-beschleunigte Entwicklung, bei der menschliche Entwickler weiterhin die kreativen Visionäre und Treiber blieben.
Dieser radikale Schwenk vertieft die Kluft zwischen Management und Handwerk. Erst kürzlich markierte der Abgang von Engine-Veteranen wie Sjoerd De Jong das Ende einer Ära, in der technisches Feingefühl den Ton angab. Gleichzeitig sieht der Fahrplan für Unreal Engine 6 zwar offene Schnittstellen für KI-Tools vor, doch der Versuch, ein komplettes Spiel ohne manuelle Code-Zeilen zu erzwingen, gleicht einem Blindflug. Wer Entwickler zu reinen Prompt-Kuratoren degradiert, riskiert generischen Einheitsbrei statt spielerischer Raffinesse.
Der riskante Technologieumbau gefährdet Disneys Milliardeninvestition
Nach außen versucht Epic-Chef Tim Sweeney die Flucht nach vorn und verkauft das Experiment als technologischen Quantensprung. In einem Statement auf X erklärt Sweeney, man ziehe Entwickler für eine maximale KI-Beschleunigung zusammen. Ziel sei es nicht, dieselbe Arbeit mit weniger Leuten zu erledigen, sondern jedem Team zu ermöglichen, mehr und bessere Inhalte zu erschaffen. Für Spieler klingt diese Rechtfertigung nach hektischer Schadensbegrenzung, um den internen Verzug vor Geldgebern zu kaschieren.
Für Disney steht bei diesem Experiment eine gewaltige Summe auf dem Spiel. Im Rahmen der milliardenschweren Partnerschaft mit Disney flossen 1,5 Milliarden Dollar in den Fortnite-Schöpfer, um Marvel und Star Wars langfristig im virtuellen Raum zu verankern. Wenn Figuren wie Darth Vader oder Iron Man in einem fehlerhaften Bot-Projekt landen, leidet der Ruf des gesamten Medienhauses. Disneys Geduldsfaden ist kurz, und der Konzern scheut sich nicht davor, unrentable Kooperationen bei anhaltendem Misserfolg einzustampfen.
Auf Konsolen und dem PC entscheiden am Ende das Treffer-Feedback, die Server-Stabilität und die spielerische Identität über Leben und Tod eines Mehrspieler-Titels. Ein Release-Termin für den Disney-Shooter existiert nach der internen März-Verschiebung nicht mehr, und offizielle Plattformen nennen die Partner bisher nicht. Sollte Epic Games diesen Titel als reines KI-Experiment auf den Markt werfen, droht den Spielern genau jene seelenlose Beliebigkeit, die schon andere Live-Service-Hoffnungen begrub. Packendes Gameplay entsteht durch menschliches Gespür für Spielmechanik, nicht durch Prompts auf Knopfdruck.