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Destiny 2: Renegades
Games

Destiny 3 Petition mit 190.000 Unterschriften übertrifft Marathons Spielerzahlen – doch die Realität ist komplizierter

190.000 Leute haben eine Destiny-3-Petition unterschrieben – mehr als jemals gleichzeitig Marathon spielten. Aber Unterschriften sind keine Spieler, und Sony trifft keine Milliarden-Entscheidungen per Change.org.

Max Wollersberger
von Max Wollersberger
27.05.26
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Lesezeit: 4 Min.
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Eine Change.org-Petition für Destiny 3 hat in zwei Tagen fast 190.000 Unterschriften gesammelt. Die Community feiert das als Triumph über Marathons Spielerrekord – mehr Unterschriften als jemals Spieler gleichzeitig im Extraction-Shooter unterwegs waren. Aber dieser Vergleich ist methodischer Unsinn, und die Realität sieht düster aus: Bungie bereitet die nächste Entlassungswelle vor, Sony hat Milliarden abgeschrieben, und Destiny 3 existiert nicht einmal auf dem Reißbrett.

Das steckt im Artikel
  • Fast 190.000 Unterschriften – aber zählt das wirklich?
  • Warum Destiny 3 trotzdem unwahrscheinlich ist
  • Marathon als Indikator: Wie Bungie die Richtung verliert
  • Der 9. Juni als letzter Tanz für Destiny 2

Fast 190.000 Unterschriften – aber zählt das wirklich?

Die Petition auf Change.org fordert Sony dazu auf, Bungie mit der Entwicklung von Destiny 3 zu beauftragen. Mit 190.000 Unterschriften hat sie tatsächlich eine beeindruckende Zahl erreicht – genug, um den geschätzten Höchststand gleichzeitiger Marathon-Spieler (rund 132.000 bis 150.000) zu übertreffen. Ein cleverer Vergleich, den die Rohdaten liefern, der aber auch eine unbequeme Wahrheit offenbart.

Denn 190.000 Unterschriften klingen nach einer riesigen Bewegung – aber relativ zur Gesamtspielerbasis von Destiny 2 sind sie ein Tropfen auf den heißen Stein. Bungie selbst hat die Zahl von über 40 Millionen registrierten Guardian genannt. 190.000 Petitions-Stimmen entsprechen also gerade einmal 0,475 Prozent der Spieler – eine laute, leidenschaftliche Minderheit, aber kein flächendeckender Aufstand.

Gaming-Petitionen haben außerdem eine gemischte Erfolgsbilanz. Die „Sonic the Hedgehog“-Petition für den Film-Redesign (über 250.000 Unterschriften) hatte tatsächlich Einfluss – weil Paramount das finanzielle Risiko eines schlecht aussehenden Sonic erkannte. Die „Battlefront 2″-Petition gegen Lootboxen (über 100.000 Unterschriften) verpuffte dagegen wirkungslos – erst der regulatorische Druck aus Belgien und den Niederlanden zwang EA zum Umdenken. Das zeigt: Petitionen wirken nur, wenn sie konkrete wirtschaftliche Hebel bedienen.

Und ein Destiny 3 ist ein extrem teurer Hebel. Sony hat Bungie für 3,6 Milliarden Dollar gekauft. Ein Triple-A-Live-Service-Titel dieser Größenordnung würde mindestens 150 bis 200 Millionen Dollar Entwicklungsbudget verschlingen – über mehrere Jahre. Ob 190.000 Unterschriften da den CFO von Sony beeindrucken, ist fraglich.

Warum Destiny 3 trotzdem unwahrscheinlich ist

Die harte Realität sieht so aus: Bungie hat kein Destiny 3 in Produktion. Das hat das Studio mehrfach dementiert. Stattdessen zeichnet sich ein düsteres Bild ab:

  • Massive Layoffs: Bungie hat bereits mehrere Entlassungswellen hinter sich. Gerüchte über eine weitere große Kündigungswelle verdichten sich.
  • Management-Krise: Interne Quellen berichten von einem zerrütteten Verhältnis zwischen Entwicklern und Führungsetage.
  • Plagiatsvorwürfe: Marathon musste sich bereits Vorwürfe stellen, Designs von anderen Spielen kopiert zu haben – ein Imageschaden für das Studio.
  • Tiger Engine als Altlast: Die Destiny-eigene Tiger Engine ist eine stark modifizierte Halo-Engine-Variante und technisch in die Jahre gekommen. Ein Destiny 3 bräuchte entweder eine Engine-Migration (Unreal Engine 5?) oder eine grundlegende Überholung – beides kostspielig und zeitaufwendig.
  • Destiny 2 schrumpft: Seit dem The Final Shape-Höhepunkt hat Destiny 2 kontinuierlich Spieler verloren. Der finale Content-Drop im Juni 2026 markiert nicht einen plötzlichen Tod, sondern das Ende eines langen, schleichenden Niedergangs.

Selbst wenn Sony grünes Licht geben würde – wer soll Destiny 3 entwickeln? Die Belegschaft von Bungie ist nach den Layoffs ausgedünnt, Marathon bindet Ressourcen, und die verbliebenen Destiny-Entwickler arbeiten am finalen Update. Ein Studio in dieser Verfassung stemmt kein neues Flagschiff.

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Marathon als Indikator: Wie Bungie die Richtung verliert

Die Rohdaten liefern einen interessanten Seitenhieb: Marathon hat auf Steam maximal 88.337 gleichzeitige Spieler erreicht. Hochgerechnet auf Konsolen (geschätztes 2:1-Verhältnis) sind das rund 132.000 bis maximal 150.000 Spieler – die Obergrenze, die die Destiny 3-Petition mit 190.000 Unterschriften jetzt übertrifft.

Zum Vergleich: Escape from Tarkov (der Urvater des Extraction-Shooter-Genres) erreicht regelmäßig über 150.000 gleichzeitige Spieler, Hunt: Showdown (der nächstbeste Konkurrent) liegt bei etwa 45.000. Marathon liegt also irgendwo im Mittelfeld – kein Flop, aber weit entfernt vom erhofften Blockbuster-Status, den Bungie mit Destiny gewohnt war.

Das erklärt auch, warum die Destiny-Community so verunsichert ist: Bungie hat mit Marathon nicht die Lücke gefüllt, die Destiny hinterlässt. Stattdessen teilt das Studio seine geschrumpften Ressourcen zwischen einem schrumpfenden Live-Service-Titanen (Destiny 2), einem mittelmäßig gestarteten Extraction-Shooter (Marathon) und einem nicht existierenden Destiny 3 auf.

Der 9. Juni als letzter Tanz für Destiny 2

Trotz aller Skepsis: Die Petition zeigt, wie tief die Verbindung zwischen der Destiny-Community und ihrem Spiel ist. Und die Community plant etwas Besonderes: Am 9. Juni, wenn das finale Update live geht, sollen sich möglichst viele Spieler gleichzeitig einloggen – um Destiny 2 noch einmal gemeinsam zu verabschieden, die Server zu füllen und den Entwicklern zu zeigen, dass dieses Spiel mehr war als nur ein Live-Service-Produkt.

Selbst die Entwickler scheinen den Ernst der Lage zu spüren. Vergangenes Wochenende hinterließen sie eine Nachricht über Xur, die viele Fans als stillen Abschiedsgruß interpretierten – ein „Danke“ an eine Community, die zehn Jahre lang durch Höhen und Tiefen mitgegangen ist.

Ob Destiny 3 jemals kommt, ist offen. Aber der 9. Juni wird ein emotionaler Tag – unabhängig davon, ob die Petition etwas bewirkt oder nicht. Vielleicht ist das der wahre Wert dieser Unterschriften: Nicht, ein Spiel zu erzwingen, sondern zu zeigen, dass dieses Spiel existiert hat. Dass es für fast 200.000 Menschen so wichtig war, dass sie ihren Namen dafür hergegeben haben.

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vonMax Wollersberger
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Heavy Music, schnelle Bikes und Sport sowieso – da ich auch im Jahre des Herren 1986 geboren wurde und da auch der NES in Europa das Licht erblickte, war die Konsequenz des Zockens logisch. Da ich auch an verbaler Inkontinenz leide, sind PixelCritics sowie earshot.at perfekte Orte um mein Interesse am Journalismus auszuleben.
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