Destiny 2 ist seit über acht Jahren auf dem Markt, bekommt keine neuen Inhalte mehr und wurde von Bungie offiziell in den Wartungsmodus geschickt. Trotzdem spielen auf Steam fast zehnmal so viele Leute den Looter-Shooter wie Marathon, den brandneuen Extraction-Shooter desselben Studios. Ein Armutszeugnis für Bungies Hoffnungsträger – und eine peinliche Bilanz für den $3,6-Milliarden-Deal, mit dem Sony das Studio 2022 übernahm.
Destiny 2: 34.735 Spieler | Marathon: 3.671.
Die nackten Steam-Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Laut SteamDB verzeichnet Destiny 2 aktuell rund 35.000 aktive Spieler, während Marathon bei 3.671 dümpelt. Das ist nicht nur ein Faktor 10 – es ist eine komplette Umkehr dessen, was Bungie und Sony sich vorgestellt haben müssen, als sie Destiny 2 im Mai 2026 für beerdigt erklärten und alle Ressourcen auf Marathon konzentrierten.
Dabei ist die Relation besonders bitter: Destiny 2 liegt im Schnitt der letzten 30 Tage bei etwa 18.000 Spielern – kein Ruhmesblatt, aber Marathon erreicht selbst diesen Wert nicht. Marathons Allzeit-Peak von 88.337 gleichzeitigen Steam-Spielern zum Launch am 5. März 2026 liegt zudem weit unter Destiny 2s Bestwert von 316.750 Spielern vom Februar 2023 – dem Höhepunkt der Lightfall-Erweiterung.
Vom Launch-Hoffnungsträger zum Sorgenkind in vier Monaten
Marathon startete mit soliden Kritiken – IGN nannte den Extraction-Shooter „brutal, unnahbar und jeden Moment der Hölle wert“ –, aber die Spieler blieben nicht. Der Peak von über 88.000 Spielern schrumpfte innerhalb weniger Monate auf einen Bruchteil. Zwischenzeitlich sorgte ein PvE-Update für einen kurzen Ausschlag auf knapp 15.000 Spieler, doch der Effekt verpuffte so schnell, wie er gekommen war.
Dass Marathon ein Premium-Titel ist und Destiny 2 Free-to-play, erklärt den Unterschied nur zum Teil. Auch der Plattform-Vergleich hinkt: Beide Spiele laufen auf PC, PS5 und Xbox Series X/S, Destiny 2 zusätzlich auf PS4 und Xbox One. Die Schätzungen für Marathon auf Konsolen sind sogar noch düsterer – Analysten gehen davon aus, dass der Titel sich auf PS5 und Xbox schlechter verkauft hat als auf PC.
Das Destiny 2 Ende, das keiner wollte
Am 21. Mai 2026 verkündete Bungie offiziell, dass Destiny 2 am 9. Juni sein letztes Live-Service-Content-Update erhält. Das Spiel bleibt online und spielbar, aber neue Season-Pässe, Erweiterungen oder Aktivitäten gibt es nicht mehr. Kein Destiny 3, kein Nachfolger – nur die vage Ankündigung, dass Bungie sich jetzt voll auf Marathon konzentriert.
Die Rechnung war simpel: Destiny 2 hat seine beste Zeit hinter sich, Marathon soll das nächste große Live-Service-Standbein werden. Vier Monate später ist klar: Diese Rechnung geht nicht auf.
292 Entlassungen, ein dritter Game Director und ein ratloses Sony
Die Spirale aus Fehlentscheidungen beschleunigte sich im Sommer 2026 dramatisch. Ende Juni entließ Bungie 292 Mitarbeiter – der Großteil des verbliebenen Destiny 2 Teams. Sony bestätigte in einem offiziellen Blogbeitrag, dass „die meisten Mitglieder des Destiny-Teams und einige Marathon-Entwickler“ betroffen seien. Es war bereits die dritte Entlassungswelle in drei Jahren.
Kurz darauf verlor Marathon seinen dritten Game Director in zwei Jahren – ein Alarmsignal, das selbst Außenstehenden die Dysfunktionalität des Projekts vor Augen führte. Sony verbuchte unterdessen eine Wertminderung von $765 Millionen auf die Bungie-Akquisition. Von den $3,6 Milliarden Kaufpreis ist real ein massiver Batzen abgeschrieben.
Was jetzt, Bungie?
Bungie hat weitere Marathon-Updates und -Season-Pässe in der Pipeline. Die Hoffnung: Mit genug Content dreht sich das Blatt, ähnlich wie es No Man’s Sky oder Final Fantasy 14 vorgemacht haben. Der Unterschied: Beide Spiele hatten eine klare Vision und ein Studio, das geschlossen dahinterstand. Marathon hingegen verliert Führungskräfte, Entwickler und Spieler gleichermaßen.
Eine Petition für Destiny 3 sammelte unterdessen tausende Unterschriften – mehr als Marathon jemals gleichzeitig Spieler auf Steam hatte. Symbolpolitik, ja. Aber auch ein Indikator, wohin die Nachfrage tatsächlich zeigt. Dass Sony diese Zeichen ignoriert und Bungie beim letzten Server Slam der Community im Juli 2026 nicht einmal würdigte, rundet das Bild einer völlig entkoppelten Konzernstrategie ab.


