Ghost Recon-Fans warten seit dem enttäuschenden Breakpoint 2019 auf einen Neustart. Der kam nie. Stattdessen sickern jetzt Details durch, die das nächste Kapitel der Reihe in deutlich düstererem Licht zeigen: Project Ovr – so der Codename – soll seinen Umfang massiv verloren haben, die erste Alphaversion war offenbar ein Desaster. Und Ubisoft schickt das Team angeblich in wochenlange Crunch-Arbeit, um die Beta im November noch zu retten.
Ghost Recon Ovr kämpft mit verfehlten Alpha-Zielen und massiven Rückschlägen
Insider Gaming berichtet von Quellen aus dem Projektumfeld, deren Einschätzung vernichtend ausfällt. Der Umfang des Spiels sei regelrecht „cut and greatly reduced“ gewesen – also radikal eingedampft und um zahlreiche Funktionen beraubt. Und das ist nicht der einzige Alarmruf. Die Alphaversion, die im Frühjahr 2026 intern getestet wurde, war laut mehreren Beteiligten nicht einmal ansatzweise stabil. Intern sei der Zustand als „terrible“ bezeichnet worden – eine Wortwahl, die in Projektkommunikation dieser Größenordnung fast schon einem Hilfeschrei gleichkommt.
Die Konsequenz: Ubisoft hat die Notbremse gezogen, Features gestrichen, den Scope verkleinert und peilt nun den November für eine geschlossene Beta an. Dass zwischen einer desaströsen Alpha und einer Beta nur wenige Monate liegen, dürfte selbst Optimisten Sorgen bereiten.
Zwischen Vorschlag und Ablehnung: Wie Ubisofts Führung die Entwicklung ausbremst
Das allein wäre schon beunruhigend genug. Doch der Bericht zeichnet ein tieferes Problem. Der Ghost Recon Over-Artikel hatte bereits im Juni offengelegt, dass das Team alternative Produktionspläne vorschlug – und die Ubisoft-Zentrale sie ablehnte. Die aktuellen Insider-Infos bestätigen dieses Muster: Die Führungsebene greift nicht korrigierend ein, während das Projekt gegen die Wand fährt.
Die Folge ist ein Team, das laut Bericht mit „langen Crunch-Tagen“ rechnet, um die selbst gesetzten Deadlines überhaupt noch zu erreichen. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Ubisoft-Studioschließungen – zuletzt Winnipeg, Belgrad und die faktische Auflösung von Red Storm Entertainment – wirkt die Belastung für die verbliebenen Teams noch drastischer.
Nach Breakpoint: Eine Serie auf der Suche nach sich selbst
Ghost Recon Breakpoint erschien 2019, wurde von der Presse verrissen (56 auf Metacritic) und von Spielern mit einem User Score von 2,2 abgestraft. Der Support wurde längst eingestellt. Sieben Jahre später hat die Serie immer noch keinen Nachfolger. Dabei wäre der Bedarf da: Ein düsterer, taktischer Squad-Shooter, der wieder stärker auf die Wurzeln der Reihe setzt – genau das hatte Ubisoft für Ovr versprochen.
Doch die Realität sieht anders aus. Statt eines klaren Neuanfangs erlebt Ghost Recon eine Wiederholung der Breakpoint-Fehler: schlechtes Projektmanagement, überambitionierte Deadlines und ein Publisher, der parallel massiv Personal abbaut und gleichzeitig von den verbleibenden Teams Unmögliches verlangt.
Was von Ghost Recon Ovr noch übrig bleibt
Dass Ubisoft die Beta für November 2026 anpeilt, ist einerseits ein gutes Zeichen: Das Projekt ist nicht tot, es wird weiterentwickelt. Andererseits wirft die Streichung „vieler Features unterschiedlicher Größe“ die Frage auf, was am Ende tatsächlich übrig bleibt. Ein taktischer Shooter lebt von seinen Systemen – KI, Squad-Commands, Missionsdesign. Wenn genau diese Elemente dem Rotstift zum Opfer fallen, bleibt vielleicht nicht mehr viel von dem, was Ghost Recon ursprünglich ausmachte.
Sollte der Release tatsächlich 2026 oder Anfang 2027 gelingen, wird sich zeigen, ob Ubisoft aus den Breakpoint-Fehlern gelernt hat – oder ob Ghost Recon Ovr der nächste Beleg für einen Publisher ist, der seine eigenen Projekte nicht mehr im Griff hat.