Uppercut Games hat auf dem Xbox Games Showcase 2026 einen echten Überraschungstreffer gelandet. Das australische Studio, das die meisten Spieler höchstens als Co-Entwickler von Subnautica: Below Zero auf dem Schirm haben, packt mit Magicians: The Devil’s Deal eine brandneue IP aus – und die trifft mitten ins Herz der Spieler, die sich seit Dishonored nach einem Magie-Shooter mit viktorianischem Flair sehnen. Das Beste daran: Der Titel erscheint 2027 für PC, Xbox Series X|S und PlayStation 5 und steigt ab dem ersten Tag in den Xbox Game Pass ein. Ein kalkulierter Schachzug, der einem unbekannten Studio schlagartig Millionen potenzieller Spieler öffnet.
Wenn Bühnenmagie plötzlich tödlich wird
Die Prämisse klingt wie ein Fiebertraum irgendwo zwischen Christopher Nolans „The Prestige“ und einem Arkane Studios Klassiker: Jacob Menteuro, ein begnadeter Bühnenmagier, wird von seinen Rivalen – den sogenannten Meistern – verraten und direkt in die Hölle verbannt. Kurz bevor sein Schicksal besiegelt scheint, taucht der Teufel persönlich auf und bietet ihm einen verlockenden Deal: echte übernatürliche Kräfte im Austausch für seine Seele.
Mit diesem teuflischen Pakt im Rücken zieht Jacob durch Theatreland, ein albtraumhaft verzerrtes Spiegelbild des viktorianischen Londons. Jeder Bezirk wird von einem Meister beherrscht, den es zu besiegen gilt. Die Belohnung: neue Fähigkeiten, die den einstigen Bühnenkünstler Stück für Stück zur wandelnden Waffe machen.
Focus Entertainment, das bereits mit Atomic Heart und A Plague Tale ein Händchen für atmosphärisch dichte Einzelspielererlebnisse bewiesen hat, setzt mit Magicians ganz bewusst auf erzählerische Tiefe statt auf Live-Service-Gedöns. Das ist angesichts der aktuellen Branchenlage ein fast schon radikaler Schritt – und einer, der genau den richtigen Nerv treffen könnte.
Karten als Klingen, Ketten als Fesseln
Was den Ego Shooter von der Konkurrenz abhebt, sickert aus ersten Gameplay-Beschreibungen durch: Bühnenmagie ist hier nicht bloß visuelles Beiwerk, sondern das zentrale Kampfwerkzeug. Spielkarten verwandeln sich in rasiermesserscharfe Projektile, Ketten fesseln Gegner an Ort und Stelle und die Schwerkraft selbst wird zur manipulierbaren Waffe.
Die Entwickler versprechen ein offenes System, bei dem sich Fähigkeiten frei kombinieren lassen sollen:
- Spielkarten als tödliche Wurfgeschosse
- Ketten zum Fesseln und Heranziehen von Feinden
- Manipulation der Schwerkraft für vertikale Kampfführung
- Bosskämpfe gegen einzigartige Meister mit eigenen Fähigkeiten
PushSquare bringt den Vergleich pointiert auf den Punkt: „Stell dir BioShock vor, aber statt Plasmiden wirfst du mit Houdini-Tricks um dich.“ Wer die kreativen Kampfoptionen von Dishonored mochte – vom Rattenbeschwören bis zum Zeitstopp – dürfte hier genau die richtige Spielwiese finden.
Die entscheidende Frage ist allerdings, ob Uppercut Games die spielerische Tiefe liefern kann, die dieses Konzept verlangt. Das Studio hat mit City of Brass zwar bereits ein First Person Roguelike abgeliefert, das solide, aber kein Genre-Meilenstein war. Der Sprung vom kleinen Indie-Projekt zu einem vollwertigen narrativen Actionspiel mit Publisher-Unterstützung ist gewaltig.
Ex-BioShock-Entwickler mit etwas zu beweisen
Hinter Uppercut Games stecken Ex-BioShock-Entwickler, die bei Irrational Games an der legendären Shooter-Reihe mitgearbeitet haben. Gegründet 2011 von Ed Orman, Andrew James und Ryan Lancaster, hat sich das australische Studio mit Titeln wie Epoch (Mobile), Submerged (Stadia/PC) und eben City of Brass eine solide, aber wenig glamouröse Reputation aufgebaut.
Die Zusammenarbeit mit Focus Entertainment markiert einen klaren Karrieresprung. Vincent Chataignier, Deputy CEO bei Focus, spricht von einer „einzigartigen kreativen Vision“ – ein Satz, den Publisher gerne ins Mikrofon nuscheln, der hier aber durch die Ex-BioShock-DNA des Teams eine Spur mehr Gewicht bekommt. Immerhin: Wer gelernt hat, wie man Spieler mit Atmosphäre und Environmental Storytelling in den Bann zieht, bringt das richtige Rüstzeug für ein Projekt wie Magicians mit.
Trotzdem bleibt die Ankündigung mit Vorsicht zu genießen. Der Trailer ist „fast“ reines CGI, Gameplay-Szenen sickern nur spärlich durch. Ein Release im nebulösen „2027″ ohne Quartalsangabe deutet auf ein Projekt, das noch reichlich Entwicklungszeit vor sich hat.
Der Game Pass als kluger Schutzschirm
Der strategisch interessanteste Aspekt der Ankündigung ist die Game Pass Day One Integration plus Xbox Play Anywhere Support. Für ein Studio ohne nennenswerte Fanbase und eine komplett neue IP ist das ein klug aufgespannter Sicherheitsschirm. Selbst wenn der Titel bei den Verkaufszahlen enttäuscht, garantiert der Microsoft-Deal eine Grundfinanzierung und maximale Sichtbarkeit.
Focus Entertainment folgt damit einer bewährten Logik: Bereits A Plague Tale: Requiem und Atomic Heart profitierten massiv vom Game Pass als Sprungbrett. Dass Magicians parallel auf PlayStation 5 erscheint, zeigt zudem, dass es sich nicht um einen Exklusivdeal handelt – Sony-Spieler gehen also nicht leer aus. Microsoft hat lediglich den besseren Vermarktungs-Slot auf dem Showcase und das Abo-Argument auf seiner Seite.
