Masato Kumazawa hat in den vergangenen Monaten viel Grund zur Freude gehabt. Der Producer von Resident Evil Requiem verfolgte, wie sein Spiel weltweit Rekorde brach. Fast sieben Monate nach dem Release am 27. Februar 2026 liegt nun eine Zahl auf dem Tisch, die diese Freude in harte Währung übersetzt: 500 Millionen US-Dollar Umsatz, geschätzt von Alinea Analytics. Kein Resident Evil hat diese Marke je schneller erreicht. Und der nächste Rekord wartet schon.
Vom Rekord zum Rekord
Die Zahl von Alinea Analytics setzt eine Serie an Bestmarken fort, die Capcom seit dem Launch im Februar feiert. Bereits fünf Tage nach dem Release waren fünf Millionen Einheiten verkauft; nach 17 Tagen vermeldete der Publisher in einer offiziellen Capcom-Mitteilung die Marke von sechs Millionen Exemplaren – damals der schnellste Serienteil, der diesen Wert erreichte. Bis Ende April kletterte die Zahl auf sieben Millionen, im Juli auf acht Millionen. Ein Sprecher von Capcom hatte bereits im März bestätigt, dass sechs Millionen Einheiten in den ersten 17 Verkaufstagen einen Franchise-Rekord bedeuten.
Auf Steam untermauern die Spielerzahlen den Erfolg: 334.214 gleichzeitige Nutzer verzeichnete die Plattform am Launch-Wochenende – fast dreimal so viel wie der bisherige Serienrekordhalter Resident Evil 4 Remake. Die Community feierte den Titel mit einem User-Score von 9,5 auf Metacritic und stürmte damit die Spitze der besten nutzerbewerteten Spiele.
Was 500 Millionen über Capcoms Strategie verraten
Die nackte Zahl von 500 Millionen US-Dollar ist beeindruckend – aber sie erzählt erst dann eine Geschichte, wenn man sie ins Verhältnis setzt. Resident Evil 4 Remake, bislang der Umsatzkönig der Serie, steht nach drei Jahren bei über 600 Millionen Dollar. Requiem hat also in gut sieben Monaten fast das geschafft, wofür der Vorgänger drei Jahre brauchte. Die Alinea-Analytics-Schätzung geht davon aus, dass Requiem den RE4-Remake-Umsatz „mit Sicherheit überflügeln wird, wenn alles gesagt und getan ist“.
Der Umsatz verteilt sich ungleichmäßig über die Plattformen. Die PlayStation 5 bleibt mit 48,1 % der 8,5 Millionen verkauften Einheiten die klare Nummer eins. Auf Steam entfallen 43,4 %, was die wachsende Bedeutung des PC-Markts für Capcom unterstreicht. Die fotorealistischen Gesichter und die Path-Tracing-Technologie der RE Engine dürften auf dem PC besonders ziehen – die Plattform belohnt visuelle Brillanz traditionell mit hohen Verkaufszahlen.
Ein Detail sticht dabei heraus: 30,8 % der über vier Millionen PS5-Kopien wurden physisch verkauft. Rund 1,2 Millionen Discs fanden ihren Weg in die Regale der Spieler. Diese Zahl ist ein stiller, aber deutlicher Fingerzeig an Sony, dessen All-Digital-Strategie in der Community für Unruhe sorgt. Die radikale Neuerung, die Requiem erzählerisch wagt, hat die Nachfrage nach greifbaren Editionen offenbar nicht gebremst.
Die Balance zwischen Schrecken und Katharsis
Hinter den Verkaufszahlen steht ein Spiel, das eine Gratwanderung meistert. Game Director Koshi Nakanishi erklärte im Eurogamer-Interview, was Resident Evil im Kern ausmacht: „Die Essenz ist die Balance zwischen dem intensiven Druck durch Horror-Situationen und der Katharsis, die man empfindet, wenn man sie überlebt und zurückschlägt.“ Genau diese Balance ist es, die Requiem von seinen Vorgängern unterscheidet. Das Grauen von Haus Beneviento war nur der Anfang – der neue Stalker, der Licht hasst, treibt die Angst auf eine andere Ebene.
Kumazawa beschrieb im Interview die Herausforderung, diese Mischung zu dosieren: „Man muss entscheiden, welche Szene das Maximum an Leon-Wahnsinn abbekommt.“ Diese bewusste Dramaturgie – der Wechsel zwischen psychologischem Terror und überdrehter Action – hat das Spiel über die reine Horror-Nische hinausgetragen. Die Neuerungen im Pacing, die Capcoms Team entwickelte, ist womöglich der eigentliche Grund, warum Requiem ein so breites Publikum erreicht.
Der Xbox-Faktor und die Plattform-Realität
Die Zahlen offenbaren eine unangenehme Wahrheit für Microsoft: Von den 8,5 Millionen verkauften Requiem-Einheiten entfallen lediglich 8,6 % auf die Xbox Series X/S. Rund 731.000 Kopien – verglichen mit 4,01 Millionen auf der PS5 und 3,69 Millionen auf Steam. Das ist kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis einer strukturellen Schwäche: Die Xbox Series X/S hat seit ihrem Launch mit einer rückläufigen Marktdurchdringung zu kämpfen, während die PS5 mit über 95 Millionen ausgelieferten Einheiten den Konsolenmarkt klar dominiert.
Dass Microsofts jüngste Hardware-Generation sogar hinter der unpopulären Xbox One zurückbleibt, ist ein Alarmsignal. Branchenkenner sehen darin eine Bestätigung des anhaltenden Abwärtstrends der Marke Xbox im Konsolengeschäft – und Capcoms Verkaufszahlen liefern nun eine handfeste Datenbasis für diese Diagnose. Die Switch 2, auf der Requiem ebenfalls erschien, kommt in den britischen Charts auf 5 % Marktanteil – ein respektabler Wert für eine Neuplattform, aber weit entfernt von der Bedeutung, die PS5 und PC für die Serie haben.



