Der jüngste Preissprung rächt sich für Nintendo schneller als kalkuliert. Nach empfindlichen Dämpfern im operativen Quartalsergebnis schiebt Präsident Shuntaro Furukawa weiteren Teuerungen für die Nintendo Switch 2 einen Riegel vor. Statt die spürbar abgekühlte Kaufbereitschaft mit zusätzlichen Aufschlägen zu strapazieren, setzt die Führungsetage nun voll auf frische Software-Zugpferde, um den Schwung vor dem entscheidenden Jahresendgeschäft wiederzubeleben.
Furukawa stoppt weitere Preiserhöhungen der Switch 2
Mit einem operativen Gewinneinbruch von rund 16 Prozent auf 73,9 Milliarden Yen (entspricht umgerechnet rund 468 Millionen US-Dollar) zieht Nintendo-Präsident Shuntaro Furukawa die Konsequenzen aus der Kaufzurückhaltung und stoppt alle Pläne für weitere Preiserhöhungen der Konsole. Auch der Umsatz sackte im selben Zeitraum um 15 Prozent ab, womit sich die jüngste Teuerung direkt an den Kassen bemerkbar macht.
Die Bremsspuren treffen das Unternehmen zu einem heiklen Zeitpunkt. Im abgelaufenen Quartal wanderte die Nintendo Switch 2 weltweit 2,67 Millionen Mal über die Ladentische, womit die installierte Hardware-Basis nun bei 26,35 Millionen Geräten steht. Verglichen mit dem beispiellosen Siegeszug des Vorgängers, der inzwischen bei 157,2 Millionen verkauften Einheiten verweilt, verliert das zweite Verkaufsjahr spürbar an Dynamik. Nach dem Aufschlag im Spätsommer überlegen viele Interessierte zweimal, ob sie das Geld investieren.
Dabei war der Schritt absehbar. Bereits im Frühjahr folgte die Entschuldigung von Shuntaro Furukawa, als steigende Komponentenpreise und Zölle den Konzern zu diesem unpopulären Schritt zwangen. Konsolenhersteller verbilligen ihre Hardware im zweiten Lebenszyklus traditionell über optimierte Fertigung, doch Nintendo ging den umgekehrten Weg. Das Ende weiterer Preisschritte soll nun Ruhe in den Markt bringen, doch die eigentliche Rettung muss aus den Entwicklerstudios kommen.
Mit Zelda-Remakes trotzt Nintendo der Konsolenflaute
Genau an dieser Front liefert der jüngste Geschäftsbericht die dringend benötigte Entlastung. Satte 15,04 Millionen Switch-2-Spiele wanderten im Quartal über die Tresen. Die alte Hardware spielte mit gerade einmal 610.000 Verkäufen kaum noch eine Rolle. Die Community hat den Generationswechsel vollzogen und greift bei neuen Titeln beherzt zu. Wer das Gerät bereits im Wohnzimmer stehen hat, kauft fleißig Futter für den Modulschacht.
Als wichtigster Hoffnungsträger fungiert das frisch veröffentlichte Remake von Ocarina of Time, das alte N64-Tugenden mit modernen Standards bündelt. Um Neulinge abzuholen, spendierten die Entwickler Link erstmals eine freie Sprungtaste. Director HokWai Ng begründete den Schritt mit den veränderten Gewohnheiten: „Im Original gab es keine eigene Taste für Sprünge. Für Link haben wir die Steuerung jüngerer Serienableger übernommen und ermöglichen es, überall mit einem einzigen Tastendruck zu springen.“
Auch beim Grafikstil überließen die Macher nichts dem Zufall. Serien-Produzent Eiji Aonuma stellte klar, dass es bei der Neuauflage um die passende Stimmung gehe: „Für uns geht es immer darum, die beste Lösung zu finden – was zum Spiel passt und was wir erreichen wollen. Es ist niemals Veränderung nur um der Veränderung willen.“ Dieser Qualitätsanspruch hält die Software-Zahlen stabil, doch an den Börsen reicht kreatives Feingefühl allein längst nicht mehr aus.
Morningstar warnt vor abkühlendem Anleger-Interesse
Hinter den Kulissen wächst die Skepsis der Finanzanalysten, ob Nintendos Rechnung für das Gesamtjahr aufgeht. Kazunori Ito, Research-Direktor bei Morningstar, beobachtet die Entwicklung mit wachsender Vorsicht: „Die Investoren haben sich im zweiten Jahr der Konsole merklich von der Switch-2-Plattform abgekühlt.“ Zwar sei ein Nachlassen nach dem anfänglichen Ansturm historisch normal, doch das Tempo des Rückschlags erwischte selbst erfahrene Marktbeobachter früher als erwartet.
Dieser frühe Knick hängt unmittelbar mit der Preisgestaltung zusammen. Der Aufschlag von 50 Dollar sollte die Margen gegen inflationsbedingte Mehrkosten absichern, erwies sich jedoch als empfindlicher Bremsklotz für das Hardware-Wachstum. Nintendo hält ungeachtet der Quartalsdelle an der offiziellen Prognose von drei Prozent Gewinnwachstum für das Fiskaljahr fest. Das Management vertraut darauf, dass die installierte Basis groß genug ist, um das Ergebnis über lukrative Software-Verkäufe zu tragen.
Für Furukawa und sein Team beginnt damit das entscheidende Pokerspiel. Der Verzicht auf weitere Preisanhebungen nimmt den Druck von den Konsumenten, korrigiert aber nicht den bereits erhöhten Einstiegspreis. Wenn der Konzern sein Wachstumsziel im Wintergeschäft erreichen will, müssen Marken wie Zelda und kommende Blockbuster die Kunden in Scharen anlocken. Die Switch 2 bleibt eine erstklassige Spieleplattform, doch die goldenen Zeiten bedingungsloser Selbstläufer sind im zweiten Lebensjahr endgültig vorbei.