Wer seit fast drei Jahrzehnten die Geschicke der legendären Flugkampf-Reihe Ace Combat lenkt, sollte eigentlich mit jedem Winkel eines Kampfflugzeugs vertraut sein. Doch Serienchef Kazutoki Kono steuerte die ikonischen Jets seiner Serie bisher ausschließlich über Bildschirme und Steuerknüppel. Für eine aufwendige Werbekampagne spendierte Publisher Bandai Namco seinem Chefentwickler nun endlich den ersten realen Flug – allerdings in einem höchst überraschenden Flugzeugmuster.
Eine MiG-21 statt F-16 für den Chefentwickler
Bandai Namco setzte Kazutoki Kono für seinen Premierenflug nicht etwa in eine moderne F-16, sondern beförderte den Entwickler in das Cockpit einer klassischen sowjetischen MiG-21. In einem begleitenden Werbevideo zeigte sich der sichtlich bewegte Spielemacher überwältigt von den physikalischen Kräften, die auf seinen Körper einwirkten.
Vor dem Einsteigen habe er durchaus Angst verspürt, gestand Kono rückblickend. Sobald die Maschine jedoch in der Luft war, entwickelte sich der Ausflug für ihn zu einer unvergesslichen Erfahrung. Vor allem die vertikalen Belastungen hinterließen Eindruck: „Die G-Kräfte in den Kurven waren spürbar, aber am stärksten fiel mir die Kraft auf, die mich nach unten in den Sitz drückte“. Trotz der extremen Enge beschrieb er die Kanzel als überraschend komfortablen Raum, der seinen Respekt vor echten Kampfjets nachhaltig vertiefte.
Drei Jahrzehnte vergebliches Bitten im Hangar
Die Einladung ins Flugzeug markiert das späte Ende einer kuriosen Geduldsprobe. In einem Gespräch mit dem Spielemagazin PC Gamer bedauerte Kono noch im Juni, drei Jahrzehnte lang vergeblich um einen Mitflug gebeten zu haben. Seit seiner Mitarbeit an Ace Combat 2 im Jahr 1997 blitzte er beim Management regelmäßig ab: „Leider habe ich in den letzten 30 Jahren meiner Karriere immer wieder darum gebeten und gesagt: ‚Hey, wir wollen in einem dieser Jets mitfliegen!‘, aber wir hatten bisher noch keine Gelegenheit dazu.“ Weder ihm noch anderen Teammitgliedern war dieser Wunsch zuvor gewährt worden.
Der plötzliche Sinneswandel hängt eng mit der veränderten Vermarktungsstrategie des Publishers zusammen. Die Aktion dient als ungewöhnlicher Werbeschub. Immerhin führte Kazutoki Kono die Flugkampf-Reihe bereits zum Verkaufsrekord von Ace Combat 7, ohne je selbst in einem Kampfjet gesessen zu haben. Mit zusätzlichen Projekten wie einer Miniserie auf YouTube investiert das Unternehmen spürbar mehr Geld in die Marke als in vergangenen Konsolengenerationen.
Ein Blick aus den Wolken auf die eigene Serie
Selbst während der rasanten Manöver über den Wolken verlor der Serienchef seinen Blick für das eigene Handwerk nicht. Bei der Aussicht auf den weiten Himmel dachte Kono unmittelbar an seine virtuelle Schöpfung: „Als ich während des Flugs auf die Wolken und den Himmel blickte, konnte ich gar nicht anders, als daran zu denken, wie unglaublich gut Ace Combat gemacht ist.“ Die Bestätigung aus der Vogelperspektive dürfte der Moral des Teams guttun.
Der enorme Druck auf das Entwicklerteam spiegelte sich bereits im Rekordstart auf Steam wider, der trotz anhaltender Debatten neue Bestwerte erzielte. Ein realer Flug im Passagiersitz verwandelt eine rasante Action-Reihe zwar nicht über Nacht in eine beinharte Flugsimulation. Die Erfahrung unterstreicht jedoch, mit welcher ungebrochenen Leidenschaft das Studio an seiner Reihe festhält – selbst wenn es dafür 30 Jahre Anlauf und ein stattliches Marketingbudget brauchte.
