Supermassive Games hat mehr als 70 Mitarbeiter entlassen – die dritte Entlassungswelle des Studios in drei Jahren. Zwei Monate nachdem das Studio den Abbau noch als „schwierige Entscheidung“ und „notwendigen Schritt zur Sicherung der Nachhaltigkeit“ ankündigte, ist er nun vollzogen. Was aus den drei bereits angekündigten Dark-Pictures-Spielen wird, sagt das Studio weiterhin nicht.
Die dritte Entlassungswelle in drei Jahren ist kein Zufall
Mehr als 70 Menschen verlassen Supermassive – und wer die letzten zwei Jahre verfolgt hat, erkennt darin kein Einzelereignis, sondern ein Muster. Bestätigt wurden die Kündigungen über LinkedIn-Profile ehemaliger Mitarbeiter, darunter Frank Tindle, der bisherige IT- und Facility-Direktor. „Mehr als 70 brillante Menschen verlassen Supermassive: Entwickler, Artists, Producer, QA, Operations und mehr. Jedes Studio wäre glücklich, sie zu haben“, schrieb Tindle – und bot an, Kontakte zu vermitteln.
Der Tonfall dieses Abschieds ist bemerkenswert freundlich. Der Kontext ist es nicht. Im August hatte Supermassive den Prozess offiziell angekündigt und dabei „bis zu 75″ betroffene Stellen in Aussicht gestellt. Wer noch weiter zurückdenkt, landet bei den 36 Entlassungen vom Juli 2025, die damals mit einer Verschiebung von Directive 8020 einhergingen. Drei Wellen seit 2024 – das ist keine Pechsträhne, das ist eine Struktur.
Directive 8020 war kein Flop – aber auch kein Rettungsanker
Das letzte große Spiel des Studios erschien im Mai 2026 und landete bei einem Metascore von 72. Solide, aber kein Durchbruch – und genau das ist das Problem. Der Sci-Fi-Horror um die Crew der Cassiopeia, die den Exoplaneten Tau Ceti f auf Besiedelbarkeit prüft, war der Start von Season 2 der Dark Pictures Anthology. Die Kritiken waren gemischt: 76 auf OpenCritic, ein Nutzer-Score von 5,6. Das reicht für Respekt, nicht für Rettung.
Dass es kommerziell nicht gereicht hat, legt der Zeitplan nahe. Kaum einen Monat nach Release trat CEO Robert Henrysson im Juni zurück – mit warmen Worten über das Team, aber ohne Angabe eines Nachfolgers oder einer Strategie. Ein Studio, dessen letztes Spiel die Erwartungen erfüllt hätte, wechselt den Chef nicht wenige Wochen nach Launch.
Drei angekündigte Spiele, ein großes Schweigen
Intercession, The Craven Man und Winterfold – drei Projekte sind offiziell angekündigt, und zu keinem davon gibt es seit den Entlassungen eine klare Aussage. Das ist der eigentliche Skandal dieses Tages, nicht die Zahl 70. Supermassive hat seine Identität seit Until Dawn (2015) auf ein klares Rezept gebaut: filmischer Narrative-Horror mit verzweigten Entscheidungen, gebündelt über das mysteriöse Wesen The Curator, das jede Dark-Pictures-Geschichte begleitet.
Genau dieses Rezept steht jetzt unter Druck. Wer Directive 8020 vollständig abschließt, bekommt bereits einen kryptischen Vorgeschmack auf das nächste Projekt serviert – ein Beweis dafür, dass Season 2 ursprünglich fest durchgeplant war. Wenn jetzt aber keiner der drei angekündigten Titel mehr mit einem Datum versehen wird, droht das Schlimmste für Fans: eine Anthologie, die mitten in der zweiten Staffel verstummt. Das Studio sagt nichts – und in dieser Branche ist Schweigen nach Entlassungen selten ein gutes Zeichen.
Was jetzt zählt, ist ein klares Wort
Supermassive schuldet seinen Fans und den 70 entlassenen Menschen eine ehrliche Ansage. Welche der drei Season-2-Spiele überleben? In welchem Umfang? Wer führt das Studio, nachdem der CEO gegangen ist? Bis diese Fragen beantwortet sind, bleibt die Dark Pictures Anthology eine Geschichte, die niemand zu Ende erzählt.
