The Elder Scrolls 6 steht vor der ersten echten Enthüllung seit acht Jahren Funkstille. Laut Branchen-Insider Tom Warren bereitet Bethesda für den kommenden Monat die offizielle Ankündigung des Rollenspiels vor, das demnach auf den Namen The Elder Scrolls 6: Sentinel hören wird. Nach zähem Warten und massiven Turbulenzen hinter den Kulissen soll der Vorhang fallen, während Spieler weltweit auf ein greifbares Lebenszeichen hoffen.
Sentinel macht reinen Tisch mit jahrelangen Fantastereien
Sentinel ist der erste handfeste Beweis, dass dieses Projekt endlich seine vage Konzeptphase hinter sich lässt. Was findige Entdecker bereits als kryptisches Easter Egg auf Schildern in Bethesdas Weltraum-Abenteuer sichteten, verdichtet sich nun zur Gewissheit: Das Rollenspiel verlässt die eisigen Höhen von Himmelsrand und verlegt das Geschehen nach Hammerfell. Die Wüstenregion an der Iliac-Bucht gilt seit dem ersten Teaser-Schwenk von 2018 als heißester Kandidat, bekommt nun aber ein klares Gesicht.
Der Untertitel verweist nicht nur auf die gleichnamige Metropole, sondern markiert eine spürbare Kehrtwende für die gesamte Reihe. Statt Spieler als zufällige Gefangene in eine Bürgerkriegsfehde oder eine Daedra-Invasion stolpern zu lassen, rücken die namensgebenden Schriftrollen der Alten selbst ins Zentrum der Handlung. Es geht darum, die uralten Mysterien dieser Artefakte direkt zu entschlüsseln – ein Vorstoß, der die Mythologie tiefer aufdröselt als jeder Ableger zuvor.
Wer Bethesdas bisherige Formel kennt, weiß um die Wucht dieser Kurskorrektur. Jahrelang dienten die Schriftrollen lediglich als mystische MacGuffins, die im Inventar verstaubten oder für Quest-Schritte herhalten mussten. Ein Fokus auf ihre tatsächliche Macht zwingt das Team dazu, die Welt nicht nur als Abenteuerspielplatz zu begreifen, sondern handfeste Story-Tugenden zu beweisen.
Die Bürde von Starfield lastet schwer auf den Dünen von Hammerfell
Hammerfell verlangt von den Entwicklern allerdings mehr als nur eine neue Farbpalette aus Sandsteinfelsen und Oasen. Die Heimat der stolzen Rotwardonen lebt von zersplitterten Küstenstädten, verfeindeten Clans und einer schroffen Geografie, die handgemachte Entdeckerfreude erfordert. Genau hier sitzt der Stachel aus der jüngeren Vergangenheit tief, denn das Vertrauen in Bethesdas Weltenbau hat Risse bekommen.
Die prozedurale Leere des letzten großen Weltraum-Ausflugs hat die gebeutelte Bethesda-Community nachhaltig ernüchtert. Niemand will durch endlose, generierte Einöden ohne handplatzierte Geheimnisse wandern, nur um künstlich gestreckte Spielzeit zu füllen. Ein Rollenspiel dieses Kalibers steht und fällt mit dichter Atmosphäre an jeder Wegbiegung – eine Qualität, die Bethesda nach jahrelanger Kritik wieder unter Beweis stellen muss. Hinter den Kulissen herrscht dagegen Katerstimmung statt Aufbruch.
Kündigungswellen und Gewerkschafts-Ratten trüben den Jubel
Verantwortlich für die gedämpfte Stimmung ist der harte Sparkurs des Mutterkonzerns. Während Xbox-Chefin Asha Sharma das Spiel nach einer internen Demo im August euphorisch mit den Worten adelte, „die schiere Größe und Erhabenheit ist unglaublich – und die Story ist noch besser“, zeichnet die Belegschaft ein völlig anderes Bild. Mitten in diese PR-Lobeshymnen platzte ein schmerzhafter Kahlschlag, der das Studio ins Mark traf.
Vor den Toren von Bethesda protestierte die Gewerkschaft CWA zeitgleich mit einer riesigen aufblasbaren Ratte und 800 roten Flaggen gegen den Rauswurf von über 50 Fachkräften. Betroffen waren langjährige Programmierer und Designer, die das Fundament für Tamriels Rückkehr gegossen hatten. Ein zynischer Kontrast, der durch fragwürdige Abfindungsmodelle laut einem Bericht von The Verge noch verstärkt wurde.
Die verbliebene Mannschaft muss diese Lücken nun schließen, während gleichzeitig die Plattform-Zukunft ungeklärt bleibt. Offiziell als Aushängeschild für PC und Xbox Series X/S gehandelt, steht angesichts der neuen Multiplattform-Strategie von Microsoft längst auch ein PlayStation-Release im Raum. Microsoft kann es sich schlicht nicht mehr leisten, ein Projekt dieser Größenordnung auf ein einziges Ökosystem zu beschränken.
Erschwerend kommt hinzu, dass Bethesda seine Kräfte weiter aufteilen muss. Neben der Mammutaufgabe in Hammerfell laufen Remaster-Arbeiten an Fallout 3 sowie Fallout: New Vegas, während das eingegliederte Team von Obsidian an einem eigenständigen Fallout-Projekt tüftelt. The Elder Scrolls 6: Sentinel muss beweisen, dass die Vision der Entwickler stark genug ist, um Management-Fehler, Personalabbau und den Erwartungsdruck eines ganzen Jahrzehnts wegzustecken.