Monatelang spottete die Community über das leblose Gesicht des Protagonisten, das eher an ein Relikt aus der PS3-Ära erinnerte als an einen Next-Gen-Helden für 70 Euro. Entwickler Archetype Entertainment zieht Konsequenzen und zeigt im frischen Video ein spürbar überarbeitetes Charaktermodell für Exodus-Protagonist Jun Aslan. Das optische Polishing tilgt die größte Angriffsfläche vor dem Release – und beweist, dass das Studio vor dem finalen Feinschliff tatsächlich auf das Forum hört.
Ein Gesicht, das zum Meme wurde
Die Kritik am ursprünglichen Modell war nicht zahm. Auf Reddit beschwerten sich Spieler über ein „zu langes“ Gesicht, „perlenartige“ Augen und Wangen, die aussahen, als hätte jemand nachgeholfen. Ein Kommentar bezeichnete Jun als „plastikchirurgisch aufgefüllt, wie jemand, der ständig sein bestes iPhone-Gesicht aufsetzt“. Ein anderer nannte ihn eine „Chad-Version von Timothée Chalamet“ — und meinte das als Beleidigung. Die Enthüllung liegt Monate zurück, der Spott ist geblieben.
Der neue Trailer zeigt, was Archetype daraus gemacht hat. Jun hat jetzt ein weicheres Profil, einen runderen Kiefer und Augen, die nicht mehr wie zwei Knöpfe wirken. Die Reaktionen auf Reddit reichen von „so viel besser“ bis „sieht aus wie ein galanter Weltraumheld statt wie ein schlechter Charakter-Editor-Unfall“. Ein Nutzer schrieb trocken, der Protagonist habe „die Chad-OP bekommen“.
Warum das Gesicht mehr ist als ein Gesicht
Exodus ist ein storygetriebenes Rollenspiel. Jun Aslan steht in Dialogen, in Zwischensequenzen, in stillen Momenten im Mittelpunkt. Das Gesicht ist die Schnittstelle zwischen Spieler und Geschichte. Wenn es nicht funktioniert, leidet alles andere darunter. Wie hoch der Druck auf Archetype ist, zeigt sich an anderer Stelle: Drew Karpyshyn, Narrative Director des Studios, spricht offen vom unstillbaren Hunger nach Mass-Effect-Nachfolgern — und von dem Gewicht, das auf dem Studio lastet. Ein schwaches Protagonisten-Gesicht wäre in dieser Gemengelage ein Eigentor gewesen.
Das Redesign ist auch ein Eingeständnis. Archetype hätte das Modell verteidigen können. Stattdessen hat das Studio die Gesichtsstruktur neu gebaut. Die technische Begründung liefert das Studio selbst: Mimik, Gestik und Lippensynchronisation in den Zwischensequenzen brauchen ein konsistentes Modell. Individualisierung gibt es trotzdem — Frisuren, Haarfarben, Gesichtsbehaarung, Augenfarben, Make-up, Tattoos. Nur die Grundform steht. Wer sich einen Eindruck vom Gameplay verschaffen will, sieht, wie sehr das Spiel von seinen Figuren lebt — und warum Archetype die Zeit vor dem Release in genau diesen Punkt investiert.
Die weibliche Jun bleibt ein Geheimnis
Was der Trailer nicht zeigt, ist die weibliche Version von Jun Aslan. Archetype hat bestätigt, dass es sie geben wird, und dass sie „bald“ enthüllt wird — mit einer „besonderen Ankündigung“. Ein konkretes Datum nennt das Studio nicht.
Exodus erscheint am 7. April 2027 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S. Bis dahin hat Archetype noch etwa sechs Monate für den Feinschliff. Das Warten könnte sich lohnen — wenn das Studio bei den Figuren denselben Anspruch durchhält wie bei der Technik. Der neue Jun ist ein Anfang. Ob die weibliche Version denselben Spagat zwischen Charakter-Design und Community-Erwartungen schafft, wird sich zeigen.
