Der Xbox Game Pass steht unter neuer Führung unter massivem Druck. Nach dem radikalen Preissprung im Oktober 2025, der die Ultimate-Stufe um satte 50 Prozent verteuerte und einen Sturm der Empörung auslöste, ruderte CEO Asha Sharma im April 2026 zurück – zumindest teilweise. Jetzt, sechs Wochen später, zieht sie eine erste Bilanz: Die Korrektur zeige Wirkung. Nur: Konkrete Belege für diesen Optimismus liefert Sharma nicht.
Die Preisschraube als Jo-Jo: Von 17,99 auf 26,99 auf 20,99 Euro
Um zu verstehen, warum Sharmas jüngste Aussagen bei vielen Beobachtern Skepsis auslösen, lohnt ein Blick auf die wechselhafte Preishistorie des Game Pass. Was sich seit 2023 abspielte, gleicht einer Achterbahnfahrt – mit eindeutigem Trend nach oben:
- Vor Oktober 2025: Game Pass Ultimate kostete in Deutschland noch 17,99 Euro monatlich. Ein Preis, der selbst im Vergleich zu PS Plus Premium (damals 16,99 Euro) als fair galt.
- Oktober 2025: Mit einem Schlag schnellte der Preis auf 26,99 Euro hoch – eine Steigerung um glatte 50 Prozent. Microsoft begründete den Schritt mit neuen Inhalten wie Ubisoft+ Classics und Fortnite Crew, doch die Community reagierte mit Wut. Xbox-Mitgründerin Laura Fryer nannte die Entscheidung öffentlich „Gier statt Gaming“ und sprach von einem „Verrat“ an den Spielern.
- April 2026: Die Kehrtwende: Sharma senkte den Ultimate-Preis auf 20,99 Euro – und kappte gleichzeitig Day-One-Call-of-Duty aus dem Abo. Der PC Game Pass fiel von 14,99 auf 12,99 Euro.
Die preisliche Realität, die Sharma jetzt als Erfolg verkauft: Der „rabattierte“ Ultimate-Tarif liegt noch immer fast drei Euro über dem ursprünglichen Preis von 2024. Von Großzügigkeit kann keine Rede sein – es handelt sich um eine Teilrücknahme eines offenkundig überzogenen Aufschlags.
Sharmas Versprechen – und was dahintersteckt
In einem erneut von The Verge veröffentlichten internen Memo vom 28. Mai räumt Sharma ungewohnt offen ein, dass die Preispolitik ihres Vorgängers Phil Spencer substanziellen Schaden angerichtet hat: „Das Wachstum verlangsamte sich und der Abonnentenverlust beschleunigte sich nach den Preis- und SKU-Änderungen im letzten Jahr.“ Eine bemerkenswerte Formulierung – sie bestätigt indirekt, dass Xbox zahlende Kunden in nennenswerter Zahl verloren hat.
Seit der Preissenkung im April hingegen verzeichne man „eine wachsende Zahl neuer Abonnenten und eine verbesserte Kundenbindung“. Sharma nennt das „einen guten ersten Schritt“ – lässt aber jede konkrete Zahl vermissen. Keine Prozentwerte, keine absoluten Abonnentenzahlen, nicht einmal eine Tendenzangabe. Für einen CEO, der intern kommuniziert, mag das ausreichen. Für die Außenwirkung ist es auffällig dünn.
Noch bezeichnender ist Sharmas Eingeständnis, dass der Weg zurück lang sein wird: „Wir werden dieses Problem nicht in einem Moment oder mit einem Launch lösen. Wir müssen härter arbeiten als das Problem vor uns, um nachhaltiges Wachstum wiederherzustellen.“ Zwischen den Zeilen steht: Der Oktober-Schock sitzt tief, und ein einfacher Rabatt wird nicht reichen.
Parallel dazu läuft – und das ist der eigentlich interessante Subtext – die Diskussion um ein neues, günstigeres Game-Pass-Modell mit dem Codenamen „Triton“, das ausschließlich First-Party-Titel enthalten soll. Ein Eingeständnis, dass das aktuelle Abo-Modell zu teuer und zu unflexibel ist.
XBOX in Versalien: Rebranding als Ablenkungsmanöver?
Fast zeitgleich mit der Preiskorrektur vollzog Sharma eine Entscheidung, die in der Branche für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Per öffentlicher Umfrage auf X ließ sie die Community abstimmen, ob Microsofts Gaming-Sparte künftig „Xbox“ oder „XBOX“ heißen solle. 64 Prozent der rund 19.000 Teilnehmer stimmten für die Versalien-Variante – und Sharma setzte die komplette Umbenennung umgehend durch, inklusive neuem Logo und Boot-Screen.
Im Mai-Memo begründet sie den Schritt: „Wir bauen ein stärkeres XBOX. Das bedeutet harte Entscheidungen darüber, was wir bauen, worin wir investieren und welche Art von Unternehmen wir in Zukunft sein müssen.“ Das klingt nach Aufbruch, riecht aber vor allem nach einer klassischen PR-Taktik: Wenn die Zahlen nicht stimmen, ändere das Logo. Dass zuvor bereits Microsoft Gaming zurück in „Xbox“ umbenannt wurde, unterstreicht den Eindruck einer hektischen Identitätssuche.
Für eingefleischte Xbox-Fans mag die Retro-Anmutung des neuen alten Schriftzugs nostalgische Gefühle wecken. Für diejenigen, die seit Monaten auf echte Verbesserungen am Service warten – mehr Stabilität bei den Preisen, klare Kommunikation zu Exklusivtiteln, eine überzeugende Hardware-Perspektive –, bleibt das Rebranding eine Nebelkerze.
Der Haken: Keine Zahlen, kein Call of Duty, kein echter Rabatt
Sharmas erste Bilanz zur Preissenkung offenbart vor allem eines: Microsofts Game Pass steckt in einer Vertrauenskrise, die tiefer reicht, als eine Preiskorrektur von sechs Euro kitten kann. Drei Punkte stechen besonders heraus:
- Die Call-of-Duty-Lücke: Dass neue Serienableger nicht mehr direkt zum Release im Abo landen, sondern erst mit rund einem Jahr Verzögerung, ist ein fauler Kompromiss. Ausgerechnet das Franchise, das die Preiserhöhung von 2025 mitrechtfertigen sollte, wird nun zur Verhandlungsmasse. Ein geleakter Xbox-eigener Fragebogen deutet sogar darauf hin, dass Microsoft aktiv nach Wegen sucht, Day-One-CoD optional und gegen Aufpreis wieder ins Abo zu holen.
- Die Leak-Strategie: Dass gleich zwei interne Memos innerhalb weniger Wochen bei The Verge landen, ist entweder ein eklatanter Kontrollverlust – oder kalkulierte Öffentlichkeitsarbeit. Die Formulierungen in beiden Schreiben sind auffallend zitierfähig und passgenau auf die Community-Skepsis zugeschnitten.
- Die Konkurrenz lacht nicht: Während Sony die Preise für PS Plus im März 2026 flächendeckend anhob, hat Microsoft mit seiner Teilrücknahme zwar einen kurzfristigen Sympathiepunkt gesammelt. Doch ohne konkrete Abonnentenzahlen und eine langfristig stabile Preisstrategie bleibt das nichts weiter als Schadensbegrenzung.
Was kommt als Nächstes? Sharma deutet „ein flexibleres System“ an. Ob das ein günstigeres First-Party-Abo, eine Rückkehr von Day-One-Call of Duty als kostenpflichtiges Add-on oder eine nochmalige Preisanpassung bedeutet – die Xbox-Community wird es erfahren, sobald das nächste Memo an The Verge durchgestochen wird.