Wenige Tage nach Release war klar, dass Assassin’s Creed Black Flag Resynced kein normales Remake ist. 3 Millionen Kopien in einer Woche, Rekord-Peaks auf Steam, Platz 1 auf Twitch – Edward Kenway segelt wieder, und die Zahlen sind beeindruckend. Aber was passiert, wenn der erste Hype verebbt? Game Director Richard Knight hat in einem Interview mit YouTuber JorRaptor einen ersten Ausblick gegeben – und die Antworten sind weniger eindeutig, als man erwarten würde.
DLC-Ideen ja, Freedom Cry nein – was Knight gesagt hat
Richard Knight hat ziemlich klar gemacht, wo Ubisoft Singapore gerade steht. Die gute Nachricht zuerst: Ja, es gibt DLC-Ideen. „Ich weiß, dass einige im Team DLC-Ideen haben“, sagt Knight. „Wir müssen das mit unseren Zukunftsplänen abgleichen und dann das Hauptspiel weiter aktualisieren.“ Übersetzt heißt das: Die Ideen sind da, die Prioritäten werden gerade sortiert.
Die schlechte Nachricht betrifft alle, die auf ein Freedom Cry-Remake gehofft haben. Knights Antwort darauf ist so ehrlich wie ernüchternd: „Zu Freedom Cry kann ich wirklich nichts sagen. Wir haben gerade alle Hände voll mit diesem Spiel zu tun. Freedom Cry ist auch keine kleine Sache.“ Das ist kein klares Nein, aber es ist nah dran. Knight selbst sagt, es sei „ein Spiel, an das wir uns erinnern“ – und dass es Modernisierungsarbeit brauchen würde. Bei einem Team, das mit Updates, New Game Plus und den DLC-Ideen bereits ausgelastet ist, klingt das nicht nach einer Priorität.
Spannend ist, dass Knight Edward Kenway als Messlatte für alles Zukünftige setzt. Er sei „Herz und Seele des Originals“, und Knight deutet an: „Vielleicht gibt es dort auch noch mehr zu erzählen.“ Wer also auf ein DLC hofft, darf mit Edward-reichen Erweiterungen rechnen – nur eben nicht mit einem Ausflug nach Saint-Domingue als Adéwalé.
New Game Plus und die Shadows-Verbindung
Ein Feature, das Knight dagegen fest zugesagt hat, ist New Game Plus. Und hier wird es technisch interessant. Knight bestätigt, dass der Modus bereits in Entwicklung ist – und dass er auf der Arbeit von Ubisofts Shadows-Team aufbaut. „Simon Lemay-Comtois, der Associate Game Director von Shadows, hat die ganze Arbeit gemacht“, sagt Knight halb scherzhaft. „Wir haben uns das angesehen und sagen: Das können wir auch.“
Die Shadows-Verbindung ist clever. Statt ein NG+ von Grund auf zu entwickeln, kann Ubisoft Singapore auf eine bereits existierende Codebasis zurückgreifen und sie an die spezifischen Anforderungen von Black Flag Resynced anpassen. Knight räumt ein, dass es „andere Herausforderungen“ gebe – man könne „nicht einfach zum Hideout skippen“ – aber der Modus sei „ganz oben auf der Liste“. Konkrete Termine gibt es nicht, aber die Richtung stimmt.
Ob es extra Belohnungen im NG+ geben wird, ist noch offen. „Wenn es nach mir ginge, ja“, sagt Knight, aber die Produktionsentscheidungen stehen noch aus. Jedes neue Item braucht ein Modell, manchmal eine Stoff-Simulation – das kostet Zeit. Immerhin: Shadows hat mit seinem NG+ bereits gezeigt, wie es aussehen kann. Black Flag Resynced muss das Rad nicht neu erfinden, es muss es nur gut genug für die Karibik übersetzen.
Edward Kenway als Kompass
Die strategische Entscheidung hinter all dem ist eindeutig: Ubisoft Singapore setzt alles auf Edward Kenway. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit – es ist sein Spiel –, aber in Zeiten von endlosen Franchise-Erweiterungen ist dieser Fokus bemerkenswert. Statt das Remake mit Ablegern, Spin-offs und DLCs aus allen Richtungen zu befüllen, hält das Team bewusst an einer Figur fest.
Das hat auch mit dem Erfolg zu tun. 3 Millionen Kopien in einer Woche sind ein Statement – und sie bestätigen, dass die Nostalgie nach Edward Kenway und seiner Ära der Piraterie kein kurzfristiger Hype war. Wenn Knight von „mehr zu erzählen“ spricht, dann meint er nicht irgendeine Geschichte in der Assassin’s-Creed-Welt, sondern Edwards Geschichte.
Die Kehrseite: Freedom Cry Fans müssen sich gedulden – oder ihre Hoffnungen begraben. Die Standalone-Erweiterung von 2013 mit Adéwalé als Protagonist gilt vielen als eines der besten DLCs der Serie. Dass Ubisoft Singapore sie nicht einmal als kurzfristige Option sieht, ist schmerzhaft, aber nachvollziehbar: Ein Remake von Freedom Cry wäre eigenständig genug, um ein separates Produkt zu sein – und genau das kostet Zeit und Ressourcen, die das Team gerade nicht hat.
Am Ende steht ein klares Bild: Ubisoft Singapore hat den Überraschungserfolg des Sommers gelandet und arbeitet jetzt daran, ihn zu konsolidieren. DLC-Ideen sind da, aber sie werden Edwards Geschichte weiterschreiben. Freedom Cry wartet. Und New Game Plus kommt – sobald die Codebasis von Shadows es hergibt.



