Erinnerst du dich an Januar 2024, als Palworld plötzlich überall war und dann genauso schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwand? Zweieinhalb Jahre später, nach einem 1.0-Release, der die Spieler zurückbrachte, und einem Rechtsstreit mit Nintendo, der wirtschaftlich gescheitert ist, hat Alinea Analytics die Bilanz gezogen. 700 Millionen Dollar Umsatz aus 30,5 Millionen Verkäufen. Und das Beeindruckende ist nicht einmal die Summe – sondern dass die Zahlen nicht nach einem letzten Aufbäumen aussehen, sondern nach Substanz.
700 Millionen Dollar – das meiste davon von einer Plattform
700 Millionen Dollar klingen absurd – und das sind sie auch, gemessen an den Entwicklungskosten. Pocketpair hat Palworld für knapp 6,7 Millionen Dollar gebaut. Selbst wenn man Marketing und Rechtskosten draufrechnet, bleibt eine Marge, von der die meisten Indie-Studios nur träumen können.
Spannender als die Summe ist aber die Verteilung. Laut Schätzung von Alinea Analytics stammen 85 Prozent des Umsatzes von Steam. Das ist ziemlich viel für ein Spiel, das gleichzeitig auf Xbox und PS5 läuft – und am Launch-Tag 2024 direkt im Game Pass gelandet ist. Eurogamer zufolge liegt der Spieler-Anteil auf Steam bei 64,9 Prozent, auf Xbox bei 31,1 Prozent und auf PS5 bei mageren 4 Prozent. Konkret heißt das: rund 595 Millionen Dollar hat Steam allein eingespielt, der Rest verteilt sich auf die Konsolen. Dass die PS5 so schwach dasteht, liegt auch an der späteren Veröffentlichung – aber der Abstand ist trotzdem frappierend.
Die Spieler bleiben – und zwar richtig
Verkaufszahlen sind das eine. Ob die Leute auch tatsächlich spielen, ist das andere. Gerade bei einem Spiel, das 2024 als Hype-Phänomen startete und dann monatelang aus den Schlagzeilen verschwand, ist die Frage nach der Bindung entscheidend.
Die Antwort von Alinea Analytics fällt überraschend klar aus. Rund 5,2 Millionen Spieler auf Steam haben mehr als 100 Stunden in Palworld investiert – ein Fünftel der gesamten aktiven Spielerbasis. Und 200.000 haben die 500 Stunden Marke geknackt. Das sind nur 0,7 Prozent, aber für ein Survival-Spiel mit Endgame-Content ein starkes Signal: Die Leute bleiben nicht nur für ein Wochenende.
Am vergangenen Wochenende soll Palworld plattformübergreifend durchschnittlich 3,7 Millionen aktive Spieler gehabt haben. Der Concurrent Peak auf Steam kratzte fast wieder an der Million. Wer sich erinnert: Seit August 2024 lagen die monatlichen Peaks konstant unter 100.000. Dass jetzt, zweieinhalb Jahre später, fast eine Million Leute gleichzeitig spielen, ist der Beweis, dass der 1.0-Release nicht nur Nostalgiker zurückgeholt, sondern neue Spieler dazugewonnen hat.
Der 1.0-Effekt: 1,8 Millionen Verkäufe mit Rabatt
Seit dem 1.0-Launch am 10. Juli sollen fast 1,5 Millionen Kopien auf Steam, 300.000 auf PS5 und 70.000 auf Xbox dazugekommen sein – insgesamt rund 1,8 Millionen Verkäufe. Allein auf Steam bedeutet das geschätzte 25 Millionen Dollar zusätzlichen Umsatz.
Allerdings mit einem Pferdefuß: Pocketpair hat zum Launch einen 30 Prozent Rabatt auf Steam gewährt, der diese Woche ausläuft. Kluge Taktik: den ohnehin schon fairen Preis von 29,99 Euro (Pocketpair hatte eine Preiserhöhung zuletzt verworfen) mit einem temporären Rabatt kombinieren. Das hat offenbar gezündet.
Die 70.000 Xbox-Verkäufe seit 1.0 klingen wenig, aber das täuscht. Der Großteil der Xbox-Spieler – geschätzt 10 Millionen – hat Palworld über Game Pass gespielt. Die Verkaufszahlen zeigen also nur die Spitze des Eisbergs.
Was Pocketpair mit 700 Millionen anfangen kann
Die Frage, die bei solchen Zahlen aufkommt: Was macht Pocketpair jetzt mit dem Geld? Ein Palworld 2.0? Ein komplett neues Projekt? Oder erstmal ausschlafen?
Publishing-Manager Bucky hat mehrfach klargestellt, dass Palworld kein zweites No Man’s Sky wird. Die Engine setzt Grenzen, und die lineare Fortschrittsmechanik macht endlose Updates schwierig, ohne dass das Spiel sich aufbläht. Er zog sogar einen WoW-Vergleich: Irgendwann führen neue Level-Stufen nicht zu mehr Tiefe, sondern zu Zahlen-Inflation.
Gleichzeitig ließ er die Tür für ein Palworld 2.0 bewusst offen – unter der Bedingung, dass neue Inhalte frisch bleiben. Die 700 Millionen Dollar geben Pocketpair jedenfalls die Freiheit, den nächsten Schritt ohne Druck zu wählen. Ob neues Projekt oder große Erweiterung: Der Kassenstand erlaubt beides.